Die Ricoh GR II – mein Eindruck

Ich war nie ein Freund von KompaktkamerasMinisensoren, billige Zoomoptiken, miese Bildqualität, kurze Akkulaufzeiten, … dann kam hinzu, dass ich mir lange Zeit nur Kompaktkameras leisten konnte. Als ich endlich über die finanziellen Mittel für „richtige“ Kameras verfügte, schwor ich mir, nie wieder eine Kompakte ins Haus zu lassen. Meine Kameras wurden also immer größer, besser, teurer, … und jetzt, nach dem Kauf einer Nikon D750, komme ich mit der Ricoh GR II daher! Was ist passiert?

Die GR II und ihre Features

Die GR II ist ein sehr kompaktes und leichtes Kraftpaket: In ihr steckt ein 16,2 MP APS-C-Sensor ohne Tiefpassfilter. Fotos werden entweder als JPG oder als DNG (RAW-Format) ausgegeben und im Videomodus nimmt die GR II ein Full HD Videobild mit bis zu 30 fps auf. Mit einer Auslöseverzögerung von 0,03 Sek. ist sie für eine Kompaktkamera erstaunlich flott! Ihre Brennweite beträgt 28 mm (KB-Äquivalent), die größtmögliche Blende beträgt starke f2,8 und die kleinste f16. Die GR II bietet sowohl Automatikmodi als auch Blendenpriorität (Av), Zeitpriorität (Tv), einen Videomodus und manuelle Steuerung. Der Kontrast-Autofokus bietet von Einzel-AF bis zum Verfolgungs-AF mehrere Modi. Sehr praktische Funktionen: der Makromodus und Fokus Peaking, außerdem lässt sich der Fokus auf vordefinierte Distanzen festlegen. Ihre Empfindlichkeit beginnt bei ISO 100 und reicht bis ISO 25.600. Ihr Belichtungsmesser misst per Spot-, Matrix- oder Integralmessung. Die kürzeste Belichtungszeit beträgt 1/4000 Sek. und die längste 300 Sek. Der Weißabgleich bietet neben diversen Modi auch die Möglichkeit der manuellen Justage. Ein Sucher fehlt, dafür verfügt sie über ein großes, hochauflösendes Display. Ein interner Blitz ist dabei, es besteht aber die Möglichkeit, einen externen Blitz zu verwenden. Nette Extras sind ein Selbstauslöser, ein interner ND-Filter, ein Intervallmodus, WLAN und die Möglichkeit, ein externes Mikrofon oder einen Fernauslöser anzuschließen.

Warum die Ricoh GR II?

Was ich suchte, war eine leichte, kompakte und intuitiv bedienbare Alternative zur D750. Die GR II schien mir auf Grund ihrer Spezifikationen am besten geeignet. Sowohl die D5300 als auch die D7000 unterscheiden sich in Größe und Gewicht nicht deutlich genug von der D750 und so kam es, dass ich nur noch die D750 mitnahm und die D5300 bzw. D7000 ungenutzt daheim herum lagen.

Nur 28 mm?

Für was benötigt man eine Kompakte mit einer unflexiblen Festbrennweite? Festbrennweiten fördern die Kreativität anstatt sie einzuschränken und ich finde es toll, dass Ricoh in der GRII eine lichtstarke Festbrennweite verbaut hat, statt die hunderttausendste Variante eines Travellerzooms auf den Markt zu werfen. 28 mm sind sehr universal verwendbar, auch Smartphones funktionieren mit 28 mm.

Haptik & Bedienung

Die GR II macht einen robusten und hochwertigen Eindruck, selbst ihre Knöpfe und Bedienräder wirken nicht billig – gefällt mir sehr gut. Einzig die Konstruktion mit der ausfahrenden Frontlinse inklusive der Schutzlamellen hätte man evtl. durch eine fest verbaute Linse inklusive Objektivdeckel ersetzen können, fragil oder gar minderwertig ist diese Lösung aber trotzdem nicht. Eigentlich bin ich ein Freund optischer Sucher, aber bei der GR II vermisse ich ihn keine Sekunde. Selbst bei hellem Umgebungslicht ist ihr Display klar und deutlich zu erkennen und ich kann mit ihr deutlich unauffälliger fotografieren. Bedienung und Menüführung sind intuitiv und großteils selbsterklärend, das (gedruckte) Handbuch benötigt man gar nicht so oft. Sehr gut gefällt mir die einblendbare Wasserwaage und die Möglichkeit, den Autofokus auf fixe Werte festzulegen. Zur Auswahl stehen: 1 m, 1,5 m, 2 m, 5 m und ∞. Die Akkulaufzeit habe ich zwar nicht getestet, sie ist aber okay und ich empfehle so oder so den Kauf eines Zweitakkus wie z. B. den preiswerten und ebenso guten BP-41 von Sigma. Aufgeladen werden die Akkus in der Kamera mittels Netzkabel. Geht schon, toll finde ich diese Lösung aber trotzdem nicht.

Bildqualität

Was ich bis dato gesehen habe, begeistert mich sehr. Die 28 mm Optik liefert bereits bei offener Blende eine hohe Bildschärfe bis in die Ecken, selbst so manch teures Objektiv macht oft nur einen halb so guten Job. Gleiches gilt auch für die Videos der GR II: Auch hier überzeugt sie mit einem sehr guten Bild. Die GR II gibt die Fotos entweder als JPG oder als DNG (RAW-Datei) aus. Für JPG stehen verschiedene Bildstile von Schwarzweiß bis hin zum Miniatureffekt zur Verfügung. Ich belasse es allerdings dabei, in DNG zu fotografieren und die Fotos in Adobe Lightroom selbst zu entwickeln.

Begeistert hat mich ihr Rauschverhalten: Bis ISO 800 spielt die GR II ganz weit oben mit. Erst ab ISO 1.600 macht sich das Rauschen bemerkbar und ab ISO 6.400 wird es in meinen Augen unbrauchbar. Sicher zeigt die D750 ein besseres Rauschverhalten, aber die kostet das Dreifache und ihr Sensor ist doppelt so groß. Darum spare ich mir hier den ISO-Vergleich zwischen den beiden Kameras.

Ihr Anwendungsbereich

Die GR II ist hervorragend in den Disziplinen Landschaft und Natur, Stadt und Architektur und in Nahaufnahmen. Selbst das ein oder andere Shooting mit Model wäre mit ihr machbar. Weniger geeignet ist sie auf Grund ihrer eher weitwinkeligen Brennweite für Porträts und für Aufnahmen von sich schnell und unberechenbar bewegenden Motiven ist sie etwas zu träge.

Ihre Zielgruppe

Ein Ersatz für eine vollwertige Ausrüstung mit DSLR und diversen Objektiven ist die GR II sicher nicht. Will sie aber auch nicht sein. Die GR II sehe ich wegen ihrer Eigenschaften als eine kompakte Zweitkamera für erfahrene Fotografen, die auf die volle Kamerakontrolle wie z. B. bei einer DSLR, als auch auf eine hervorragende Abbildungsleistung großen Wert legen. Nicht geeignet ist sie für Fotografen, die nicht auf einen Zoom verzichten wollen, mit der Leistung ihres Smartphones zufrieden sind oder sich nur mit einer dicken fetten Kamera als echter Fotograf fühlen.

Fazit

Die GR II ist ein leichtes und kompaktes Kraftpaket, das in jede Jackentasche passt und meine D750 hervorragend ergänzen wird. Mit ihrer Ausstattung, ihrer Abbildungsleistung und ihrem Preisleistungsverhältnis hat mich die GR II restlos überzeugt, so dass ich die gute alte D7000 ruhigen Gewissens in Pension schicken und die D5300 verkaufen kann. Die im Beitrag gezeigten Fotos revolutionieren zwar nicht die Fotografie, aber sie dürften beweisen, dass die GR II einen sehr guten Job macht.

Gut Licht wünscht Euch Daniel ;-)

2 thoughts on “Die Ricoh GR II – mein Eindruck

  1. Hallo Daniel, zur Ricoh hätte ich noch Fragen. Über die Vor- und Nachteile von Zoomobjektiven und Festbrennweiten rede ich jetzt nicht. Die Ricoh hat keinen Sucher, stattdessen nur den Monitor sowie kein Zoom. Für diesen stolzen Preis ein bißchen wenig Features, finde ich. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß wenigstens ein 4-fach Zoom hilfreich ist. Mich würde schon interessieren, wie Du in ein paar Monaten darüber denkst.
    Die Fotoqualität von der Ricoh ist sehr gut.
    Allzeit Gut Licht!!!
    Peter

    • Diese Travellerzooms können zwar viel, aber nichts davon richtig, so meine Erfahrung. Besser eine Kompakte kann nur eine Brennweite, die aber dafür richtig. Millionen von Menschen, die mit ihren Smartphones Fotos machen und damit glücklich sind, bestätigen, dass der Zoom oft überschätzt wird.

      Ein Sucher kann für die Ricoh separat erworben werden, finde aber, dass ihr Display selbst bei strahlendem Sonnenschein sehr gut funktioniert. Die GR II ist kein Schnäppchen, da gebe ich Dir recht. Aber für eine leistungsstarke Edelkompakte mit APS-C-Sensor sind knapp 600 € schon in Ordnung und wie wir wissen ist „weniger oft mehr“.

      LG
      Daniel

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