Der Winter ist schön! Fotografieren in Schnee und Eis

Angesichts dieser etwas „reißerischen“ Überschrift werdet Ihr euch sicher fragen, wo denn dieser ominöse Winter stattfindet, denn in ganz Europa ist von einem Winter derzeit weit und breit keine Spur zu sehen. Macht aber nix, denn ich will ja auch nicht skifahren, sondern fotografieren gehen. Auch wenn es nicht schneit, so ist es inzwischen kalt genug für Schnee und Eis, die eine Menge reizvoller Motive von grenzenloser Vielfalt bieten!

Wo finde ich die besten Locations?

Ideal sind Gefilde mit besonders hoher Luftfeuchtigkeit z.B. in der Nähe von Gewässern. Aber auch Täler und Senken bieten sich an, weil sich in ihnen häufig „Seen“ aus kalter Luft bilden. So waren wir in einem nordostwärts ausgerichteten Tal des Karwendelgebirges unterwegs, wo die tiefstehende Wintersonne sich nur für wenige Stunden blicken lässt. Der Umstand, dass es dort vor längerer Zeit geschneit hat und sich der Frost dort dank inversiver Wetterlage besonders gut hält, sorgt für besonders grobkristalline Eisstrukturen.

Was benötige ich?

Natürlich eine gute Kamera, egal ob DSLR, Bridge- oder Systemkamera, die bei „schlechtem“ Licht ein möglichst optimales Rauschverhalten zeigt. Solltet Ihr ein System mit Wechseloptiken nutzen, empfielt sich ein lichtstarkes Objektiv, mit dem Ihr möglichst nah an das Motiv herangehen könnt. Ein Makro-Objektiv kann, aber muss nicht sein!

Und sonst? Warme Kleidung, Handschuhe, mit denen Ihr idealerweise Eure Kamera bedienen könnt, falls Eure Kamera über kein Klappdrehschwenkdisply verfügt, etwas zum Draufknien oder -liegen und ggfs. eine Thermoskanne mit einem aromatischen Heißgetränk darin.

Wann ist die beste Zeit?

Je kälter, desto besser – Hauptsache Winter! Am besten zieht Ihr in der Früh oder am späten Abend los, denn das warme Farbspektrum der tiefstehenden Sonne und die Blautöne des Eises bilden einen sehr fotogenen Kontrast.

Wie stelle ich meine Kamera richtig ein?

Hier gibt es kein Patentrezept. Am besten fahrt Ihr mit folgenden Einstellungen:

  • Brennweite: 35 mm bis 85 mm, je größer der Sensor, desto höher der Wert.
  • Modus: Manuell oder Belichtungsautomatik (A / Av).
  • Blende: Kann ruhig offen sein, Werte von f2,8 bis f5,6 sind gut.
  • ISO: Je nach Licht von 200 bis 800, Hauptsache es rauscht nicht allzu stark!
  • Weißabgleich: Wolkig oder Manuell (ca. 5.400 K)
  • Belichtungsmessung: Matrixmessung
  • Blitz: Aus

Wie werden meine Fotos richtig schön?

Jeder kennt den Effekt, dass scheinbar tolle Motive häufig in belanglose JPGs resultieren. Das hat damit zu tun, weil die JPG-Engine Eurer Kamera gar nicht wissen kann, wie die wunschgemäße Entwicklung Eurer Fotos aussehen muss. Darum mein Rat, möglichst in RAW zu fotografieren, weil RAW-Dateien mit ihren 12-14 Bit Farbtiefe pro Kanal viel mehr Spielraum in der Ausarbeitung bieten als das JPG-Format mit seinen 8 Bit. Wie ich RAW-Dateien entwickele, darüber habe ich hier geschrieben.

Das solltet Ihr beachten!

Brillenträger kennen diesen Effekt: Kommt ein kalter Gegenstand in einen warmen Raum, bildet sich auf ihm sofort Kondenswasser! Darum solltet Ihr, sobald Ihr wieder in’s Warme zurückkehrt, mit dem Einpacken der Kamera warten, bis sie die Umgebungstemperatur angenommen hat und das Kondensat verdunstet ist. Wasser und Elektronik vertragen sich nicht sehr gut!

Welche Ausrüstung habe ich verwendet?

Seit ein paar Wochen mache ich meine Fotos mit der Nikon D7000, einer immer noch sehr guten und robusten Kamera. Zusammen mit dem bereits erwähnten Sigma leistet sie mir nicht nur in Schnee und Eis treue Dienste und liefert atemberaubende Fotos. „Entwickelt“ werden meine Fotos wie gehabt in Adobe Lightroom. Eine Bildbearbeitung oder gar Manipulation z.B. mittels Adobe Photoshop kommt bei mir nicht zum Einsatz.

Uns so wie die folgenden Aufnahmen können auch Eure Fotos aussehen. Wenn Ihr mich fragt, sind Schnee und Eis nicht minder fotogen als z.B. eine frühlingshafte Blumenpracht: