Der Berg kreißte… Gedanken zu Nikon Z6 & Z7

Titelbild Nikon Z6-Z7

Nikons groß angekündigte „Neudefinition von Spiegellos“ ist da. Nachdem einige Hersteller von Semipro- und Pro-Kameras sich schon vor Jahren vom Spiegel-Prisma-Konzept der DSLR verabschiedet haben und damit zunehmend erfolgreich sind, musste auch Nikon, vor allem nach der Pleite mit dem Nikon-1-System, endlich nachziehen. Nun sind die beiden ersten Pro-DSLM Marke Nikon endlich da und aus allen Kanälen und Ecken hört man es jubeln. Wirklich aus allen? Von mir sicher nicht. Doch warum?

Auf alle techn. Daten gehe ich nicht ein, die könnt Ihr bei Nikon nachlesen: Die Nikon Z7 hat einen 45,7 MP Vollformat-Sensor, den neuen Expeed 6 Bildprozessor, 5-Achsen-Stabilisator, Hybrid-AF, 9 fps Serienbild, 3,2″ Klappdisplay, einen superscharfen OLED-Sucher mit 3,7 Mio. Pixel Auflösung und sie kann UHD-Video mit 30 fps und 10 bit Farbtiefe. Die Nikon Z6 unterscheidet sich im wesentlichen durch den 24,5 MP Vollformat-Sensor und einer höheren Serienbildrate von 12 fps. Doch selbst wenn ich keine Kamera besäße und das Geld hätte, würde ich keine der beiden kaufen, weil das Verhältnis aus Preis und Leistung nicht mehr stimmt! Was Nikon uns da vorsetzt, ist gutbürgerliche Küche zum 5-Sterne-Preis. Nix gegen ein Wienerschnitzel mit Kartoffelsalat und dazu ein Bier, aber nicht zum Preis von 1 kg Beluga Kaviar mit einer Flasche Dom Pérignon! Genau das ist aber der Fall!

Die Z6 ist mit 2.449 € UVP gelistet, die Z7 mit 3.849 € – beide je ohne Objektiv. Nikons Z-Reihe startet mit drei Objektiven, einem 24-70 mm f4, einem 50 mm f1.8 und einem 35 mm f1.8. Ersteres ist mit einer UVP von 1.100 € gelistet (beim Kauf einer Z soll es nur 600 € kosten), das 50 mm mit 680 € UVP und das 35 mm mit 950 €. Ja, richtig gelesen – 35 mm f1.8 für 950 €! Doch es ist nicht nur der Preis, der mich irritiert: Was soll das 24-70 mm f4 und wer schraubt sich das ernsthaft an eine Highend-DSLM? Was soll das mit dem XQD-Kartenformat? Seht mal was die Dinger inkl. Kartenleser, den man auch noch braucht, kosten. Wieso nur einen Kartenslot? Das ist im Pro-Bereich ein No Go und ich spreche aus Erfahrung, denn mich hat mal eine SD-Karte just auf einer Hochzeit in Stich gelassen! Wozu braucht eine DSLM ein Schulterdisplay? Kostet Akkupower und Sucher bzw. Display zeigen diese Infos ebenso gut an. Wieso immer noch diese fummelige Cursorwippe statt einem Wahlrad-Cursor-Hybriden? War, als man sich die Anordnung von Plus, Minus, Serienbild und Menü unten rechts am Body ausgedacht hat, Alkohol im Spiel? Das ist selbst bei Kompaktkameras besser gelöst und die haben wirklich Platzmangel! Warum keine bezahlbare Z6 mit DX-Sensor zur Z7? Will Nikon mit aller Gewalt Premium sein? Einsteiger und ambitionierte Semipro-Fotografen, die normale Jobs haben, vielleicht auch noch eine Familie, die Miete zahlen müssen, sind offenbar keine Zielgruppe mehr. Fotografie als Beschäftigung für Fotografen und Geldproleten, der Pöbel soll gefälligst mit dem Smartphone oder Wühltisch-DSLRs fotografieren oder was? Ein Semipro-Modell wie z. B. eine Z6 mit DX-Sensor z. B. mit einem 16-80 mm f2.8-4 und einer Z7 mit dem Daten der realen Z6, dazu zwei Zoomobjektive, ein 24-70 mm f2.8 oder ein 24-120 mm f4, wären der Knaller gewesen. Nikon labert was von „Neudefinition von Spiegellos“, wirft zwei Sony Alpha 7- bzw. Alpha 9-Imitate inkl. Glas zu exorbitanten Preisen auf den Markt und die Community wird trotz dieser haarsträubenden Firmenpolitik immer noch feucht im Höschen. Hey Leute, das ist doch echt nicht mehr normal was da läuft!

Nun könnte man einwenden, Qualität hätte eben seinen Preis und echte Revolutionen wird es in der Fotografie nicht mehr geben. Mag sein, doch wer in teuren Werbekampagnen großspurig ankündigt, Spiegellos neu zu definieren, sollte dies nicht nur über den Preis tun! Ich sehe keinerlei nennenswerte Vorzüge darin, eine Z6 oder Z7 statt einer Sony oder Fuji zu kaufen. Eine Kamera, die ich verwende, muss zuverlässig sein, günstig im Unterhalt und gute Fotos machen, es ist mir scheißegal von welcher Marke die ist. Und was das Thema Qualität anbelangt, weiß ich spätestens seit meinem D750-Debakel, dass diese bei Nikon keine Preisfrage mehr ist.

Was würde ich tun? Ich würde abwarten, ob Nikon überhaupt in der Lage ist, seine opulente Z-Roadmap einzuhalten, denn wenn der Kunde nicht anbeißt, wird die Z-Serie der gleiche Flop wie die Nikon-1-Serie und Nikons Geschäftszahlen tragen schon lange Rot. Wer Nikon den Rücken gekehrt hat, wird jetzt kaum zurückkehren und jeder Fotograf, der auf Nikon schwört und noch nicht zur Gearslut mutiert ist, wird seine D850 oder D4 sicher nicht verkaufen, nur weil es die Z6 und die Z7 gibt. Wer auf DSLM setzt, sollte sich, falls er auf Vollformat oder Crop besteht, bei Sony oder Fuji umsehen, denn deren Kamera- und Objektivportfolio ist vielfältiger. Wer Outdoor fotografiert und daher ein leichtes und platzsparendes System sucht oder gerne filmt, ist mit Olympus oder Panasonic bestens versorgt und obendrein gibt es für das MFT-System eine Vielzahl guter und preiswerter Objektive. Wer nach wie vor auf DSLR schwört, dürfte sich bald freuen können, denn Nikon-DSLRs und Linsen mit F-Mount müssten theoretisch günstiger werden. Falls die Z6 oder Z7 der feuchte Traum Deiner Fotografenkarriere ist, dann schlag zu, beide Kameras sind sehr gut und ich habe nix davon, sie Dir auszureden. Nur begeistern tun sie mich persönlich, wie man unschwer erkennen kann, gar nicht. 

Allzeit Gut Licht wünscht Euch Daniel

 

P.S: Mir ist klar, dass meine Meinung nicht jedem genehm ist, doch ich erlaube mir diese frei zu äußern und bitte darum, dies zu respektieren, so wie ich die Meinungen anderer respektiere. Solltest Du einer dieser Zeitgenossen sein, die, sobald sie es mit einer missliebigen Meinung zu tun bekommen, in ihrer Argumentation gerne unter der Gürtellinie agieren, dann verlasse diesen Blog.

7 Kommentare bei „Der Berg kreißte… Gedanken zu Nikon Z6 & Z7“

  1. Übrigens: schon im zweiten Satz steckt m. E. „Gehype“:
    „Nachdem einige Hersteller von Semipro- und Pro-Kameras sich schon vor Jahren vom Spiegel-Prisma-Konzept der DSLR verabschiedet haben und damit zunehmend erfolgreich sind, musste auch Nikon,“
    Fakt ist, daß seit Jahren die Spiegellos-Zahlen stagnieren (Systemkameras), die DSLR-Zahlen sinken, sodaß der Gesamtkamera-Markt schrumpft – siehe Zahlen der CIPA.
    Nimmt man noch die Kompaktkameras dazu, befindet er sich im freien Fall – dies betrachte ich im Folgenden aber nicht weiter.
    In welchen (Systemkamera-)Marktsegmenten das am stärksten der Fall ist, das wissen die Kamerahersteller am Besten – ich gehe davon aus, daß insbesondere die Einsteigermodelle an Boden verlieren, weil die Fettfingerbretter (Smartphones) auch da immer mehr abgrasen. Daraus ergibt sich eben eine Produktpolitik, die uns gefallen kann oder auch nicht – steigende Preise sind meine Sache auch nicht, aber die logische Folge, wenn sich Forschungs- und Entwicklungskosten auf eine immer kleinere Stückzahl umlegen.

    Den dritten Absatz kommentiere ich besser nicht, bis auf die Tatsache, daß ich in der D500 NUR den XQD nutze, weil selbst die schnellsten (letztes Jahr) SD zu lahm sind.
    Und wer über gute Speicherkarten mault – der wundert sich dann, wenn das SD-Zeug ausfällt?
    Das kann ICH nicht nachvollziehen. Die Dinger sind ja schon labberig, wenn man sie in die Hand nimmt. Meine CF- und XQD-Karten der letzten 8 Jahre leben jedenfalls alle noch.

    1. Also ich habe nix davon, DSLM zu hypen, aber ich vertrete die Ansicht, dass die Zukunft der Fotografie spiegellos sein wird. Bin mir auch nicht sicher, ob die Forschungs- und Entwicklungskosten, die auf immer kleinere Stückzahlen umgelegt werden, für jede Preissteigerung verantwortlich sind, oder warum können z. B. Sigma oder Tamron mehr Objektiv für den € als Nikon bieten? „Maulen“ ist übertrieben. XQD ist natürlich besser als SD, doch denke ich, eine Kombi aus XQD und SD wie bei der D500 hätte Z6 / Z7 gut gestanden, wenn man z. B. Hochzeitsfotografen als Zielgruppe ansprechen will. SD-Karten hat jeder daheim herumliegen und allzu lahm sind die nun auch wieder nicht, wenn man den UHS-II Standard verwendet.

      1. da hat einer mal die Zahlen schön grafisch dargestellt:
        https://www.pentaxforums.com/forums/137-photographic-industry-professionals/363681-dslr-vs-dslm-actual-data-overview-2012-2018-a.html#post4248550
        Wenn nun Canon und Nikon in den Spiegellos-Markt einsteigen und der Trend so bleibt, dann wird’s eben ein bißchen enger für die Olympus und Sony dieser Welt. Ob dann die Preise sinken, wenn jeder vom gleichen Kuchen noch weniger abbekommt – warten wir’s ab.

        1. …und gegen sinkende Preise dank eines größeren Angebotes kann keiner etwas haben. 🙂

          1. Wünschen kann man sich viel. Aber die DSLM-Preise steigen heute schon stärker als die DSLR-Preise
            http://cipa.jp/stats/documents/common/cr1000.pdf Seite 6
            und wenn der stagnierende Markt auf mehr Teilnehmer aufgeteilt wird …
            … dann wird eben
            – am Material gespart, die Teile werden lummeliger
            – die Preise steigen weiter und schneller
            – irgendein oder mehrere Teilnehmer werden aus dem Markt verdrängt.
            Merke: zum Markt gehören immer zwei: der Anbieter und der Abnehmer. Und letztere werden wohl eher weniger, siehe meinen letzten Kommentar.

  2. „Wer auf DSLM setzt, sollte sich, falls er auf Vollformat oder Crop besteht, bei Sony oder Fuji umsehen, denn deren Kamera- und Objektivportfolio ist vielfältiger. Wer Outdoor fotografiert und daher ein leichtes und platzsparendes System sucht oder gerne filmt, ist mit Olympus oder Panasonic bestens versorgt und obendrein gibt es für das MFT-System eine Vielzahl guter und preiswerter Objektive. “
    … als wenn die Kamera das einzige Stück Equipment in der Fotoausrüstung ist …
    Immerhin hat der Fotograf auch (evtl. nicht zu wenige) Objektive und anderes Zubehör, was zum bestehenden System(!) gehört. Ist nicht wie eine Unterhose: heute die von Schiesser, morgen die von – wem auch immer.
    Wer neu anfängt, der mag sich solche Gedanken machen, der Rest überlegt sich sehr sorgfältig, ob und was er wertverlustig entsorgt – der Gebrauchswert wird in der Regel höher sein als der Wiederverkehrswert.
    Mich läßt der DSLM-Hype jedenfalls relativ ungerührt, solange ich mit meinem derzeitigen Zeug gute Bilder machen kann.

  3. Hallo Daniel,
    wir haben schon ausgiebig über die Nikon „Spiegellos“ diskutiert. Als Canonianer hoffe ich, daß Canon dem Ursprungsnamen „Kwanon“ folgt und eine DSLM designed, die dem Namen alle Ehre erweist. Als ehemaliger analoger Nikonfotograf bin ich von der Z-Reihe enttäuscht.
    Selber halte ich das 4/3″ Format für DSLM-Kameras prädestiniert. Den Vorteil dafür sehe ich der Kompaktheit, sowie im Gewicht des Equipments. DSLMs im Voll- und Cropformat werden die DSLRs ablösen, die Frage ist nur, wie lange das angesichts der Designsünden und der hohen Preise dauern wird.
    Derweilen bleibe ich bei meiner altgedienten EOS 60D und freue mich auf kurzweilige Fotoexkursionen.
    Der Verschluss soll rauchen 🙂

Schreibe einen Kommentar