7 Dinge, die man für gute Fotos nicht braucht

Es gibt im Leben eine Menge Dinge, die man irgendwann brauchen kann oder nutzt, weil man sich von ihnen einen wie auch immer gearteten Zugewinn erhofft. So auch in der Fotografie. Heute plaudere ich frei Schnauze über 7 Dinge, die ich zwar nicht per se für nutzlos, doch für gute Fotos für „insgesamt entbehrlich“ halte.

1. Analogfotografie

Ach, das waren noch Zeiten! Man fotografierte auf Film, ging damit ins Labor und freute sich (oder auch nicht) über die Fotos. Keine Smartphones, kein Instagram, nichts trübte die heile Fotowelt. 🙂 Aaaber! Was hat mich die Analogfotografie Geld gekostet? Wie oft habe ich mich über Labore geärgert, wenn meine Abzüge zerkratzt waren? Was habe ich mich über Farbstiche (Hallo, Kodak!) geärgert? Wie oft stand ich vor dem Problem, dass es für einen Standard-KB-Film mit 200 ASA zu dunkel war? „Aber der Charme. Das analoge Korn. Die Entschleunigung. Man musste sich mehr Mühe geben!“, mag sein, trotzdem ist die Digitalfotografie BESSER. Ich freue mich, wenn sich auch heute noch Menschen mit der Analogfotografie befassen und tolle Fotos machen, aber ich bin froh, dass sie kein Muss mehr ist.

2. Schutzfilter

Viele Fotografen verwenden sie: sog. Skylight- oder UV-Filter um die Frontlinse zu schützen oder weil sie das Foto mutmaßlich verbessern. Als Schutz mögen sie Sinn machen, aber ein sorgsamer Umgang mit dem Equipment sollte es auch tun und ist billiger zu haben als solch ein Filter. Und bei gebogenen Frontlinsen wie z. B. bei Ultraweitwinkelobjektiven ist der Einsatz von Schraubfiltern meist unmöglich. Lächerlich wird es, wenn diesen Schutzfiltern bildverbessernde Eigenschaften nachgesagt werden. Ein namhafter österr. Fachhändler für Foto und Elektronik ist sogar so dreist, mittels Illustration zu beweisen, wie superschön die Fotos werden, sobald man einen Schutzfilter für 29 € verwendet. Diese Beweisfotos sehen (kein Scherz!) ungefähr so aus:

Lasst Euch solche Filter nicht aufschwatzen! So wie gezeigt wird sich ein Schutzfilter niemals auswirken, weil moderne Objektive UV-Licht ausreichend sperren. Verschlechtern tun diese Schutzfilter das Foto nicht, aber verbessern auch nicht.

3. Retro Looks

Stark im Trend sind Retro Looks. Damit meine ich das Simulieren des Looks von Analogfilm-Klassikern, teils noch mit grobem Korn, Rissen und Kaffeeflecken garniert. Selbst auf Instagram und in Kameras gibt es diese Looks schon als Preset. So in etwa sieht das dann aus:

Ja, das ist ja mal eine nette Spielerei, die ganz cool aussehen kann. Aber müssen Fotos aussehen wie Buntwäsche nach 1.000 Waschgängen oder wie 1962 aus Opas Leica entsprungen? Wie jeder Trend geht auch dieser eines Tages vorbei und beginnt einfach nur zu nerven.

4. Stative

Was? Stative sind überflüssig? Nein, natürlich nicht. Es gibt Situationen, wo es ohne nicht geht, aber davon spreche ich auch nicht. Ich nehme den „Mit Stativ fotografiert man besser, weil man sich mehr Zeit für Bildaufbau und -komposition nimmt“ Typ auf’s Korn. Ach ja, das Stativ als „Taktstock“ aller Fotografen mit Niveau! Ein Stativ benötige ich, wenn absolute Stabilität erforderlich ist, wie z. B. bei langen Belichtungszeiten, Serienaufnahmen, Nachtaufnahmen, Produktfotos oder Aufnahmen mit großen Teleobjektiven. Die Nutzung des Stativ darüber hinaus ist Geschmacksache, aber sicher kein Foto-Verbesserer! Zu lernen wie man beim Fotografieren eine Kamera richtig hält und atmet, hört sich belanglos an bewirkt aber oft mehr! In guten Fotobüchern wird das noch erklärt.

5. Social Media

Ich hab eigentlich nix gegen Social Media. Die Idee dahinter ist gut. Es ist nur schlimm, was daraus wurde und daran sind die User wie die Betreiber gleichermaßen schuld. Social Media Kanäle werden immer mehr zur Krawallecke: Es wird zwar ungeniert polemisiert oder gar gedroht, aber weibliche Nippel oder Geschlechtsteile sind anstößig, Menschen machen sich für ein paar € für irgendwelche Konzerne zum Deppen und ein Datenleck nach dem anderen offenbart sich, weil die Betreiber dieser Plattformen entweder ignorant oder unfähig sind. Die Leidtragenden an dieser Entwicklung sind die, die sich noch bemühen, authentischen Content zu liefern, aber von der Masse von zunehmend lauter werdenden Debilen regelrecht erstickt werden.

6. Superzooms

Superzooms sind für viele eine Offenbarung. Einfach ein 16-300er „Rüsseltier“ auf die Kamera und alles ist super, nie wieder einen Sack voll Objektive rumschleppen, nie wieder Objektive wechseln müssen! Ähm… ja. Ich bin ebenfalls bekennender Zoom-Nutzer, aber ein Zoom, das sowohl den Weitwinkel- als auch Telebereich abdecken will, kann nur ein Kompromiss sein, denn die Physik lässt sich nicht außer Kraft setzen. Glaubt jemand, ein 18-200 mm f3.5-5.6 oder 16-300 mm f3.5-6.3 kann einem 24-70 mm f2.8 oder 70-200 f2.8 das Wasser reichen? Bei der normalen „Wald und Wiesenfotografie“ mag das zwar kaum Unterschied machen, doch in der beruflichen / professionellen Fotografie haben solche Allrounder in meinen Augen nichts verloren. Ich verstehe gut, wenn einer keine Objektive mehr wechseln will, aber solche Fotografen sind mit einer Brigde-Kamera möglicherweise besser beraten.

7. Wasserzeichen

An sich spricht nix gegen Wasserzeichen, solange sie als dezentes Branding eingesetzt werden. Aber anscheinend ist das Netz voller gemeiner Fotodiebe, die nur darauf warten, sich mit den Output tausender armer Fotografen zu bereichern und ich habe es nur noch nicht mitbekommen! Da werden (meist von Hobbyfotografen) Geschütze aufgefahren wie in den folgenden Beispielen, Hauptsache es befindet sich schön mitten im Bild, damit ja niemand auf die Idee kommt, ein mickriges Social Media Bildchen voller Komprimierungsartefakte für millionenschwere Werbekampagnen zu klauen oder um damit die Einladungen zu Tinas 50er zu gestalten. Und so sieht das mitunter aus:

Merkst Du was? Du hältst dich für gut und willst das Deinen Mitmenschen zeigen, aber zeigst ihnen einen solchen Dreck? Sorry, aber wenn Dein Vertrauen in die Menschheit derart gering ist, dann zeige am besten gar keine Fotos im Netz! Was tue ich gegen den Fotoklau im Netz? Ganz einfach, ich lade Fotos nicht in ihrer Originalauflösung hoch. Eine niedrige Auflösung schränkt die Verwendbarkeit drastisch ein, aber genügt für die meisten modernen Wiedergabemedien – und ob Tina die Einladungen zu ihrem 50er mit einem meiner Fotos verschönert ist mir egal.

Du bist nicht meiner Meinung?

Ich akzeptiere natürlich, wenn jemand eine andere Meinung hat als ich. Aber ich erlaube mir, meine Meinung zu äußern und das habe ich hiermit getan. Genug für heute. In diesem Sinne…

Gut Licht 🙂