Filmen mit der Digitalkamera – meine ersten Erfahrungen

Zugegeben – das Filmen mit der DSLR war für mich noch bis vor kurzem uninteressant. Natürlich mag auch ich gute Filme, doch habe ich mich bislang ausschließlich mit den Themen Fotografie und Zeitraffer befasst und das Filmen gerne anderen überlassen. Warum ich es jetzt doch tue und welche Erfahrungen ich bereits gesammelt habe, darüber schreibe ich hier.

Von der Fotografie zum Film. Warum?

Filmen ist, was alle technischen und künstlerischen Aspekte anbelangt, der Fotografie gar nicht so unähnlich. Nur mit dem feinen Unterschied, dass ich mit einem Foto eine Szene festhalte und mit einem Film den Ablauf einer Szene. Da ich stets gerne Neues ausprobiere und sogar Gefallen am Filmen gefunden habe, habe ich mit einigen „Übungsprojekten“ begonnen und schon etwas Erfahrung sammeln können. Ich plane, in nicht allzu ferner Zukunft ein Naturfilmprojekt (News werden folgen…) zu realisieren und möchte diesen Film natürlich nicht nur aus Zeitraffern und Diashows bestehen lassen, sondern auch aus tollen und professionellen Videosequenzen.

Hier seht Ihr zwei meiner Kurzfilme. Der erste zeigt Dalmatien in seiner sommerlichen Schönheit, im zweiten Kurzfilm habe ich versucht, die Schönheit unseres heurigen „Sommers“ in einer sarkastischen Art und Weise zu dokumentieren:

Technisches

Foto und Film mit einer Kamera – wie ist das möglich?

Diese durchaus erfreuliche Entwicklung begründet sich dadurch, dass ein digitaler Fotoapparat mit seinem Bildsensor in der Lage ist, einfallendes Licht in beliebig langen Zeiträumen zu erfassen und daraus wahlweise einen Film oder ein einzelnes Foto zu machen. Man kann also durchaus sagen, dass die Filmerei mit modernen Digitalkameras eine Art „Nebenprodukt“ der digitalen Fotografie ist.

Sonderfall Spiegelreflexkamera

Besitzt Ihr wie ich eine DSLR, werdet Ihr bestimmt festgestellt haben, dass das Filmen mittels optischem Sucher nicht möglich ist, sondern nur mittels Live View. Hier die Erklärung: Das durch das Objektiv einfallende Licht trifft auf einen Spiegel, der vor dem Bildsensor bzw. dem Film liegt. Dieser Spiegel lenkt dieses Licht auf ein Prisma, das Prisma wiederum lenkt das Bild in den optischen Sucher. Möchte ich also den Sensor / den Film belichten, sprich: ein Foto machen, wird während der Auslösung der Spiegel hochgeklappt, um das Licht auf den Sensor / den Film einfallen zu lassen. Möchte ich also filmen oder den Live View nutzen, muss der Spiegel während des Filmens bzw. der Live-Ansicht hochgeklappt bleiben. Der Sucher bleibt währenddessen „blind“.

Was muss ich beim Filmen beachten?

Prinzipiell das selbe wie bei der Fotografie. Ich muss bei meinem Publikum Begeisterung erzeugen, die Aufnahmen müssen scharf und unverwackelt sein und die Belichtung muss stimmen. Was den technischen Aspekt betrifft war’s das auch schon. Je nachdem welche Art von Film ihr machen wollt, wird eine gute Story zum Muss. Denkt vor dem Dreh darüber nach, was ihr mit eurem Film aussagen wollt, sorgt für eine gute Bildgestaltung sowie einen guten Schnitt, eine beliebige Aneinanderreihung von Filmsequenzen erzeugt sehr schnell Langeweile!

Welches Zubehör benötige ich?

Natürlich eine Kamera mit Videofunktion, die idealerweise in Full HD filmen kann. Ob DSLR, System- oder Bridge-Kamera spielt keine Rolle. Folgende Kriterien machen eine gute Film- und Fotokamera aus:

  • ein großer Bildsensor (Kompaktkameras fallen da schon mal aus)
  • eine hochwertige Optik (mehr dazu weiter unten…)
  • die Möglichkeit, Einstellungen manuell vornehmen zu können
  • eine Aufnahmegeschwindigkeit von 25 Bildern/Sek. (fps), für schnelle Bewegungen und schöne Zeitlupen idealerweise mindestens 50fps
  • ein klapp-, schwenk- und drehbares Display (für „Profis“ oft ein Unding, für filmende Fotografen meines Erachtens ein Muss! Glaubt mir! Einmal auf den Geschmack gekommen, kauft Ihr nie wieder eine ohne!)
  • die Möglichkeit, natürlich auch hammergeile Fotos schießen zu können 🙂

Müsste ich eine Kaufentscheidung treffen, würde ich zu diesen 3 Modellen tendieren:

Natürlich benötigt Ihr für saubere und stabile Aufnahmen ein Stativ, das idealerweise über einen gedämpften Videokopf verfügt. Ich schwöre auf dieses Modell hier.

Nachtrag: Will ich im Gehen filmen, ist der Film trotz aktivierter Stabilisierung oft grausam verwackelt. Darüber habe ich mir Gedanken gemacht und eine einfache, aber wirkungsvolle Konstruktion zur Bildstabilisierung gebaut.

Wollt Ihr aus den Sequenzen „einen richtigen Film machen“, benötigt Ihr eine Videoschnittsoftware. Da der Freewarebereich nur rudimentäre Lösungen anbietet, rate ich Euch, zu Sony Vegas Movie Studio oder Adobe Premiere Elements zu greifen, die beide erschwinglich sind und professionelle Resultate ermöglichen.

Wollt Ihr brauchbare Tonaufnahmen machen, benötigt Ihr ein Richtmikrofon (mit Windschutz), das an der Kamera angeschlossen und auf den Blitzschuh der Kamera gesteckt wird. Hier habe ich leider noch keine Kauftipps für Euch, aber vielleicht habt Ihr ja welche für mich? 🙂

Nachtrag: Inzwischen habe ich im Tascam TM-2X ein preiswertes Richtmikrofon gefunden, das eine erstaunlich gute Tonqualität liefert.

Achtung Kostenfalle! Systeme mit Wechselobjektiven

Natürlich sind Systeme mit Wechseloptiken unschlagbar, da es betreffend Brennweite, Bildwinkel und Lichtstärke praktisch keinerlei Einschränkungen gibt, andererseits sind hochwertige und lichtstarke Optiken sehr teuer und die zusammen mit DSLRs verkauften Zoom-Objektive sind bestenfalls mittelmäßig! Für ernsthaftes Filmen und Fotografieren ist es nebst einer guten optischen Leistung unerlässlich, weich und geschmeidig laufende Zoom- und Scharfstellringe am Objektiv verbaut zu haben, um gleichmäßig manuell zoomen und fokussieren zu können! Versucht das mal mit einer „Zoom-Scherbe“ aus Plastik!

Seid Ihr nicht gewillt bzw. finanziell nicht in der Lage, selbst 4-stellige Beträge in hochwertige Objektive zu investieren, greift lieber zu einer guten Bridge-Kamera, denn die haben insgesamt sehr hochwertige Optiken drauf, decken von Weitwinkel bis Tele die üblichen Brennweiten ab und sind dadurch universell einsetzbar.

Grundeinstellungen beim Filmen

Hier meine bevorzugten Grundeinstellungen (spätere Änderungen vorbehalten):

  • Videomodus: Full HD (1920 x 1080) mit 25 Bildern/Sek. (= 25 fps) bei PAL bzw. 29,97 fps bei NTSC. Für schnelle Bewegungen und Zeitlupen 50 fps bei PAL bzw. 59,94 fps bei NTSC.
  • Videonorm: Ob NTSC oder PAL ist im Grunde egal, solange Ihr Eure Filme im Netz veröffentlicht. NTSC bietet mit 29,97 fps eine etwas höhere Bildwiederholfrequenz als PAL, was bei schnellen Bewegungen vom Vorteil sein kann.
  • Bildstabilisierung: Filmt Ihr aus der Hand, schaltet sie an. Filmt Ihr mittels Stativ, lasst die Stabilisierung ruhig ausgeschaltet. Oder lest mal hier weiter.
  • Kameramodus: Manuell (M-Modus), wenn Ihr automatische Blenden- und Belichtungskorrekturen vermeiden wollt. Für den Fall, dass die Automatismen bildgestalterisch nicht ins Gewicht fallen, könnt Ihr auch im A- oder S-Modus filmen. 
  • Bildmodus: Die Bildeffekte, die Ihr für das JPG-Format einstellt, wirken sich auch auf Video aus. Schärfung, Sättigung und Kontrast definiert man aber besser non-destruktiv in einem Videoschnittprogramm, daher: möglichst neutral.
  • Belichtung: Für den angenehmen „Kino-Look“ sollte die Belichtungszeit „1/Bildwiederholrate x 2“ betragen, also 1/50 sek. Belichtungszeit bei 25 fps. Filmt Ihr mit 25 fps und einer Belichtungszeit von z.B. 1/500 sek., würden die 25 Einzelbilder einen Großteil des Geschehens verpassen und schnelle Bewegungen somit „stakkatoartig“ wirken. Eine ausführliche Erklärung nebst Beispielen findet Ihr hier (auf englisch).
  • Blende: Kann für schöne Tiefenunschärfen ruhig offen sein, je nach Objektiv zwischen f1,8- und f5,6. Allerdings muss dann der Fokus exakt sitzen, weil es sonst schnell zu Unschärfen kommt. Wie das geht, habe ich hier beschrieben.
  • Fokus: Manuell für die totale Kontrolle oder „Single-AF“ bei statischen Objekten. Ausführlicheres weiter unten…

Tipp: Eure körperliche Verfassung spielt ebenso wie beim Fotografieren eine große Rolle. Wenn Ihr außer Atem seid oder zittrig aufgrund übermäßigen Konsums koffeinhaltiger Genussmittel, versagen alle technischen Helferlein. Eine ruhige Hand und eine langsame, gleichmäßige Atmung sind darum essentieller Bestandteil einer perfekten Aufnahme!

Video-FAQ

Wo ist der Unterschied zwischen HD, Full HD und Ultra HD?

Während HD „nur“ eine Auflösung von 1280x720px liefert, kann Full HD schon mit 1920x1080px aufwarten. Ultra HD hat mit 3840x2160px die 4fache Auflösung von Full HD. Zum Vergleich: Ein Film auf BluRay liefert Full HD, eine DVD liegt etwas unterhalb von HD.

Soll ich in Ultra HD filmen?

Da es derzeit (Stand 2014) kaum zur Wiedergabe von Ultra HD geeignete Geräte gibt, die meiste Videoschnittsoftware damit noch nicht umgehen kann und bis dato noch nicht einmal Full HD als Standard im Netz und in Wohnzimmern angekommen ist, macht die Produktion von Ultra-HD-Filmen derzeit wenig Sinn. Wollt Ihr zukunftsorientiert vorgehen, könnt Ihr aber gerne in Ultra HD drehen, zur Weiterverarbeitung eine Kopie des Materials auf Full HD herunterrechnen und das Originalmaterial „einmotten“.

Machen geringere Auflösungen als HD oder das 4:3 Format Sinn?

Nein! Ich persönlich sehe heute keinen Sinn mehr darin, in einer geringeren Auflösung als Full HD zu filmen und das 4:3 Format ist definitiv veraltet. Sollte Eure Kamera weder Full HD noch das 16:9 Format beherrschen, wäre es höchste Zeit für eine Neuanschaffung!

Was bedeuten „25p“ und „50i“?

Falls Eure Kamera Modi anbietet, die „1920×1080;25p“, „1920×1080;50i“ oder ähnlich heißen, und Ihr Euch fragt, was die „25p“ und „50i“ bedeuten, hier die Erklärung:

„25p“ („progressive“) arbeitet mit 25 Vollbildern/Sek. und „50i“ („interlaced“) mit 25 Vollbildern und 25 Halbbildern. Bei Letzterem wird aus jedem Vollbild zusätzlich ein Halbbild erzeugt, das Halbbild eines Vollbildes wird mit dem Halbbild des folgenden Vollbildes zu einem Bild verrechnet und zwischen den beiden Vollbildern gezeigt, was dann diese ominösen 50i ergibt. Warum „interlaced“ (im Deutschen übrigens „Zeilensprungverfahren“ genannt) existiert, wird in diesem Artikel ausführlich erklärt.

Welche Bildfrequenz soll ich verwenden?

kommt drauf an. Wenn ihr einen Kinofilm drehen wollt, verwendet 24 fps, die auch heute noch Standard bei den meisten Kinofilmen sind. Wenn euer Film mit dem PAL-Standard kompatibel sein soll, dann filmt in 25 fps. Wenn euer Film für den NTSC-Standard kompatibel sein soll, verwendet 29,97 fps. Wollt ihr Zeitlupen erzeugen, solltet ihr für weichere Bewegungen mit 50 fps (für PAL) bzw.  59,94 fps (für NTSC) filmen und diese Sequenzen auf die äquivalenten Standard-Bildraten verlangsamen. Keinesfalls solltet ihr aber PAL und NTSC miteinander vermischen!

Was ist denn jetzt besser? PAL oder NTSC?

Hier gibt es kein Besser oder Schlechter! Soll euer Film in Regionen, die PAL verwenden, gesendet werden, verwendet PAL. Soll euer Film in Regionen, die NTSC verwenden, gesendet werden, verwendet NTSC. Diese Karte zeigt Euch die globale Verbeitung der jeweiligen Standards. Soll euer Film lediglich in digitaler Form, z.B. als YouTube-Video gezeigt werden, ist es egal, ob Ihr PAL oder NTSC verwendet. Im Gegensatz zu den alten Röhrenfernsehern können die meisten heutigen Wiedergabegeräte mit beiden Signalen umgehen.

Warum manuell fokussieren, wenn es den Autofokus gibt?

So genial der Autofokus auch sein mag, er hat seine technischen Unzulänglichkeiten. Filme ich ein statisches Motiv, fokussiere ich zwar gerne mittels „Single-AF“, will ich aber ein bewegtes Objekt mittels kontinuierlichem Autofokus verfolgen, muss die Kamera mittels Kontrastmessung laufend eine Neuerfassung des Motivs vornehmen, was häufig nicht sofort gelingt und zu diesem unschönen „Fokus-Pumpen“ führt. Möchte ich also ernsthaft filmen, fokussiere ich idealerweise manuell. Und da das gerade bei nichtstatischen Motiven leider gar nicht so einfach ist, hilft nur üben, üben, üben, …!

Tipp: Wollt Ihr ein bewegtes Motiv filmen, schließt die Blende für mehr Tiefenschärfe (min. f8), sucht ein statisches Hilfsobjekt in etwa gleicher Entfernung, fokussiert dieses manuell oder einmal mittels Single-AF (AF-S) und versucht, zum Motiv während des Filmens möglichst den gleichen Abstand einzuhalten.

Wie mache ich Zooms und Schwenks mit gleichbleibender Schärfe?

Für einen Zoom mit durchgängig scharfem Bild zoome ich zuerst auf das Zielobjekt, fokussiere es manuell oder mittels AF-S, gehe bei Erfolg zurück auf die Ausgangsbrennweite und nehme jetzt meinen Zoom auf, ohne den Fokus zu verändern. Ein Schwenk mit gleichbleibend scharfem Bild ist unproblematisch, sofern alle im Video befindlichen Motive etwa die gleiche Entfernung haben. Sind die Objekte aber unterschiedlich entfernt und sollen trotzdem gleich scharf sein, helfen leider nur das Schließen der Blende und / oder das manuelle Nachziehen der Schärfe.

Welche Codecs und Komprimierungseinstellungen soll ich verwenden?

Das ist vom endgültigen Verwendungszweck abhängig. In der Kamera solltet Ihr grundsätzlich die höchstmögliche Qualitätsstufe wählen. Kommt es zu Schnitt, Nachvertonung und Export, wird es komplex. Für Video im Netz gibt es folgende ungefähre Richtlinien:

  • Videokomprimierung: H.264 Codec
  • Bitrate: variabel
  • Audiokomprimierung: AAC oder MP3
  • Bitrate: konstant
  • Abtastrate: 16bit, 44,1kHz oder 48kHz
  • Dateiformat / Container: .avi, .mp4, .mkv

Bezüglich Bitraten bei der Bild- und Tonkomprimierung gibt es nur eine gültige Richtlinie: Es soll weder Auge noch Ohr wehtun, noch soll es Terabytes belegen. Einen Leitfaden für den Upload bei den einschlägigen Videoplattformen findet Ihr beim jeweiligen Anbieter oder über die Google-Suche.

Tipp: Bereits komprimiertes Material sollte möglichst nicht erneut komprimiert werden. Das Installieren von Codecs bzw. Codec-Packs ist nicht erforderlich, da professionelle Videoschnittlösungen und alternative Player wie der VLC Player bereits alles für Encoding und Decoding an Bord haben.

Darf ich Musik oder andere Videos für eigene Werke verwenden?

Mit dem Kauf von CDs, BluRays, Platten oder Downloads erwerbt Ihr nur das Recht, ein Werk zu sehen bzw. zu hören! In anderen Worten: Euer Video vom letzten Urlaub, garniert mit Lady Gaga und Filmschnipseln, auf YouTube, Facebook usw. veröffentlicht, kann eine kostspielige Klage zur Folge haben! Im Netz finden sich jede Menge Künstler und Labels, die Material lizenzfrei oder zu günstigen Konditionen anbieten.

Mein Fazit: Filmen macht Spaß!

Eingangs erwähnte ich ja, dass ich an Film und Video bislang wenig interessiert war. Nun bin ich erstaunt, wie schnell mein Interesse am Bewegtbild geweckt wurde und wie sehr ich mich über sichtbare Lernfortschritte in meinen Videos freue. Ebenso wie bei der Fotografie lassen sich mit fotografischem Wissen, Kreativität und Talent tolle Projekte realisieren und stellen für mich eine willkommene Abwechslung zur Fotografie dar.

Probiert es doch aus, abonniert meinen YouTube-Channel und falls Ihr talentiert seid und Spaß daran habt, wäre KinoKabaret vielleicht das Richtige für Euch?