Besser verkaufen mit guten Produktfotos

Heute geht es um Produktfotos. Sicher hat jeder schon einmal etwas auf Ebay, Willhaben usw. verkauft, aber macht man sich um die Produktfotos ebenso Gedanken? Vermutlich selten, denn entsprechend sehen Produktfotos in Verkaufsanzeigen oft auch aus. Wenn ich etwas verkaufen will, dann idealerweise mit Foto, Verkaufsanzeigen mit Foto werden öfter angeklickt. Aber warum Zeit und Arbeit in etwas investieren, das man eh loshaben will? Um mit einer professionellen Präsentation die Verkaufschancen zu erhöhen – das Auge „isst“ immer mit. Ein Beispiel: Angenommen ich möchte meine Nikon D800 verkaufen und versuche das mit so einem Foto:

Das ist unter keinen Umständen ein gutes und verkaufsförderndes Produktfoto! Gute Produktfotos sind ein Muss, wenn ich besser verkaufen will. Das gilt übrigens auch für Porträts, die ich z. B. für Bewerbungen, Datingportale usw. verwende. Keiner, der nicht arbeitslos oder Single bleiben möchte, würde das mit Partybildchen oder Gruselselfies tun! Soll aber heute nicht das Thema sein. Was benötigt man für gute Produktfotos? Weniger als man denkt! Rennt jetzt bitte nicht los zum Fotografen oder macht einen Photoshop-Crashkurs, sondern lest einfach weiter. 🙂 Wie man schnell und einfach gute Resultate erzielt, zeige ich Euch jetzt.

Das Konzept

Zuallererst überlege ich mir, welche Eigenschaften das Produkt hat und wie ich diese im Foto optimal präsentiere. Beispiel: Ich möchte einen Artikel mit „Schönheitsfehler“ verkaufen. Klingt nicht gut oder? Also weise ich im Text darauf hin und mache ein aussagekräftiges Foto davon. So weiß der Käufer, dass ich mit offenen Karten spiele und das schafft Vertrauen. Noch ein Beispiel: Ich verkaufe einen älteren Artikel, der fabrikneu aussieht. Klingt unglaubwürdig? Na dann mache ich eben ein Foto, das die Makellosigkeit beweist. Diese beiden Beispielfotos zeigen die Schönheitsfehler meiner Nikon D750:

Und diese beiden Fotos sollen dem potentiellen Käufer zeigen, dass die Linsen und das Bajonett meines 35 mm f1.8 Nikkors absolut makellos sind:

Ich fasse zusammen:  Egal ob Beschädigung oder Makellosigkeit – alle Eigenschaften des Produktes sollten möglichst optimal präsentiert werden. So gewinnt man das Vertrauen des potentiellen Käufers.

Der Aufbau

Nun greife ich zur Kamera und… Stopp! Einfach nur drauflos knipsen und man erhält garantiert so ein Gruselfoto wie das oben. Seht Euch mal professionelle Produktfotos in Katalogen oder Prospekten an. Seht Ihr da Artikel auf hässlichen Fliesenböden liegen? Seht Ihr Reflexionen von Fenstern oder Lampen? Oder Staub und Fussel? Sind die Artikel vom frontalen Blitzen halb ausgeleuchtet? Falls ja, bitte um solche Shops einen großen Bogen machen!

Um ein Produkt verkaufsfördernd zu präsentieren, benötige ich einen neutralen „Studio-Hintergrund“. Ich verwende gerne einen großen Bogen weißes Passepartoutpapier, wie man sie für ein paar € im Schreibwarenladen bekommt. Vor einer Kante platziere ich das Passepartout in einem Bogen, der unten mit dem Boden und oben an der Wand anliegt und die Kante „abrundet“. So erhalte ich einen neutral-weißen Hintergrund ohne Ecken und Kanten. Will ich ein größeres Produkt fotografieren wie z. B. ein Auto, lohnt es sich, an einen Ort zu fahren, wo sich möglichst keine störenden Gegenstände im Hintergrund befinden. Einen Oldtimer in einer Tiefgarage abgelichtet und Ihr bleibt auf der Karre sitzen – garantiert! Doch das Auto z. B. in einer hübschen Voralpenkulisse fotografiert und Ihr sammelt Bonuspunkte.

Die Kamera

Nun baue ich die Kamera auf ein Stativ und richte sie so aus, dass der Hintergrund vollumfänglich im Bild ist. Mit einer Aufnahme aus einem 30 ° Winkel („halbe Vogelperspektive“) für das Übersichtsfoto bin ich fast immer sehr gut beraten. Wozu ein Stativ? Damit die Perspektive unveränderlich ist, vor allem wenn ich mehrere Sachen fotografieren will, ist das hilfreich. Detailaufnahmen mache ich auch mal ohne Stativ, aber für Übersichtsfotos ist ein Stativ ein Muss. Eine teure Kamera ist nicht erforderlich. Lediglich eine Brennweite von 50-85 mm wäre ideal, weil die unserem Sehen am ehesten entspricht. Smartphones verwende ich nicht, denn die haben meist nur eine Weitwinkel-Brennweite, was zu Verzerrungen führt.

So sieht ein schneller Aufbau bei mir daheim auf dem Esstisch aus:

Die Aufnahme

Meine Produktfotos sollen keine Kunstwerke werden, sondern gute Aufnahmen. Jede Sekunde, die ich mit Bildbearbeitung verschwende, verringert meine Verkaufschancen. Darum blödle ich nicht mit Raw-Dateien herum und fotografiere immer in JPG in max. Qualitätsstufe, ohne Bildstile oder Effekte und mit moderater Bildschärfung. Jedes Produktfoto muss möglichst fertig aus der Kamera kommen!

Da Staub und Fussel immer unschön sind, mache ich den Artikel vor der Aufnahme sauber. Mit einem hochwertigen Kunsthaarpinsel und einem Mikrofasertuch ist das schnell erledigt. Und wenn ich ein Auto verkaufe, investiere ich unmittelbar vor der Aufnahme in eine Autowäsche. Beim Licht achte ich darauf, möglichst helles indirektes Mittagslicht zu verwenden, denn das ist neutral-hell und ich vermeide harte Schlagschatten sowie unschöne Reflexionen der Umgebung auf Produkten mit Glanzoberfläche. Vom Blitz halte ich nichts, wenn man keinen richtigen Blitz hat bzw. keine Ahnung von der Fotografie mit Blitz, versaut man es garantiert. Auch von Kunstlicht rate ich ab. Mit hellem indirektem Tageslicht gelingt es am besten. Fotografiert wird im M- oder A-Modus, Automatikmodi gehen auch zur Not, nur sollte der Blitz inaktiv bleiben. Ich verwende im M- oder A-Modus Blende 5.6 oder 8, ein geringerer Wert als f5.6 erzeugt „Bokeh-Soße“, ein höherer Wert als f8 Beugungsunschärfen und ich will beides nicht im Foto haben. Um Bildrauschen zu vermeiden wähle ich meist ISO 100 oder 200. Bis zu ISO 400 ist okay, mehr aber auf keinen Fall! Beim Weißabgleich achte ich darauf, dass der weiße Hintergrund auch möglichst weiß erscheint. Blau- oder Gelbstiche sind tabu! Ich verwende entweder die Automatik oder, sollte die mal daneben liegen, den Modus „Sonnig“.

Der Verkauf

Nun erstelle ich meine Verkaufsanzeige. Hierfür verfasse ich eine möglichst einprägsame Überschrift sowie einen informativen Verkaufstext. Um den Post nicht zu sehr in die Länge zu ziehen gehe ich auf das Texten nicht weiter ein, nur soviel: Ich versuche die Neugier zu wecken, achte auf die Rechtschreibung und vermeide den exzessiven Gebrauch von Satzzeichen und „Hyperlativen“. Wer z. B. „WIE NEU!!!“ schreibt, schreit den Käufer an, wer „Supermegatoll“ schreibt, outet sich als Trottel und wer die Rechtschreibung nicht beherrscht, dem misstraut man – Nein, das ist kein Vorurteil, das ich erfunden habe! Wie viele Fotos sollen es sein? Ich beschränke mich je nach Produkt auf 1-4 Produktfotos, mehr ist nicht zielführend. Die Preisgestaltung? Ich versuche nicht dreist zu sein, aber auch nicht zu verschleudern. Verkaufe ich einen Artikel, recherchiere ich im Netz, ob er in gleichen oder ähnlichem Zustand woanders verkauft wird. Falls ja, unterbiete ich den Konkurrenten um wenige €. Wenn also jemand z. B. ein 50 mm Objektiv in sehr gutem Zustand für 200 € anbietet, biete ich meines für 195 oder 199 € an. Jede Wette, dass ich eher verkaufe! 🙂

Tipps

Seid ehrlich und verschweigt nichts. Ein Verkauf um jeden Preis ist nichts wert und auf seriösen Verkaufsplattformen kann der Schuss schnell nach hinten losgehen, wenn man als Betrüger gemeldet wird! Und verwendet keine fremden Fotos, denn eine Abmahnung kann den Artikelwert schnell um das Mehrfache übersteigen. Bei besonders wertvollen Artikeln solltet Ihr auf eine möglichst professionelle Präsentation achten, hier würde es Sinn machen, ein paar € in die Hand zu nehmen und ein Fotostudio aufzusuchen.

So, das war’s eigentlich schon. Wenn Ihr das nachmacht, sollte auch bei Euch einer professionelleren Produktpräsentation beim Verkauf nichts mehr im Weg stehen. Mit ein paar Beispielen aus meiner Produktfotosammlung schließe ich diesen Post ab.

Viel Erfolg beim Verkaufen! 🙂