Die Kroatien-Trilogie: The Four Summits

Die Kroatien-Trilogie: The Four Summits

Alpinismus trifft auf Strandurlaub! Es gibt nicht viele Plätze auf der Welt, an denen Meer und Berge so markant aufeinandertreffen wie an der Küste Kroatiens zwischen den Küstenorten Senj und Starigrad-Paklenica. Während entlang der Küste zahllose malerische Buchten mit glasklarem türkisgrünem Wasser zum Baden einladen, so türmt sich gleich dahinter die mächtige Kulisse des Velebit auf. Es ist Anfang Juli, die Tagestemperaturen sind noch nicht jenseits der 30 °C-Marke und Leser meines Blogs wissen, dass nur faul am Strand herumliegen nicht mein Fall ist. Schon lange wollten wir die drei wichtigsten Gipfel des Velebit besteigen, doch entweder war es zu heiß oder Wetter bzw. Kondition spielten nicht mit. Doch nun sollte es endlich klappen!

Die Lage des Velebit in den Dinariden. Copyright: Felix Reimann. CC BY-SA 3.0

Tag 1: Tulove Grede, 1.127 m

Neben den zwei höchsten und bedeutensten Gipfeln des Velebit, den Vaganski Vrh, 1.757 m und den Sveto Brdo, 1.751 m, kann man sicherlich auch den Tulove Grede zu den bedeutenden Gipfeln zählen. Beim Anblick des Tulove Grede schlagen die Herzen von Kletterern und Fans der Winnetou-Filme höher, Letztere werden ihn unter dem Namen „Nugget Tsil“, der Berg wo Winnetou starb, kennen.

Unsere Route auf den Tulove Grede

Eigentlich ist der Tulove Grede vielmehr ein Komplex aus beeindruckenden Karstfelsen. Der höchste der drei Gipfelfelsen befindet sich in nordwestlicher Richtung und nachdem es im Winter mit einer Besteigung aufgrund der Kälte und des starken Windes nicht geklappt hat, wollten wir es nun endlich in Angriff nehmen. So fuhren wir also von Maslenica kommend die (unasphaltierte) Mali Alan Passstraße hinauf, ließen das Auto bei der Windmauer unterhalb des Berges stehen und begaben uns auf den Anstieg.

Almwiesen und Giftschangen

Der Anstieg zu den Gipfelfelsen besteht anfangs aus einem markierten Wanderpfad und je näher man den Gipfelfelsen kommt, desto felsiger wird das Terrain, bis man die Gipfelfelsen erreicht. Inmitten dieser bizarren Kulisse aus verkarstetem Kalk befinden sich mehrere kleine und wunderschöne Almwiesen mit einer unglaublich vielfältigen Flora und Fauna. Auch in Kroatien begann heuer der Frühling etwas später, so dass zu unserer Freude noch sehr viele Gebirgspflanzen blühten.

Nach einem kurzen Fotostopp auf den Almwiesen begaben wir uns zu der Scharte, ab der man nur noch mit leichter Kletterei zum Hauptgipfel des Tulove Grede kommt. Dort machten wir eine kurze Rast und stiegen abwechselnd auf den Gipfel, da wir es für keine gute Idee hielten, den Hund alleine mit dem Rucksack voller Proviant zurückzulassen. 😉 Während meines Anstieges überraschte ich eine ca. 50 cm lange Hornotter, eine der giftigsten Schlangen unseres Kontinents, zwischen den Felsen. Für ein Foto war die Schlange aber leider zu flink. Hornottern sind sehr scheu und würden nur in größter Not zubeißen, das Ehepaar aus Zagreb, das mir während des Aufstieges auf den Tulove Grede entgegen kam, wurde trotzdem ein wenig nervös, als ich sie auf die zwischen den Felsen wohnende „Poskok“ hinwies.

Hinweis: Bedenkt, dass Ihr im Velebit den Lebensraum vieler Schlangenarten betretet und verhaltet Euch entsprechend umsichtig. Schlangen sind weder ekelig, noch aggressiv, der Biss einer Hornotter ist bei zeitnaher Gabe eines Serums nicht tödlich und außerdem stehen sie fast alle unter strengem Schutz. Es gibt absolut keinen Grund, diese Tiere zu töten!

Hat man die etwa 15-minütige, leichte Kletterei durch teils ausgesetztem Gelände absolviert, wir man mit einer wunderschönen Fernsicht belohnt, die bei perfekten Bedingungen über 100 km weit reichen kann. Nach einer weiteren Rast begaben wir uns wieder auf den Abstieg, der auf der selben Route wie der Aufstieg verläuft.

Fazit: Der Tulove Grede mag zwar auf dem markierten Anstieg keine alpinistische Herausforderung sein, aber er ist landschaftlich sehr reizvoll. Kletterer bietet der Tulove Grede viele Routen durch die steil abfallenden Südflanken. Achtung! Bitte verlasst auf Grund der möglicherweise immer noch vorhandenen Antipersonenminen aus dem Kroatienkrieg unter keinen Umständen die markierten Wege!

Zir, 850 m – unser Bonus-Berg 😉

Nachdem wir also endlich einmal auf dem Tulove Grede standen, war gerade erst ein halber Tag vorbei. Was tun? Mein Gedanke kam sofort auf den Berg Zir, einem 850 m hohen, freistehendem Felsen im Hinterland, der sich in der Nähe der Ortschaft Gornja Ploča befindet. Alpinistisch ist der Zir keine nennenswerte Herausforderung, aber er bietet Kletterern meines Wissens einige Routen durch die steilen Westflanken sowie eine traumhafte Aussicht über die Lika, einem paradiesischem und spärlich besiedeltem Polje hinter dem Velebitgebirge. Schon immer wollte ich dort hinauf!

Die Anfahrt zum Zir erfolgt entweder über die Autocesta A1 oder wie in unserem Fall, da wir ja vom Mali Alan Pass kamen, über Sveti Rok. Kommt man von der A1, empfiehlt es sich, die Ausfahrt Sveti Rok zu nehmen, auf der D80 ca. 2 km Richtung Gospić zu fahren und dann dem braunen Wegweiser zum Zir nach rechts zu folgen. Die Ausfahrt Gornja Ploča ist dem Zir zwar näher, die Anfahrt ist jedoch umständlicher. Achtung! Ab diesem Punkt ist die Straße unasphaltiert und auf etwa halbem Wege kreuzt die Piste etwas überraschend einen völlig ungesicherten Bahnübergang. Fahrt also stets vorausschauend!

Unsere Route auf den Zir

Kein Spaziergang!

Nun waren wir also da. Unsere Bedenken, was die nun einsetzende Nachmittagshitze betraf, wurden schnell verworfen, da wir genügend Wasser dabei hatten und der Anstieg laut Landkarte meist durch Laubwälder führen würde. Erwartungsgemäß führte der Anstieg zunächst in leichter Steigung durch lichte Eichen- und Buchenwälder um den Berg herum und an einer Karsthöhle vorbei, bis wir im letzten Drittel auf einen unbewaldeten Sattel gelangten und deutlich sehen konnten, dass der Rest des Weges nicht einfach nur ein schnöder Spaziergang ist!

Die restlichen 50 Höhenmeter führten über spärlich bewachsenes Terrain und teils sehr steile verkarstete Kalkplatten, die teilweise mit losem Kalkschotter bedeckt waren. Und inzwischen war es doch soweit, dass uns die Hitze zuzusetzen begann. Die letzten Meter zum Gipfel erforderten ein klein wenig Geschick beim Klettern, dann aber war es geschafft: Ein wahrlich atemberaubender Ausblick über eine der wunderschönsten Regionen Kroatiens, die Lika, lag uns zu Füßen und schnell waren alle Strapazen des Tages vergessen.

Da es nun doch heiß zu werden begann und unsere Wasservorräte aufgebraucht waren, dauerte die Gipfelrast nicht allzu lange. Außerdem wollten wir die Vielfalt an Schmetterlingen, die wir während unseres Aufstieges in den Blumenwiesen sahen, fotografieren. Auf Flora und Fauna werde ich in Teil 2 meiner Kroatien-Trilogie näher eingehen, ganz vorenthalten möchte ich Euch die Fotos aber nicht.

Fazit: Der Zir mag zwar kein großer Gipfel sein, aber punktet mit einer grandiosen Aussicht. Die beste Zeit für eine Tour auf den Zir ist nach meiner Einschätzung der Oktober, wenn die umliegenden Wälder und Farnfelder sich zu verfärben beginnen und die Tagestemperaturen sich auf einem angenehmeren Niveau befinden.

Statistik: Höhenmeter: 280 hm (Tulove Grede), 230 hm (Zir)

Tag 2: Vaganski Vrh, 1.757 m

Nach unserem Double-Feature des Vortages waren wir warmgelaufen und ganz heiß auf den höchsten Berg des Velebit, den Vaganski Vrh. Der Wetterbericht hielt was er versprach: an der Küste sonnig, im Hinterland wolkig und Tagestemperaturen von bis zu 27 °C – ideale Bedingungen für eine Bergtour! Schon in der Früh sahen wir, dass der Hauptkamm des Velebit in Wolken eingehüllt war – ein Indiz für eine beginnende Bura. Doch die ist im Sommer meist nur von kurzer Dauer und auch nicht besonders stark. Außerdem befindet sich unser Tagesziel im Hauptkamm des Velebit und erst unterhalb entsteht dieser berüchtigte Fallwind. Wir planten, den Vaganski Vrh vom Hinterland aus zu besteigen, was aber eher unüblich ist. Hierfür haben wir eine Forststraße auserkoren, die bei einem Weiler namens Raduć beginnt und Richtung Westen zurück zum Gebirge fürt. Dank des geländegängigen Fahrzeuges, das uns der Schwiegervater netterweise überlassen hatte, gestaltete sich die Anfahrt auf der ca. 9 km langen Forststraße unkompliziert. Für nicht geländegängige Fahrzeuge ist diese Anfahrt jedoch nicht empfehlenswert.

Unsere Route auf den Vaganski Vrh

Oben angekommen endet die Forststraße an einem wunderschönem Polje namens Bunovac, dort parkten wir das Auto und begaben uns der Markierung entlang in Richtung Gipfel. Das Wetter dort oben war zu unserer Überraschung sehr alpin, mit Temperaturen um die 16 °C und einer tiefhängenden hochnebelartigen Bewölkung – von Sommer keine Spur.

Trügerisches Idyll

Leider verlief während des Krieges von 1991 bis 1995 entlang des Hauptkammes des südl. Velebit eine der Frontlinien und so sind weite Areale inklusive Bunovac vermint. Lediglich ein ca. 5 m breiter Streifen, der von der Parkverwaltung in die Wiesen gemäht wurde, zeigt einem den geräumten Korridor an, auf dem man sich gefahrlos fortbewegen kann. Hat man die Wiese überquert, geht der Anstieg teils sehr steil durch einen wunderschönen Buchenwald. Hier muss man besonders aufpassen, dass man keinesfalls die Wegmarkierung aus den Augen verliert, weil der Pfad wegen des Laubes oft nur schwer auszumachen ist! Große Kothaufen, die wir gelegentlich am Wegesrand vorfanden, zeigten uns, dass in diesen Wäldern Bären zuhause sind.

Nach unserem teils strapaziösen Anstieg durch die Wälder änderten sich plötzlich Landschaft und Vegetation. Statt der Wälder standen wir auf einmal in einer alpinen Kulisse bestehend aus einem Kar, weiten Latschenfeldern und Reißen. Oberhalb des Kares wanderten wir weiter über leichtes Gelände, dann wieder hinab in eine kleine, mit üppigen Wiesen bewachsene Doline, um dann auf der anderen Seite wieder in Richtung Süden durch die Latschen auf einen Grat aufzusteigen. Dabei befand sich unser Ziel doch in der entgegengesetzten Richtung. Zu allem Überfluss steckten wir inzwischen mittendrin im Nebel, was der Landschaft etwas mystisch-surreales gab. Gefehlt hätte nur noch eine Bären-Silhouette, die sich plötzlich an einem Hang aus dem Nebel abzeichnet.

Genusswandern

Doch wir wussten, dass wir ab diesem Punkt keine nennenswerten Steigungen mehr zu erwarten hatten. Dies bestätigte auch eine Gruppe einheimischer Bergsteiger, die an einer Weggabelung pausierte und nach eigenen Angaben den Vaganski Vrh bereits frühmorgens bestiegen hat. Ab sofort war Genusswandern auf einem sehr abwechslungsreichen und wunderschönen Steig angesagt, vorbei an tiefen Dolinen, steilen Felsstufen, endlosen Latschenfeldern und einer unglaublich vielfältigfen Blumenpracht in den Almwiesen. Der Nebel sollte uns aber für den Rest des Weges erhalten bleiben.

Eine derart alpine und farbenfrohe Kulisse, die nicht im geringsten an die typische schroffe Karstkulisse dieses Küstengebirges erinnerte, hatten wir beim besten Willen nicht erwartet! Unweigerlich fühlten wir uns ein wenig an Fantasy-Filme wie „Der Herr der Ringe“ erinnert. Weniger schön waren die dreieckigen roten Warntafeln mit dem Totenkpf darauf, die uns während des gesamten Weges daran erinnerten, dass abseits der markierten Wege über Jahrzehnte hinweg der Tod lauert.

Doch irgendwann nimmt auch der schönste Wanderweg ein Ende und so standen wir endlich auf dem Vaganski Vrh – immerhin der dritthöchste Berg Kroatiens. Kurz vor dem Gipfel nahm wieder einmal eine Schlange vor mir Reißaus. Erkennen konnte ich sie zwar nicht, aber ein Foto der flüchtenden Schlange gelang mir trotzdem.

Die Kinderstube der Bura

Der Nebel, der auf der Festlandseite meist sehr dicht war, begann sich unterhalb des Gipfels rasch aufzulösen. Obwohl es praktisch windstill war, zogen die Nebelfetzen mit hoher Geschwindigkeit über uns hinweg. Dies ist also der Punkt, an dem sich von Osten kommende Kaltluft an den Bergen aufstaut und mit hoher Geschwindigkeit zur Küste abfällt – dies ist die Kinderstube der Bura!

Der Abstieg erfolgte auf dem selben Wege wie der Aufstieg, weitere Fotos von Blumen und Schmetterlingen blieben mir leider verwehrt, da der Ersatzakku für die mitgebrachte D5300 defekt war. Somit blieb mir nur noch mein Smartphone für „fotografische Notfälle“. Der starke Nebel auf der Festlandseite wurde inzwischen immer dichter und hing in dem Buchenwald, den wir bei unserem Aufstieg durchquerten, regelrecht fest, wodurch dieser spätherbstlich, ja fast ein wenig unheimlich anmutete. Der Gedanke, dass etwa 10 km Luftlinie entfernt Menschen bei knapp 30 °C und Sonnenschein am Strand liegen, erschien uns bei diesem Anblick völlig absurd.

Auf den letzten Metern zum Auto begannen wir, die zurückgelegten Höhenmeter und Wegstrecken doch ein wenig zu spüren. Dies wurde durch die Steilheit des Waldpfades und das rutschige Buchenlaub nicht gerade besser. Doch bald hatte uns das Auto wieder, worüber wir schon ein wenig froh waren.

Statistik: Höhenmeter: 610 hm (Aufstieg), 100 hm (Abstieg)

Tag 3: Sveto Brdo, 1,751 m

Den Heiligen Berg des Velebit wollten wir ursprünglich an einem anderen Tag besteigen, da aber wettertechnisch perfekte Bedingungen herrschten und wir noch Kraftreserven hatten, wollten wir es wissen. Die Chance, 4 Gipfel binnen 3 Tagen zu bezwingen, bekommt man schließlich auch nicht alle Tage!

Unsere Route auf den Sveto Brdo

Der Aufstieg erfolgte wie am Vortag ebenfalls von Bunovac aus. Nur mit dem Unterschied, dass wir Bunovac diesmal in Richtung Süden durchquerten. Am Ende dieses wunderschönen Feldes führte uns der Weg entlang eines Bachlaufes durch einen hellen Laubwald. Erst nach der Überquerung einer weiteren, kleineren Almwiese begann der Anstieg in Richtung des Gipfels Bili Vrh, zunächst durch den Wald, dann mit jedem Höhenmeter immer steiler und felsiger werdend durch immer alpiner werdendes Gelände. Auch hier erinnerten uns die roten Warntafeln mit dem Totenkopf darauf, dass man den markierten Pfad niemals aus den Augen verlieren sollte! Trotz der Gewissheit, dass dieser Weg von Minen geräumt ist, fühlt man sich in solch Terrain doch ein wenig unwohl.

Veraltetes Kartenmaterial

Kurz bevor wir den Scheitelpunkt eines vorgelagerten Gebirgskammes erreichten, mussten wir feststellen, dass der in unserer Landkarte eingezeichnete Weg nicht mehr existiert, vermutlich wurde dieser durch einen Steinschlag unpassierbar. Der neue Pfad, der in meiner digitalen Landkarte zum Glück eingezeichnet war, führte nordwestlich um eine große Doline herum und auf der westlichen bzw. südlichen Seite der Doline durch felsiges Terrain und ausgedehnte Latschenfelder in Richtung Bili Vrh. Na das kann ja heiter werden!

Nachdem wir uns über eine Stunde durch das kraftraubende Wirrwarr aus großen Felsen und den armdicken Wurzelsträngen der Latschen gemüht hatten, befanden wir uns endlich wieder in leichtem Gelände bestehend aus malerischen Almwiesen. Der Wegweiser an einer Wegkreuzung teilte uns mit, dass wir den Gipfel in ca. 1 1/2 h erreichen würden.

Unsere Freude über den Anblick der wunderschönen Almwiesen sowie der tollen Aussicht ließ uns den Ärger der vergangenen Stunde sehr bald vergessen. Ab jetzt war erst einmal Genusswandern auf einem aussichts- und abwechslungsreichen Höhenweg angesagt. Genug der kitschigen Worte! Schaut Euch einfach die Fotos an. 🙂

Weiter als man denkt!

So schön der Weg auch war, unser Ziel wollte einfach nicht näherkommen. Ein wenig fühlte es sich so an, als ob der Sveto Brdo von uns weg weichen würde. Für Kurzweiligkeit und Staunen sorgte abermals die Blumenvielfalt, die unseren Weg säumte. Viele dieser Blumen haben wir niemals zuvor gesehen!

Nun aber kam der Gipfel doch in greifbare Nähe. Doch so einfach wollte sich der Sveto Brdo nicht geschlagen geben und zu allem Überfluss machten sich unsere drei Bergtouren der vergangenen 2 Tage doch bemerkbar. Minütlich begannen meine Kräfte zu schwinden, für die folgenden 4 Fotos reichte es aber gerade noch:

Geschafft!

Doch Aufgeben auf den letzten Metern kommt nicht in Frage! Endlich hatten wir es geschafft: Die 3 bedeutensten Berge des Velebitgebirges haben wir endlich bezwungen. Zwar erschöpft, doch voller Freude über das überwältigende Panorama und unsere durchaus beachtliche sportliche Leistung machen wir drei uns über Wasser, Müsliriegel und Cracker her.

Der Abstieg erfolgte ebenfalls auf dem selben Wege wie der Aufstieg. Da wir wussten, dass das letzte Drittel unseres Aufstieges durch teils halsbrecherisches Gelände führt und nicht nur unsere Energiereserven, sondern mittlerweile auch unsere Konzentration zu leiden begann, machten wir uns nach halbstündiger Gipfelrast auf den Rückweg. Stets sollte man bei Bergtouren bedenken, sich auch für den Abstieg genügend Kraftreserven aufzusparen. Nicht ohne Grund passieren die meisten Bergunfälle beim Abstieg! Doch auch der Abstieg war zu schön um ohne jeden Fotostopp weiterzugehen.

Nun aber waren wir drei am Ende unserer Kräfte! Vor allem das Teilstück um die Doline herum durch das chaotische Wurzelwerk der Latschen verlangte uns alles ab. Ab sofort bezeichne ich Latschen als die „Mangroven der Berge“. Doch alles nimmt ein Ende und ich machte auf Bunovac ein paar letzte Fotos von Insekten und Blumen. Vor allem die hellgelbe Variante des Fingerhutes und eine Clematisart, die uns bis dato nur als Kletterpflanze bekannt war, haben es uns angetan:

Statistik: Höhenmeter: 765 hm (Aufstieg), 290 hm (Abstieg)

Unser Fazit

Während unserer dreitägigen Four-Summits-Tour sind wir insgesamt 1.885 hm aufgestiegen und rechnet man die Anstiege während den Abstiegen hinzu, so kamen wir auf insgesamt 2.300 hm. Für knallharte Hardcore-Alpinisten mag das lächerlich klingen, aber gemessen an unserem Grad des Trainings und angesichts des teils halsbrecherischen Geländes sowie der zu überwindenden weiten Distanzen ist das eine sehr beachtliche Leistung, und für uns drei nebenbei bemerkt ein neuer Höhenmeter-Rekord. Alle vier Berge sind jedenfalls wunderschöne Touren in praktisch unberührter Natur.

Tipps

Kletterkenntnisse sind nicht unbedingt erforderlich, aber eine gewisse Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sollte man schon haben. Bitte vergesst nicht, dass auch das Velebit alpine Gefahren birgt! Eine gute Ausrüstung mit vernünftigem Schuhwerk, Stöcken und Reservekleidung empfiehlt sich ebenso wie die Mitnahme von genügend Wasser und Proviant. Aktuelles Kartenmaterial des Velebit bekommt Ihr in Starigrad-Paklenica bei der Parkverwaltung. Alte Karten sind erfahrungsgemäß nicht geeignet, weil Wege entweder gesperrt werden oder verminte Wege zwischenzeitlich geräumt wurden. Große Wildtiere wie Bären, Wölfe und Wildschweine sind in der bewaldeten Festlandseite des Velebit zuhause, eine Begegnung ist aber sehr unwahrscheinlich, weil Wildtiere den Menschen für gewöhnlich eher meiden. Abschließend meine persönliche Bitte an Euch: Im Velebit findet sich noch eine weitgehend intakte Flora und Fauna. Viele Pflanzen- und Tierarten, die die sogenannte „Krone der Schöpfung“ vielerorts längst ausgelöscht hat, finden dort ihren Lebensraum. Daher helft bitte mit, diese einzigartige Vielfalt zu schützen.

Das war Teil 1 meiner Kroatien-Trilogie. Über Feedback in jedweder Form würde ich mich sehr freuen. Ebenso würde ich mich freuen, wenn ich Euch in den folgenden 2 Teilen wieder als Leser begrüßen darf und Ihr meinen Blog weiterempfehlt.

Bis bald! 🙂

Diese Trilogie ist folgenden Personen gewidmet:

  • Ladislaw Hubatschek (1922 – 2016)
  • Margaretha Pomaroli (1928 – 2016)
  • Johanna Dellemann (1949 – 2016)
  • Kurt Pomaroli (1926 – 2015)
  • Anton Hubatschek (1947 – 2009)

2 Kommentare bei „Die Kroatien-Trilogie: The Four Summits“

  1. Peter Pichler sagt:

    Hallo Daniel, hab mir den Beitrag soeben angeschaut. Gratuliere!!! Ganz toll. Den solltest du dem Tourismusverband von Kroatien zeigen. Die Fotos machen Lust auf Mehr.
    Ich weiß, es ist viel Arbeit. Wie ich dich kenne, denkst du schon über eine Multivisionsshow nach :-).
    Gut Licht
    Peter

    1. Danke für Dein Feedback. Und nein, ich denke nicht nur über eine Multivisionsshow nach! 🙂

Kommentare sind geschlossen.