Gedanken zur Aktfotografie

Titelcollage Aktfotografie

Dies ist mein erster Beitrag voller Erotik und heißer Kurven. Der Gedanke dahinter soll aber weniger von erotischer Natur sein, vielmehr will ich auf Aspekte, die in der Aktfotografie meiner Ansicht nach zu selten berücksichtigt werden, eingehen. Um diese zu veranschaulichen was ich meine habe ich mangels eigenen Bildmaterials einige Beispiele beliebiger Fotografen heraus gesucht. Und bevor ich wegen ungebetener Bildkritik zerlegt werde: Stopp! Ich kritisiere keinen der Urheber der gezeigten Fotos, sondern ich nehme deren Fotos als Beispiele, mit denen ich meine Sicht der Dinge versuche zu erklären. Dieser Beitrag ist KEINE Bildkritik!

Geschichte der Aktfotografie

Aktdarstellungen gibt es, seit es die Menschheit gibt. Eine der weltweit ältesten Aktdarstellungen ist die ca. 30.000 Jahre alte Venus von Willendorf. Meist sind Aktodelle weiblich, weil die meisten Künstler und Fotografen männlich sind und Frauen viel besser aussehen. 😉 Aktdarstellungen fordern alle Beteiligten: Das Model, weil es sich sehr persönlich präsentiert, Posen teils stundenlang aushalten muss und den Künstler, der nicht in Verlegenheit oder gar Versuchung geraten sollte. Nacktheit begeistert ebenso wie sie provoziert und darum ist sie in Kunst und Kultur auch so beliebt. Menschen sehen gerne nackte Menschen, vornehmlich vom jeweils anderen Geschlecht – war so, ist so und bleibt auch so.

"Ruhendes Mädchen (Marie-Louise O’Murphy)" von François Boucher (1751), Public Domain

Moderne Akte – leider oft beliebig

Moderne Aktfotos sind heute dank unserer Fotoausrüstung handwerklich überwiegend gut, wirklich neues bekommt man aber nur selten zu sehen. Schwarzweißfotos von schlanken blonden Damen in den immergleichen Posen oder das Aktmodel mit wehendem Seidentuch sind nun mal keine Neuheit mehr – da mögen diese Fotos technisch gesehen noch so gut sein. Nackte Körper sorgen zwar immer für Aufmerksamkeit, machen aber noch lange kein tolles Aktfoto.

Klar muss der Fotograf tun was das Model wünscht, aber vielleicht lässt sich das Model für Ausgefalleneres begeistern? Müssen Aktfotos immer erotisch oder sinnlich sein? Müssen Models immer irgendwelchen Schönheitsidealen entsprechen? Warum nicht mal ein Shooting mit „schrägen Gestalten“ machen? Etwas mehr Fantasie, Freigeist und Mut zum Skandalösen schadet auch Aktfotos nicht.

Schönheitsfehler in Aktfotos

Hautfalten

In nicht wenigen Aktfotos fallen mir vermeidbare Hautfalten auf, die z. B. durch übertriebene Posen ausgelöst werden. Hier ist es der Bauch, der durch die seltsam gekrümmte Haltung des Models ein Röllchen bildet.

Foto: Ralf Roletschek, used under <a rel="nofollow" class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/at/deed.en">CC BY-SA 3.0 AT</a>

Nun der Vergleich mit einem anderen Beispiel: Beide Posen ähneln sich, aber hier hält das Model den Oberkörper gerade und minimiert damit die Hautfalten am Bauch. Nebenbei wirkt das Model dadurch auch noch selbstbewusster.

Foto: 婠 玥, used under <a rel="nofollow" class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>

Falten können durchaus interessant und anspruchsvoll sein, solange sie natürlich aussehen wie z. B. bei Models mit barocken Körperformen oder ab einem gewissen Alter.

Foto: Feliz Paloma, used under <a rel="nofollow" class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/">CC BY-NC-ND 2.0</a>

Textilspuren

ruinieren jedes Aktfoto! Achtet mal auf die Brüste des Models. Komfortablere Kleidung ohne drückende Nähte hätte diese hässlichen Durckstellen vermieden. So ist es nur schade um’s Foto.

Foto: Feliz Paloma, used under <a rel="nofollow" class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/">CC BY-NC-ND 2.0</a>

Flashing

nennt man den Partytrend junger Amerikanerinnen, die Brüste für einen kurzen Moment zu entblößen, wenn eine Kamera in der Nähe ist. Funktioniert auch mit Geschlechtsteilen, nur mit dem Unterschied, dass es, wenn es ohne Absicht geschieht, peinlich werden kann. Peinlich ist es in Aktfotos zwar nicht, trotzdem erinnert es mich an jene zweifelhaften Schnappschüsse von angetrunkenen Partygirls.

"Jezebelle Sitting In Her Bathroom Window-Bay" by Charlie Marshall, used under <a rel="nofollow" class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>

Es geht noch krasser! Diese junge Dame wurde in beinahe jeder Hinsicht unvorteilhaft in Szene gesetzt. 😉

"Climbing Towards The Light" by Charlie Marshall, used under <a rel="nofollow" class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a> / excerpt

Wie vermeidet man Flashing? Entweder man passt die Pose an. Oder das Model trägt so wie in diesem Foto die Haare lang genug.

Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/JerzyGorecki-2233926/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=4333906">Jerzy Górecki</a> auf <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=4333906">Pixabay</a>

Oder falls möglich setzt der Fotograf das Licht entspechend.

Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/Clard-6995126/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=4225130">Szilárd Szabó</a> auf <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=4225130">Pixabay</a>

Flashing ist aber nicht per se peinlich oder komisch, z. B. wenn es so wie in den beiden folgenden Beispielen beabsichtigt ist. Ab hier beginnt die große weite Welt der Erotischen Fotografie.

Akt? Erotik? Porno?

Wann ist es ein Akt, wann eine Erotische Darstellung und wann Pornografie?

Akt

Die künstlerische Darstellung eines nackten Körpers ist ein Akt. Akte verfolgen nicht das Ziel der sexuellen Erregung.

Wenn Kleidung das Model oder die Geschlechtsmerkmale teilweise bedeckt spricht man vom Halbakt bzw. Teilakt.

Erotische Darstellung

ist ein Akt, der durch Andeutungen Interpretationsspielraum schafft, dabei aber auf die explizite Darstellung sexueller Handlungen verzichtet. So wie in diesen Fotos:

Pornografie

soll den Trieb ansprechen. Kunst und Erotik sind nebensächlich, das Ziel ist die explizite Darstellung sexueller Handlungen. Ab hier ist Schluss mit Beispielfotos.

Wie sieht gute Aktfotografie aus?

Ich finde, da gibt es kein Patentrezept und Geschmäcker sind verschieden. Freilich gibt es ein paar fotografische und gestalterische Regeln und heimlich gemachte sowie unerlaubt veröffentlichte Fotos sind sowieso tabu, mehr aber auch nicht. Alles ist gut, was gefällt, kreativ ist und allen Beteiligten Freude macht. Ich habe einige Beispiele heraus gesucht, die ich als gute Aktfotos bezeichnen würde. Beginnend bei den Anfängen der Fotografie bis zur Neuzeit, von Schwarzweiß bis Farbe, … alles dabei.

Vielen Dank an die Models und Urheber aller hier gezeigten Fotografien.

Wenn ich einen Wunsch an alle Aktfotografen und Models äußern dürfte: Bitte achtet mehr auf Hautröllchen, Textilspuren und Flashings. Und habt mehr Mut. Mut zum Bruch mit dem Mainstream, Mut zur Erotik und Mut zur Provokation. Es gibt sie durchaus, die Mutigen in der Aktfotografie, doch es dürfte ruhig mehr von ihnen geben. Und vielleicht werde ich mal einer von ihnen – wer weiß? Zum Abschluss zeige ich Euch eines meiner seltenen Aktfotos. 🙂

Und was gefällt Euch an Aktfotografien bzw. was gefällt Euch nicht?

Ein Kommentar bei „Gedanken zur Aktfotografie“

  1. Hallo Daniel,
    in der bildenen Kunst (Zeichnen) gehört „Akt“ zur Ausbildung. Schön und gut.
    Was jedoch macht einen erotischen, sexy Akt aus? Es ist weitaus mehr, pure Nacktheit. Dabei ist mir wichtig, eine Grenze zum Porno strickt einzuhalten.
    Richtig gut ist das vorletzte Foto (Mädchen im Boot) und die „Drei“ im Feld. Mir gefällt das Mädchen im Boot deshalb, weil sie anscheinend Spaß hat und jetzt kommt der wichtigste Punkt, sie ist da, präsent und setzt keine Maske auf. Ebenso verhält es sich bei den „Dreien“.
    Diese 4 Mädchen könnte man auch in einem Kartoffelsack fotografieren.
    Gequält laszives Getue, sowie, „ich bin zwar nackt, aber man sieht mich nicht“ ist nicht nur peinlich, sondern runiert den Eros.
    Damit ist die Frage:“Wie wichtig ist ein gutes Model“ aktuell beantwortet.
    Gut Licht und danke für den Beitrag
    Peter

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