Astrofotografie – Erfahrungen und Tipps

„Ein Wahnsinnsfoto! Wie wurde das gemacht?“ Diese Frage kam mir schon beim Anblick so einiger Fotos in den Sinn. In einem Gebiet, das mit besonders vielen „Wahnsinnsfotos“ aufwartet, war ich schon erfolgreich: Die Astrofotografie. Hier stelle ich Euch meine Mittel und Wege vor, mit denen auch Ihr zu faszinierenden Aufnahmen des Sternenhimmels kommen könnt.2013-08-01_148

Der Weltraum – unendliche Weiten…

Wer von uns hat noch nicht in so manch dunkler, klarer Nacht dieses funkelnde, kosmische Lichtermeer bewundert, das uns die Unendlichkeit des Raumes nur ansatzweise erahnen lässt? Besonders faszinierend ist, dass man umso mehr Himmelsobjekte sieht, je länger man in den Nachthimmel sieht, und wenn man besonders lange hinsieht, zeichnet sich unter besonders idealen Bedingungen auch bei uns im übersiedelten Mitteleuropa die Milchstraße ab. Die Tatsache, dass eine Kamera durch „Längeres Hinsehen“ mehr Licht aufnimmt und in einer Fotografie „sammelt“, macht sich der Astrofotograf zunutze.

August 2012 – meine ersten Versuche

Eines Nachts machte ich mich, bewaffnet mit einer Nikon D3100, auf den Weg. Aus heutiger Sicht muss ich mir eingestehen, dass ich sehr schlecht vorbereitet war. So hatte ich mit der Einstellung von Kamera und Objektiv im Dunkeln sehr zu kämpfen und es wurde empfindlich kalt. Das Resultat: 0 Fotos! Und die wenigen, auf denen etwas zu sehen war, waren nur mit sehr viel Fantasie als Astrofotografien zu identifizieren. Aber ich war der Star des Abends in einer Verkehrskontrolle, weil es wohl nicht sehr häufig vorkommt, dass mitternachts einer mit Fotoausrüstung rumfährt und „Fotos machen will“. 🙂

Also was lief da falsch? Ich bin an die Sache mit einer gehörigen Portion Naivität herangegangen. Ebenso gut sah man, dass ich damals weder die Einstellung meiner Kamera, noch das nächtliche manuelle Fokussieren gut genug beherrschte, noch um die ideale Kameraeinstellung wusste. Nach etwas Übung und dem Lesen von Fachlektüre startete ich einen erneuten Versuch.

Juli 2013 – neuer Anlauf

Mit dem selben Setup und zusätzlichem Wissen probierte ich es noch einmal – mit halbwegs guten Resultaten. In anderen Worten: Sterne waren schon mal zu sehen (für die Galerieansicht bitte auf die Fotos klicken):

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Aber ich war mit der Bildqualität noch nicht ganz zufrieden. Also folgte eine Analyse des Materials und das eingehendere Studium von Kameraeinstellungen und Fachlektüre. Einige Tage später ein weiterer Versuch, der sah dann schon so aus:

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Und weil es so schön war noch einen Versuch. Es war eine klare, heiße Sommernacht und mir fiel eine exponierte Location auf einem Lawinendamm oberhalb von Innsbruck ein. Da diese Location nur eine halbe Stunde Fußmarsch oberhalb meines Wohnortes lag, packte ich meine Ausrüstung und ein kühles Dosenbier ein und marschierte los. Leider war auch dort oben die Lichtverschmutzung trotz klarer Luft deutlich auszumachen! Ich war schon kurz davor, nach dem Bier die Aktion abzubrechen, gab mir aber dann doch noch einen Ruck:​2013-08-03_006 2013-08-03_001 2013-08-03_014

Soweit ganz ordentlich. Aber wie habe ich das gemacht und womit?

Ausrüstung

Kamera: Auf jeden Fall benötigt Ihr eine einigermaßen moderne Kamera mit großem Sensor und akzeptablem Rauschverhalten im hohen ISO-Bereich, z.B. eine DSLR oder wenigstens eine hochwertige Bridge- bzw. Systemkamera.

Objektiv: Empfehlenswert sind lichtstarke Superweitwinkel- bzw. Fisheye-Objektive, um möglichst viel aufs Bild zu bekommen. Als einen erschwinglichen und alltagstauglicheren Kompromiss empfehle ich Weitwinkel-Zoomobjektive.

Stativ: Auf jeden Fall benötigt Ihr ein stabiles Stativ.

Kleidung: Hat zwar nichts mit der Fotografie zu tun, aber steht man stundenlang nur herum, wird Kälte schnell zu deinem größten Feind! Zieht Euch also warm an! 😉

Licht: Eine gute Taschenlampe ggfs. mit rotem Licht ist ein Muss! Bitte macht Euch nicht lächerlich und rennt mit einem Smartphoneblitz herum!

Nervenstärke 🙂: Wenn ihr nachts allein auf weiter Flur und weitab von Siedlungen seid, werdet ihr die ein oder andere Begegnung mit neugierigen Wildtieren haben. Also bitte nicht erschrecken, wenn es um Euch herum knackt, raschelt und Euch im Schein der Taschenlampe das ein oder andere leuchtende Augenpaar anstarrt.

Vorgehensweise

Routine: Lernt, Eure Ausrüstung quasi im Blindflug zu bedienen. Die Zeit ist zu kostbar, um im Dunkeln nach irgendwelchen Einstellungen zu suchen.

Timing: Die beste Zeit für die Astrofotografie ist auf der Nordhalbkugel die Zeit zwischen Juni und September. Nächte mit Mondschein überstrahlen die meisten Sterne. Darum geht am besten zu Neumond bzw. vor Mondaufgang bzw. nach Monduntergang auf Fotosafari.

Tipp: Hilfreich für eure Planung ist eine Anwendung namens Stellarium (auch als App). Nach Eingabe von Datum und Standort könnt ihr sofort die ideale Zeit für euren Fototermin herausfinden.

Witterung: Falls sich Objekte, die nicht fest im Wind stehen, im Bild befinden, sollte es möglichst windstill sein. Der Anblick von sich im Wind bewegenden Bäumen in einer Langzeitbelichtung ist nicht gerade eine Augenweide. Bei Windrädern oder einer Wasseroberfläche kann die Bewegung aber wiederum einen interessanten Blickfang ergeben.

Standort: Wählt Euren Standort und den Bildausschnitt am besten untertags aus. Besonders attraktiv werden Eure Fotos, wenn sich ein markanter Blickfang im Bild befindet, z.B. ein Berg, ein Baum, eine Burgruine, …

Lichtverschmutzung: Absolute Dunkelheit kommt in Mitteleuropa vielerorts leider gar nicht mehr vor. Aber es gibt noch gute Standorte, z.B. in den Zentral- und Ostalpen, auf dem Balkan, auf Korsika, sowie an Nord- und Ostseeküste. Das Licht von Großstädten ist selbst in über 100km Entfernung noch deutlich auszumachen. Diese Karte kann euch bei der Wahl des Standortes behilflich sein.

Gleiches gilt auch für den Lichtschein einer Taschenlampe. Bedenkt, dass jeder Hauch eines Lichtscheines von den Kameras aufgezeichnet wird und Euer Foto bzw. die Fotos anderer Fotografen ruinieren kann!

Einstellungen

Dateiformat: Fotografiert möglichst im RAW-Format und geht bei der Entwicklung der Fotos wie hier beschrieben vor. Auch das JPG-Format ist tauglich, aber macht Euch bewusst, dass dieses Dateiformat nur eine begrenzte Nachbearbeitung erlaubt.

Kameramodus: Manuell. Motivprogramme sind ungeeignet.

Belichtungszeit: Maximal 30 Sekunden, da die Sterne durch die Erdrotation sonst zu Strichen werden!

Blende: Je offener die Blende, desto mehr Licht fällt auf den Sensor. Um möglichst viel Licht einzufangen, solltet Ihr einen einen möglichst niedrigen f-Wert wählen. Je nach Lichtstärke des Objektives sind Werte von f1,8 bis f3,5 empfehlenswert.

ISO: Je höher der ISO-Wert, desto höher die Lichtempfindlichkeit. Leider nimmt aber auch das Bildrauschen zu. Je neuer die Kamera bzw. je größer der Sensor, desto besser ist in aller Regel das Rauschverhalten. Stellt bitte die ISO-Automatik ab und findet mittels Testaufnahmen bei Dunkelheit heraus, wann das Rauschen Eurer Kamera unerträglich wird. Ich setze Werte zwischen ISO 1600 und 3200 ein.

Rauschunterdrückung: Stellt alle Rauschunterdrückungen ab, denn Sie verdoppeln die Wartezeit, bis Eure Kamera wieder zur Verfügung steht und kosten Akkuleistung. Eine nachträgliche Rauschreduzierung mittels guter Software halte ich persönlich selbst bei JPGs für die bessere Option.

Bildstabilisierung: Stellt die Bildstabilisierung unbedingt ab! Nach meiner Erfahrung versucht die Kamera, die Bewegung der Sterne zu „stabilisieren“, was keinen Sinn macht und die Aufnahme ruiniert.

Spiegelvorauslösung: Ab einer Belichtungszeit von mehr als 5 Sekunden überflüssig.

Weißabgleich: Hiermit habe ich leider wenig Erfahrung, da ich in RAW fotografiere und den Weißabgleich später in Adobe Lightroom mache. Bei JPGs ist das jedoch nicht mehr möglich und ich empfehle in diesem Fall, mit den Modus „Kunstlicht“ zu arbeiten oder falls möglich, mit einem individuellen Weißabgleich zu experimentieren.

Brennweite: Kurz und knapp formuliert: Je mehr Weitwinkel, desto besser. Brennweiten zwischen 10 mm und 18 mm sind bei DSLRs mit APS-C-Sensoren die beste Wahl. Bei Vollformat-DSLRs sind es zwischen 10 mm und 27 mm.

Fokussierung: Da der Autofokus in der Dunkelheit naturgemäß seinen Dienst verweigert, müsst Ihr manuell auf Unendlich fokussieren. Leider liegt bei fast allen heutigen Objektiven Unendlich nicht am Anschlag des Fokusringes. Die sog. Lichtpunkt-Variante halte ich für die beste Methode, den absoluten Schärfepunkt zu finden: Hierfür fokussiert ihr z.B. eine weit entfernte Straßenlampe oder erzeugt einen hellen Lichtpunkt z.B. mit einem Laserpointer, fokussiert diesen Lichtpunkt und stellt im Erfolgsfall auf Manuellen Fokus um.

Das wars soweit zum Thema Astrofotografie und ich wünsche Euch viel Spaß beim Ausprobieren.