Begegnungen mit Tieren

Titelcollage Wildlife

„Hey, ich glaub ich spinn! Komm sofort her und schau!“ rief plötzlich meine Frau, als wir uns während einer abendlichen Bergtour im kroatischen Velebit auf dem Abstieg befanden. Mein erster Gedanke: „Ach, die hat doch sicher wieder nur einen Schmetterling gesehen.“, doch ich sollte mich gewaltig irren. Keine 100 m von uns entfernt spazierte eine kapitale Braunbärin mit einem Jungtier durch die Karstlandschaft. Leider hatte ich kein Tele auf der Kamera, nur meine Frau hatte ihre Lumix griffbereit, aber egal – draufhalten und auslösen, denn so etwas sieht man nur sehr sehr selten!

So selten man Bären, vor allem mit Jungem, zu Gesicht bekommt, so riskant war diese Begegnung auch. Die beiden Tiere bemerkten uns zwar, aber der Abstand war groß genug und beide schienen ohnehin unbeeindruckt. Trotzdem drängte ich zu einem zügigen Abstieg, da er durch ein Wäldchen führte, der nicht unweit der Marschrichtung der beiden Tiere lag und direkte Begegnungen gerade mit Bärinnen mit Jungtieren können ein böses Ende nehmen. Und das soll hier das Thema sein: Wie begegnet man Tieren richtig und warum kommt es zu Angriffen durch Tiere?

Auch wir sind Tiere!

Zuallererst: Tiere nehmen uns als Tiere wahr und nicht als Menschen. Tierangriffe geschehen fast immer, weil das Tier sich von uns gestört oder bedroht fühlt. Als Beute gilt der Mensch für die wenigsten Tiere und aus reiner Mordlust tötet nur die sogenannte „Krone der Schöpfung“. Manche Tiere haben in uns eine ergiebige Futterquelle entdeckt und suchen darum unsere Nähe, darum finden sich nicht selten Wildtiere in Siedlungen. Meist sind bettelnde Wildtiere aber harmlos, so wie z. B. Alpendohlen oder die Atlashörnchen und Raben auf der Insel Fuerteventura.

Wie begegnet man Tieren richtig?

Erste Regel: Ist man draußen in der Wildnis, sollte man stets bedenken: Dies ist nicht unser Lebensraum, also lasst Tiere in Ruhe und gebt ihnen Raum für den Rückzug! Tiere dürfen nicht bedrängt werden. Auch Kleintiere und Insekten verteidigen sich, wenn sie sich bedroht fühlen. Oft kommt es zum Angriff, weil Menschen in einem Anfall von „Ach wie süß!“ zu aufdringlich und ungestüm werden. Lasst den ersten Schritt der Kontaktaufnahme immer das Tier machen und hat ein Tier kein Interesse, lasst es in Ruhe. Lernt die Sprache der Tiere zu verstehen und die Warnzeichen zu deuten. Meist geht einem Tierangriff eine letzte Warnung voraus, wie z. B. das Fauchen einer Katze oder die gefletschten Zähne eines Hundes. „Komm keinen Schritt näher!“ machte mir die Kreuzotter in folgendem Foto mit einem lauten Zischen deutlich. Gut, dass ich da mein Foto schon hatte. 🙂

Manche Wildtiere sind von Natur aus sehr gutmütig, wie z. B. Yaks oder Steinböcke. Wobei man (wenn sie Junge haben) auch deren Geduld nicht allzu sehr strapazieren sollte.

Wie verteidigt man sich?

Das kann man nicht pauschal beantworten, da wir gegen einen aufmüpfigen Dackel bessere Handhabe haben als gegen große Wildtiere. Was hätte ich z. B. bei einer Konfrontation mit der Bärin getan? Mit Stöcken oder Steinen werfen? Gar nicht gut, die hat ein dickes Fell und mehr Provokation ginge kaum. Als bester Schutz (nicht nur) vor Bären empfiehlt sich, seine Anwesenheit durch lautes Reden anzukündigen, denn Bären gehen dem Menschen eher aus dem Weg und finden so Zeit, sich zurückzuziehen. In Regionen, in denen viele Bären leben, empfiehlt es sich, spezielles Pfefferspray (Achtung, nicht überall legal!) mitzuführen. Auch bei Wildschweinen soll es sich bewähren, mittels „Lärm“ seine Anwesenheit anzukündigen. Was ist mit Hunden? Hunde sind nicht grundsätzlich böse, nehmen aber die Verteidigung ihres Reviers oder Rudels sehr ernst und mögen es keinesfalls, bedrängt zu werden. Ein Hund, der einem Jogger oder Radfahrer nachrennt, folgt entweder seinem Jagdinstinkt oder will sein Revier verteidigen. Normalerweise stellen Hunde die Verfolgung sofort ein, wenn man stehen bleibt (Jagen macht nur Spaß, wenn die „Beute“ davon rennt) oder sich aus seinem Revier entfernt. Für den Extremfall empfiehlt sich auch hier das Mitführen von Pfefferspray.

Was tun bei Weidevieh?

Immer wieder kommt es zu teils tödlichen Angriffen durch Kühe und nicht selten sind Hundebesitzer das Opfer. Passiert wieder einmal solch ein Unfall, lassen böse Kommentare und dieser dämliche Ratschlag, man solle den Hund doch von der Leine lassen, nicht lange auf sich warten. Ich war lange Hundebesitzer und kann diesen Schlaubergern versichern: Fast alle Hunde sind Rudeltiere und rennen nicht davon, solange Herrchen oder Frauchen es nicht tun! Mein Rat: Versucht (nicht nur mit Hund) den direkten Kontakt mit Kühen zu vermeiden, indem ihr z. B. andere Wege sucht oder jenseits eines Weidezaunes bleibt. Falls er sich nicht vermeiden lässt, haltet möglichst Abstand zu den Tieren. Wie verteidigt man sich gegen Kühe? Das einzige was helfen kann, ist durch lautes Rufen oder Schreien bzw. Steinwürfe oder Stockhiebe zu zeigen, dass man sich bedroht fühlt und weh tun kann. Meine Erfahrung mit Kühen ist, dass sie bei Steinwürfen und Stockschlägen schnell das Weite suchen.

Ich hatte man eine riskante Begegnung mit Kühen, die sich zum Glück als harmlos herausstellte. Ich war auf einer Bergtour, damals mit Hund. Vom oben konnte ich sehen, dass der einzig mögliche Abstieg über eine Alm führte, auf der sich geschätzt 30 Stück Tiroler Grauvieh in kleinen Gruppen verteilt befanden. Da man auch weglos gut über die mit kniehohen Alpenrosen- und Blaubeersträuchern bewachsenen Alm kam, versuchte ich genug Abstand zu den Tieren zu halten, damit sie den nicht allzu großen Hund zwischen den Büschen nicht entdecken. Von wegen! Auf einmal sah ich, wie 5-6 Kühe auf uns zugelaufen kam – mehrere Tonnen Beef in vollem Trab – nicht gut, gar nicht gut!! Davonrennen zwecklos, Kühe sind schneller! Ich sah nur einen Ausweg: Sich groß machen, mit den Stöcken herumfuchteln, laut werden, zeigen, dass man sich bedroht fühlt. Und tatsächlich, sie blieben ein paar m vor uns stehen. Eine der Kühe versuchte näher zu kommen und kassierte sofort einen gezielten Steinwurf, woraufhin sie sofort zurückwich. Und was war? Die Kühe waren nur neugierig auf meinen sichtlich verwirrten Hund, der seinerseits mein Rufen und Herumfuchteln als Zeichen missverstanden hat, stehenzubleiben. Selten war ich so erleichtert wie in dem Moment, kann ich Euch sagen! 🙂

Fazit

Das meiste beruht auf meine persönlichen Erfahrungen als ehem. Tierhalter und Naturliebhaber. Respekt vor der Natur und vor Tieren sind das oberste Gebot, will man das Risiko eines Angriffes durch Tiere vermeiden und vergesst nicht, dass Tiere keine mordenden Kampfmaschinen sind. Darum verletzt oder tötet keine Tiere, wenn es nicht um Leib und Leben geht, jedes Tier hat irgendwo seine Funktion und Daseinsberechtigung in der Natur.

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