Die Makrofotografie: Kleine Welt – ganz groß (1)

Die Makrofotografie ist ein Spezialgebiet, das zwar nach äußerster Sorgfalt und Geduld verlangt, aber einen mit atemberaubend schönen Motiven belohnt und eine grenzenlose Motivwahl ermöglicht. Kaum ein Spezialgebiet der Fotografie ermöglicht es dem Betrachter, tief in fremde Welten einzutauchen, ohne dafür ein Flugzeug oder gar Raumschiff besteigen zu müssen. 🙂Makrofotografie: Erste brauchbare Resultate aufgenommen mit einer Kompaktkamera von Olympus.Erste Erfahrungen in der Makrofotografie habe ich bereits vor 8 Jahren mit einer Kompaktkamera von Olympus, die über einen Supermakromodus verfügte, sammeln können. Damit sind mir auch einige sehr schöne Fotos gelungen. Nachdem mein Umstieg auf eine SLR-Kamera nun doch schon eine Weile her ist, wollte ich meinen Objektiv-Fuhrpark endlich um das Nikkor 60mm/2.8G ED erweitern. Leider ist mein finanzieller Spielrahmen nicht unbegrenzt, darum habe ich die Anschaffung dieses Objektives auf Eis gelegt und mich nach einer adäquaten Alternative umgesehen.

Alternativen zu einem Makroobjektiv:

  • Nahlinsen
  • Zwischenringe
  • Achromaten

Natürlich gibt es noch weitere Lösungen mit Balgengeräten und dem umgekehrten Aufsetzen eines Objektivs mittels Adapter, aber beides erschien mir nicht praktikabel und ich hätte mich in preisliche Gefilde begeben, die ich ja eigentlich meiden wollte.

Eine Nahlinse hatte ich bereits vor Jahren an einer Panasonic Lumix DMC-FZ50 getestet und mich hat das Resultat nicht sehr überzeugt, da diese leider den Nachteil haben, zum Bildrand hin sehr unschöne Unschärfen und Aberrationen zu erzeugen. Eine Nahlinse war somit keine Lösung für mich.

Gute Resultate würden lt. Erfahrungsberichten anderer Zwischenringe ergeben. Diese beinhalten keinerlei Optik, werden zwischen Kamera und Objektiv angebracht, wodurch sich der Abstand zwischen Optik und Sensor vergrößert und in einen Makro-Effekt resultiert. Leider soll man dadurch einiges an Licht einbüßen, daher würde deren Einsatz nur bei lichtstarken Objektiven mit leichtem Tele Sinn machen. Da ich über keine lichtstarke Festbrennweite mit >50mm verfüge und auch nicht plane, eine solche zu kaufen, war auch diese Lösung für mich hinfällig.

Somit blieben die Achromaten als erschwingliche Lösung zur Auswahl, und nachdem ich bislang nur Positives darüber gelesen habe, habe ich mir spontan einen für € 59,- bestellt.

Achromaten – eine ernstzunehmende Lösung?

Leider war es heute sehr windig und während dieser Jahreszeit machen sich Blüten und Insekten ohnehin eher rar, also habe ich einfach mal im Wohnzimmer mit meiner Session begonnen. Zum Einsatz kam der Achromat am Nikkor 18-55mm Standardzoom und beides wiederum an der Nikon D5200. Alles zusammen war auf dem neuen togopod LUISA befestigt. Das Ergebnis hat mich trotz meiner eher eingeschränkten Möglichkeiten in der Motivwahl sehr überzeugt! (für die Galerieansicht bitte auf die Vorschauen klicken):

Scratch als 4cm große Spielzeugfigur. (Modus: A, Brennweite: 55mm, Blende: f5,6, ISO: 100)Wieder Scratch. Gleiche Enstellungen wie zuvor, aber mit einer Blende von f36 fotografiert.Irgendeine Art Fettkraut. (Modus: A, Brennweite: 55mm, Blende: f11, ISO: 100) Alpenveilchen. (Modus: A, Brennweite: 55mm, Blende: f8, ISO: 400) Veilchenblüte. (Modus: A, Brennweite: 55mm, Blende: f8, ISO: 400)

7 wissenswerte Dinge zum Einsatz von Achromaten:

  1. Geizt nicht an der falschen Stelle und kauft möglichst hochwertige Achromaten!
  2. Verwendet ein (Zoom)Objektiv mit wenigstens 50mm Brennweite, denn ab dem Bereich kann man zum Motiv eine gebührende Distanz wahren – gerade bei Motiven mit ausgeprägtem Fluchtverhalten wichtig (Insekten).
  3. Schließt für eine größtmögliche Tiefenschärfe die Blende (= hoher Blendenwert). Die beiden an sich identischen Aufnahmen von ‚Scratch‘ zeigen den Unterschied.
  4. Arbeitet möglichst oft mit Stativ und Fernauslöser! Unverwackelte Aufnahmen aus der freien Hand gelingen bei der Vergrößerung eher selten, kommen auch noch ungünstige Lichtverhältnisse, niedrige ISO-Werte und eine geschlossene Blende hinzu, nützt Euch der beste Bildstabilisator nichts!
  5. Fokussiert so exakt wie möglich, da man jeden noch so kleinen Schnitzer aufgrund der meist schwach ausgeprägten Tiefenschärfe sofort sieht!
  6. Ein schwacher Aufhellblitz kann bei so manch „schattigem“ Motiv wahre Wunder bewirken, aber Vorsicht bei spiegelnden oder reflektierenden Objekten (z.B. Wassertropfen, Chrom, …).
  7. Wenn Ihr mehrere Stunden am Stück zum Makrofotografieren unterwegs seid, werden Euch eure Knie bzw. die Hosen das sehr schnell übelnehmen. Darum nehmt was Gepolstertes zum Draufknien mit bzw. legt Euch beim nächsten Kamerakauf ein Modell mit dreh- und schwenkbarem Display zu.

Achromaten – ein erstes Fazit:

Das Resultat hat meine Erwartungen sogar ein wenig übertroffen! Mit einem Achromaten bekommt man für wenig Geld die Möglichkeit, ansprechende und qualitativ hochwertige Makrofotos zu schießen, die sich meiner Meinung nach durchaus mit denen von Makroobjektiven messen können. Für Amataurfotografen, die nicht ausschließlich Makrofotografie betreiben, ist ein Achromat auf jeden Fall eine adäquate Lösung.

Fortsetzung folgt …