Gedanken zum Thema Bildkritik

„Langweiliges Foto. Zu viel Photoshop. Stürzende Linien. Bildausschnitt gefällt mir nicht. Total verrauscht. Zu hell. Zu Dunkel. Zu wenig Kontrast.“

Jaja, die gute alte Bildkritik! Was dem einen zusagt, gefällt dem anderen noch lange nicht. Oftmals nicht zu unrecht, denn egal ob vom Amateur oder vom Profi, es gibt viele technisch schlechte Fotos. Auch meine Fotos sind nicht immer fotografische Revolutionen. Aber wer glaubt, jedes Werk, das er für kritikwürdig hält „zerlegen“ zu müssen wird irgendwann keine Freunde, dafür aber umso mehr Feinde haben. Ist also jeder, der auf Kritik empfindlich reagiert, ein eingebildeter und nicht kritikfähiger Trottel? Nein!

Beispiel 1

Lisa macht mit ihrem Freund Urlaub und postet Urlaubsfotos auf Instagram. Lisa ist keine Fotografin, wenn ihr etwas gefällt: Smartphone raus – Foto machen – posten! Goldener Schnitt, Drittelregel usw. sind ihr offensichtlich unbekannt oder egal – kritisiert wird es trotzdem. Völlig unnötig! Oder glaubt jemand Lisa erwartet Bildkritik um eine bessere Fotografin zu werden?

Beispiel 2

Andreas ist talentierter und begeisterter Hobbyfotograf. Seine besondere Leidenschaft gilt der Bildbearbeitung, bis seine Foto beinahe wie Gemälde aussehen. Einige deuten ihren persönlichen Geschmack zum Maß aller Dinge um und feinden Andreas für seine „total verphotoshoppten und völlig unrealistischen Fake-Fotos“ an.

Beispiel 3

Heike ist fitnessbegeisterte Bloggerin, schreibt über ihre Passion und zeigt Fotos von sich, in denen eine durchtrainierte Heike in knappen Trainings-Outfits zu sehen ist. Besonders unter denen, die Heikes Passion eigentlich nicht interessiert, finden sich trotzdem welche, die sie kritisieren, weil ihre Figur unnatürlich wäre und das würde sie zu einem schlechten Einfluss auf junge Damen, deren Figur nicht den angeblichen Idealen entspricht, machen.

Warum zeige ich Fotos?

Warum zeigt Lisa Fotos? Weil sie einen tollen Urlaub hat und es Freunde / Follower gibt, die es interessiert und gerne Fotos von Lisas tollem Urlaub sehen möchten. Warum zeigt Andreas Fotos? Weil er andere an seiner Kunst und Leidenschaft teilhaben lassen möchte. Warum ist Heike fitnessbegeistert und zeigt das auf ihrem Blog? Weil es ihr Ding ist! Warum zeige ich meine Fotos her? Weil ich sie für gute Werke halte, an denen andere womöglich auch Freude haben.

Was aber niemals zur Debatte steht ist der Inhalt meiner Fotos oder deren Bearbeitung. Ich fotografiere lange genug um zu wissen wann ich den Auslöser drücke, wie ich meine Fotos bearbeite bzw. welche Fotos ich überhaupt zeige. Dieser Prozess unterliegt natürlich einer fortwährenden Entwicklung, die ist aber kein Resultat aus ungebetener Kritik, die aus irgendwelchen Ecken kommt. Jemandem gefallen meine Fotos warum auch immer nicht? Kein Problem, jeder darf seine Meinung haben und ich kann damit leben. Aber weder will ich es jedem recht machen noch steht alles was ich zeige automatisch zur Debatte.

Also besser keine Kritik üben?

Darf man also nicht einmal mehr mitteilen wenn einem etwas nicht gefällt? Doch – aber nur wenn man darum gebeten wird! Ich kann nur mit Kritik von Personen, deren Background ich kenne und um deren Meinung ich bitte, etwas anfangen. Wer seiner persönliche Meinung mit Kritik verwechselt bzw. mich ungebeten kritisiert, darf mit meinem Unmut rechnen, aber sicher nicht mit meiner Einsicht.

Fazit

Wenn Euch gefällt was andere tun, teilt es ihnen mit, sie freuen sich bestimmt darüber. Wenn nicht, zieht weiter, es muss einem nicht alles gefallen. Oder um es in den Worten der Fantastischen Vier zu sagen: „Und wenn’s Euch nicht gefällt, dann spart Euch den Applaus“

2 Kommentare bei „Gedanken zum Thema Bildkritik“

  1. Hi,
    dazu fällt mir ein Satz ein: „Viel Feind, viel Ehr`!“
    Viele Fotos auf diversen Social Media Platformen sind und bleiben PR, für was auch immer. Die Fotos muß ich weder angucken, noch kommentieren.
    Mir geht es um Stimmungen, Gefühle, Licht, Schatten, Lichter.
    Solange die „Schärfe“ dort sitzt, wo sie hingehört, wenigstens ein bißchen Inszenierung dabei ist und die Beleuchtung (Lichtführung) nicht völlig daneben ist, ist alles ok.
    Smartphonfotos sind erlaubt.
    Es geht doch um Spaß, Unterhaltung und hoffentlich, wenigstens um ein paar schöne Erinnerungsfotos.
    Gut Licht!
    Peter

    1. „Viel Feind, viel Ehr‘!“
      Dem kann ich nur zustimmen. 🙂

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