Alte Objektive – brauchbar oder nicht?

Letzten Sonntag war ich mit Peter, einem ebenfalls fotobegeisterten Bekannten, auf Fotosafari mit Schwerpunkt Stadt und Architektur, die dabei entstandenen Fotos gibt es im nächsten Beitrag zu sehen. Der eigentliche Anlass dieser Unternehmung war, dass Peter einige Nikkor Festbrennweiten aus seinem Bestand aus analogen Zeiten besitzt, die er mir zum Testen angeboten hat.Statue auf der Stadtpfarrkirche zu Hall in Tirol. Aufgenommen mit der Nikon D5200 und dem Nikkor 85 mm 1:2Nach einigen Verzögerungen schafften wir beide es endlich, uns auf eine kleine Fotosafari inklusive Objektiv-Testlauf in der Altstadt von Hall in Tirol (im Übrigen die Stadt mit dem größten mittelalterlichen Stadtkern in Tirol) zu verabreden. Über unsere ausgesprochen erfolgreiche Fotosafari inkl. der Fotos werde ich in einem eigenen Beitrag berichten und mich in diesem Beitrag voll und ganz den Festbrennweiten widmen.

Alt, aber immer noch gut!

Ich möchte vorab anmerken, dass Peter bereits in den 80er Jahren mit Spiegelreflexkameras fotografiert hat und sich im Laufe der Zeit für seine Fotoreisen einen beachtlichen Fuhrpark an Nikkor-Objektiven angeschafft hat. Da er inzwischen bei Canon gelandet ist, hat er die Objektive nicht mehr im Einsatz. Hier seine Modelle:

  • 28 mm 1:2,8 E
  • 50 mm 1:1,8 E
  • 85 mm 1:2 Nikkor
  • 105 mm 1:2,5 Nikkor
  • 135 mm 1:3,5 Nikkor

Der Vorteil von Festbrennweiten ist, dass sie technisch gesehen keine Kompromisse in der Optik eingehen müssen, daher meist lichtstärker sind und die Fotos somit etwas brillianter wirken als die von Zoomobjektiven. Meine Bedenken, dass die Güte der Optiken vielleicht nicht mehr ganz dem Stand der Dinge entspricht, ist nach den ersten Testfotos schnell verflogen, doch dazu gleich mehr…Makroaufnahme des 28mm mittels 85mm und Marumi Achromaten.

Abbildungsleistung, Haptik, Kompatibilität

Abbildungsleistung:

Meine Bedenken bezüglich der Abbildungsleistung der genannten Objektive waren unbegründet. Dass so manch moderne Linse möglicherweise die Nase vorn hat, will ich keinesfalls bestreiten, aber ich wage zu behaupten, dass die meisten nur unwesentlich besser sind. Wie wir  beide feststellen konnten, liegen Peters Objektive mit meinem 35 mm f1,8, das wirklich erstklassig abbildet, gleichauf. Die fehlende Bildstabilisierung ist mir unwichtig, da im Zweifelsfalle Stativ, Spiegelvorauslösung und Fernauslöser wahre Wunder wirken. 😮

Haptik:

Kaum Kunststoff, alle Verstellringe laufen sanft und präzise, und man hat sich noch die Mühe gemacht, Skalen aufzudrucken, was heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Man fühlt, dass man in 80er Jahren noch ein Stück japanische Wertarbeit erhalten hat! Von der Haptik vieler moderner Objektive bin ich leider nicht so sehr begeistert und vor allem von preiswerten Kit-Zooms bin ich kuriert.

Kompatibilität:

Die Kompatibilität ist leider der große Haken. An der D5200 angeschlossen muss die Kamera auf „Manuell“ gestellt werden, die Einstellung der Blende erfolgt am Objektiv, die Fokussierung allerdings ohne Schnittbildindikator! Das wäre noch nicht einmal ein Thema, wenn nicht die Belichtungsmessung ebenfalls ihren Dienst verweigern würde! Somit sind umfangreiche Kenntnisse bei der Wahl einer passenden Belichtungszeit erforderlich oder ein externer Belichtungsmesser.Der Roßkogel, 2.646m in den Stubaier Alpen. Mit dem 85mm aufgenommen.

Mein Fazit:

Zweifellos ergeben die Objektive auch heute noch tolle und gestochen scharfe Fotos. Aber so toll es wäre, diese alten Objektive an der D5200 zu nutzen, ganz ohne technische Helferlein wie Schnittbildindikator und Belichtungsmesser wird es aber mühselig. Möglicherweise wäre bei DSLRs mit Fokusmotor eine autom. Fokussierung möglich, nur habe ich leider keine zur Verfügung, um das zu testen.

Alle, die noch einen intakten Bestand aus Objektiven aus analogen Zeiten haben, kann ich trotzdem nur davon abraten, diese zu verschenken oder gar wegzuwerfen, da es zum einen kaum Wertverlust gibt und zum anderen man diese auch heute noch prima verwenden kann, die richtige Kamera vorausgesetzt. Und moderne Objektive – auch wenn sie möglicherweise eine bessere Optik verbaut haben – kommen haptisch kaum noch an die älteren Objektive heran.

Und wer weiß? Vielleicht wird das ein oder andere der „alten Scherben“ mit der nächsten Kamera wieder interessant?

Ein Kommentar bei „Alte Objektive – brauchbar oder nicht?“

  1. Peter Pichler sagt:

    Hallo! Die sehr guten Ergebnisse überraschten auch mich. Auf Daniels Vorschlag habe ich mir einen Nikon/Canonadapter gekauft. Der ist im Moment noch unterwegs. Bin schon gespannt, wie sich die Nikonobjektive an meiner Canon machen. Laut Testbericht sollte die Zeitautomatik funktionieren. Sobald ich Fotos mit der geschossen habe berichte ich hier.

Kommentare sind geschlossen.