Die neue D7500 – Revolution oder Evolution?

Ich wurde schwach: Eigentlich wollte ich nicht mehr über Kameras und schon gar nicht über Nikons schreiben aber nachdem ich die Ankündigung einer Nikon D7500 sah und das Datenblatt las, konnte ich es doch nicht lassen und ein paar Klicks kann ich sowieso immer gut gebrauchen. 🙂

Die D7000er-Reihe: zuverlässig und robust, aber…

Schon immer bin ich ein großer Fan der D7000er Serie gewesen, denn sie spricht mit ihrem Funktionsumfang sowohl Einsteiger als auch Experten an, d. h. man hatte mit ihr als wissbegieriger Einsteiger reichlich Luft nach oben, was man mit der D3000er- und D5000er-Serie nicht hat. Leider kam, so meine Meinung, die Weiterentwicklung seit der D7000 etwas zu kurz: Außer dem leicht verbesserten Rauschverhalten, 30 fps Full HD und einem verbesserten AF war da nichts, was mich zum Kauf einer D7100 oder D7200 hätte bewegen können. Bekannte Kritikpunkte der D7000, wie der etwas verkorkste Live View und das Gehäuse wurden hingegen nie verbessert. Eine echte Evolution der D7000 blieb aus und die D7000er Reihe wurde zur VW Golf-Reihe unter den Nikons: zuverlässig und robust, aber irgendwie auch langweilig.

Was ist neu?

Dies ist kein Kameratest und es wird auch keiner kommen. Erstens ist die D7500 noch gar nicht verfügbar und zweitens vergibt Nikon keine Testmodelle, andere Hersteller sind da wohl großzügiger. Kaufen fällt aus, da ich keinen Goldesel, dafür aber mehr als genügend Kameras besitze. 🙂 Ich berufe mich also ausschließlich auf das Datenblatt der D7500 und vergleiche sie mit ihrer Vorgängerin, der D7200. Als erstes fiel mir auf, dass die Nummern D7300 und D7400 übersprungen wurden. Womöglich möchte Nikon die Weiterentwicklung seit der D7200 besonders hervorheben – wer weiß? Die wichtigsten Neuerungen:

  • Hatte die D7200 noch einen 24,72 MP DX-Sensor verbaut, bekommt die D7500 den mit der D500 vorgestellten 21,51 MP-Sensor ohne Tiefpassfilter. Super!
  • Die Serienbildrate hat sich von 6 Bildern/Sekunde auf 8 Bilder erhöht. Das ist ganz ordentlich. Wie lange die D7500 im Raw-Modus durchhält, bis der Puffer voll ist und eine Zwangspause einlegt, wird sich zeigen.
  • Arbeitet in der D7200 noch der Expeed4 Prozessor, steckt in der D7500 wie auch in der D500 die Expeed5-Version. Das dürfte sich vor allem auf ihr Rauschverhalten positiv auswirken.
  • Das etwas fortschrittlichere AF-Messsystem der D500 arbeitet nun auch in der D7500. Neu kam die sog. „Lichterbetonte Belichtungsmessung“ hinzu, diese neue Variante findet man auch im Live View.
  • Der bewährte AF der D7200 hat sich wohl nur unwesentlich geändert: max. 51 Messfelder einschließlich 15 Kreuzsensoren waren gut und sind gut. Neu bei der Messfeldsteuerung ist die „Messfeldgruppensteuerung“.
  • Waren bei der D7200 noch ISO 25.600 als Maximalwert möglich, sind es bei der D7500 (wie bei der D500) ISO 51.200 und es ist sogar möglich, bis lächerliche ISO 1.640.000 hoch zu gehen. Na wer’s braucht…
  • Sowohl interner Blitz als auch Blitzschuh sind nach wie vor vorhanden. Die D7500 ist natürlich kompatibel zu Nikons „Creative Lighting System“ und der Funktionsumfang ähnelt sehr der D500.
  • Bei der D7500 ist endlich Full HD-Video mit bis zu 60 fps uneingeschränkt verfügbar. Cineasten und Filmfreaks dürften sich über Ultra HD mit bis zu 30 fps freuen. Und sie zeichnet Videos jetzt auch im MP4-Format auf.
  • Der Monitor der D7500 ist gleich groß wie bei der D7200, aber wie bei D750 und D500 neigbar und verfügt über eine Touchfunktion. Sehr praktisch.
  • Die D7500 wurde minimal kleiner und ca. 40 g leichter und läuft mit EN-EL15a Akkus, die verbesserte EN-EL15-Akkus sein dürften. Und die waren schon bei normalem Gebrauch kaum leer zu kriegen.
  • Die D7500 verwendet als Okularabschluss den DK-28, die D7200 noch den DK-23. Wenn der DK-28 nicht mehr so leicht verloren geht wie dieser blöde DK-23, ist es mir nur recht. 🙂
  • Ich bin sicher, dass das bewährte Prinzip mit den 2 Speicherkartenfächern beibehalten wurde. Womöglich ist die D7500 wie die D500 in der Lage, je eine XQD– und eine SD-Karte zu verwenden, ihre 4K-Funktionalität spricht für diese Variante.

All diese Änderungen sind insgesamt sehr positiv und machen die D7500 zu einer modernen und soliden DSLR. Klar kann ich auf das ein oder andere Feature verzichten, aber Nikon will mit der D7500 auch andere Käufertypen als meine Wenigkeit ansprechen, ich muss sie nicht nutzen und ich glaube nicht, dass sie die D7500 unnötig verteuern.

Wunschliste

Sicher ist es dafür schon zu spät, aber wenn ich mir für die D7500 noch etwas wünschen dürfte, dann wären das:

  • eine im Live View veränderbare Blende. Dass man für eine Änderung der Blende den Live View verlassen musste, hat mich schon bei der D7000 etwas genervt.
  • ein Foto Live View, der eine echte Bildvorschau anzeigt und nicht nur so tut als ob. Hat mir schon bei der D7000 nicht gefallen und wurde wohl nie geändert.
  • eine Gehäusekonstruktion nach Art der D750, d. h. mit tieferem Griff. Ich habe trotz 1.88 cm Größe eher zierliche Hände und die D7000 lässt sich leider nicht sehr schön halten, vor allem wenn eine schwere Linse drauf ist.
  • WLAN, das sich auch ohne SnapBridge verwenden lässt. Ich bevorzuge es, die freie Wahl zu haben.
  • eine ordentlich konstruierte Spiegel- und Verschlussmechanik, die den Sensor nicht mit Staub und Hydrauliköl verschmutzt. Das bringt mich schon bei der D750 auf die Palme und darf einfach nicht passieren!

Fazit

Die Nikon D7500 macht in meinen Augen so gut wie alles richtig. Ihre Featurelist spricht sowohl den Einsteiger als auch den Enthusiasten oder Experten an. Das bewährte 51-Punkt-AF-System wurde beibehalten und dürfte auch den Fotografen auf der Jagd nach Millisekunden glücklich machen. Ich kann zwar nur den alten 39-Punkt-AF der D7000 beurteilen, aber der war schon sehr treffsicher! Die Ultra HD Funktionalität war überfällig, ebenso „echte“ Full HD mit max. 60 fps. DSLR-Filmer bekommen mit der D7500 also ein gutes Werkzeug zur Hand. Sehr gut gefällt mir, dass Nikon nicht dem Megapixelhype verfällt und der D7500 den 21 MP-Sensor aus der D500 spendiert hat. In Kombination mit der Expeed5-Engine dürfte sich das Rauschverhalten der D7500 noch einmal etwas verbessern. Besonders toll finde ich den neigbaren Monitor: So kann man auch bequem fotografieren, wenn man sie oben oder unten hält und es schont die Gebeine. Ab den 40ern wird das Sich-in-den-Dreck-schmeißen zunehmend mühselig, kann ich Euch sagen! 🙂 Ist die D7500 nun Revolution oder mehr Evolution? In meinen Augen wäre Revolution etwas übertrieben, denn der technische Plafond ist so gut wie erreicht. Hatten D7100 und D7200 so gut wie nichts, dass mich zu einem Ersatz der bewährten D7000 bewegt hätte, so sieht das mit der D7500 ein wenig anders aus. Mein Eindruck: D7000 trifft auf D500. Das Resultat ist die D7500 und die Wahl der Versionsnummer dürfte somit auch geklärt sein. 🙂

Wer eine D7100 oder D7200 besitzt und keine der o. a. Neuerungen dringend benötigt, muss jetzt nicht sofort die D7500 kaufen, denn die beiden Vorgängerinnen sind nach wie vor gute und zeitgemäße DSLRs. Wer eine gute DSLR kaufen und dabei etwas Geld sparen will, sollte jetzt eine D7100 oder D7200 kaufen, denn die dürften jetzt günstiger werden. Wer aber noch die D7000 besitzt und schätzt, aber mal Lust auf was neues hat und keine Vollformat-Ambitionen hegt, erhält mit der D7500 endlich einen würdigen Nachfolger. Für D7000-User lohnt sich das Upgrade auf die D7500 auf jeden Fall. Ich besitze schon genug Kameras, aber kann mir in meiner Fototasche die D7500 mit dem AF-S DX NIKKOR 16–80 mm 1:2,8–4 E ED VR als lichtstarkes Duo sehr gut vorstellen. Die D7500 soll (nur das Gehäuse) 1.499 € kosten – kein Schnäppchenpreis, aber dafür bekommt man auch einiges geboten. Ob sich die D7500 im praktischen Einsatz bewährt, wird sich im Bälde zeigen.

Gut Licht wünscht Euch Daniel! 🙂

2 thoughts on “Die neue D7500 – Revolution oder Evolution?

  1. Hi, alte Liebe rostet nicht :-). Die Kamera scheint ausgereift zu sein. Aber um 1.500 €, eine DX kaufen??? Das Thema hatte wir schon mal mit der 500er. Die D7500 mit dem 16-80er, da für benötigt man viieellleee „Kohlen“ und noch mehr Liebe, damit es so richtig glüht.
    Auf die ersten Fotos von der D7500 bin ich selber gespannt, obwohl ich kein Nikonfan bin. Bewähren muß die Kamera im Alltag. Da kann man nur hoffen, daß der AF funktioniert und der Sensor nicht mit Öl verschmutzt wird.
    GUT LICHT!!!

    • Von wegen „Alte Liebe“! Tatsache ist: die D7100 und D7200 waren im Vergleich zur D7000 eher unspektakulär, aber die D7500 bringt endlich frischen Wind in die Serie. Denke, die D7500 dürfte nach ein paar Monaten im Preis fallen und sich bei 1.200-1.300 € einpendeln. Zusammen mit dem 16-80er dürfte sie dann um die 2.000 € kosten. Das ist für eine gute Kombi nicht unbedingt überbezahlt und Vollformat spielt sich bei dem Betrag auch noch lange nicht.

      LG Daniel

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