Gipfelkreuze – religiöses Symbol oder NUR der höchste Punkt?

Ich gebe es zu: Eigentlich hat dieses Thema auf einem Blog über Fotografie gar nichts zu suchen. Aber da ich begeisterter Hobbyalpinist bin, ergo öfter mit Gipfelkreuzen in Kontakt komme, bin ich so frei und tue auch mal meine Meinung dazu kund.

Gipfelkreuze stehen nicht nur auf den Gipfeln vieler Berge, sondern seit einigen Monaten auch im medialen Rampenlicht, seitdem irgendein äußerst zweifelhafter Zeitgenosse (könnten aber auch mehrere sein) auf einigen prominenten Berggipfeln in den bayerischen Alpen mittels einer Axt Gipfelkreuze fällt. Die Reaktionen auf diese Vorfälle und auf das Interview mit Reinhold Messner zeigen, das das Thema Kreuz auf Berg sehr stark polarisiert. Während die einen die Meinung vertreten, dass eine Zurschaustellung religiöser Symbole (nicht nur) auf Bergen überflüssig ist und einige wenige dies wie im Falle Messners sogar plausibel begründen, werden andere sofort hysterisch, wittern einen Angriff auf die christlich-abendländischen „Werte“ (ich kann dieses Wort nicht mehr hören!) und prophezeien wieder einmal deren baldigen Untergang.

Die Geschichte

Das Symbol Kreuz gibt es in zahllosen Varianten und ist in seiner einfachsten Form aus zwei gekreuzten Linien bestehend. Schon in der Steinzeit hatte das Kreuz eine kulturelle bzw. religiöse Bedeutung. Im römisch-katholisch geprägten Alpenraum steht das Kreuz sowohl für Schmerz und den Tod als auch für Erlösung von aller irdischen Mühsal. Spätestens mit dem Beginn des Alpinismus begann man, Kreuze auf sämtlichen bestiegenen Gipfeln zu errichten. Zum einen, um Gott für den Beistand bei der Besteigung zu danken und zum anderen, um seinen Segen für den meist nicht minder gefährlichen Abstieg zu erhalten.

Wie ich zu Gipfelkreuzen stehe

Religion spielt in meinem Leben keine Rolle, soweit meine Überzeugung und die stelle ich hier nicht zur Debatte. Daher halte ich eine, wie Reinhold Messner es treffend formulierte, „Möblierung von Bergen aus religiösen Gründen“ für entbehrlich und mit dieser Meinung bin ich nicht alleine. Aber muss man alle Gipfelkreuze deswegen gleich demontieren oder gar zerstören? Ich finde NEIN.

Ich bin mir der religiösen oder spirituellen Bedeutung von Berggipfeln sehr wohl bewusst und kann daher religiöse Symbole auf Bergen durchaus tolerieren. Andernorts auf der Welt liegen auf den Gipfeln „Stoamandln“, wehen bunte Gebetsfahnen, Landesflaggen usw., bei uns stehen eben meist Kreuze auf den Gipfeln. Der kulturell-religiöse Aspekt des Gipfelkreuzes ist für mich persönlich jedoch irrelevant, ich sehe das Gipfelkreuz als eine von vielen möglichen Markierungen des höchsten Punktes – sonst nichts. Mit Kreuzen markiert man alle möglichen bedeutenden Punkte. Sogar wenn ich ein Loch in die Wand bohren will, male ich ein Kreuz an die zu bohrende Stelle. :-)

Gibt es Grenzen?

Pläne eines haushohen, erleuchteten Kreuzes auf dem Gipfel des 1.752 m hohen Sveto Brdo in Kroatien, das sogar vom über 100 km entfernten Italien aus zu sehen sein soll oder das knapp 30 m hohe Jakobskreuz auf einem Gipfel nahe des Tiroler Pillersee halte ich für bestenfalls fragwürdig. Ebenfalls fragwürdig sind Gedenktafeln für verblichene politische „Lichtgestalten“ auf prominenten Bergen oder Halbmonde als „Kunstaktion“.

Jedwede obszöne, provokante oder gar phallische Zurschaustellung von (religiösen) Symbolen auf Berggipfeln, so groß, dass man sich derer gar nicht mehr entziehen kann, lehne ich entschieden ab.

Mein Fazit

Die Frage nach dem Gipfelkreuz lässt sich für mich wie folgt beantworten: Ich benötige keine religiösen Symbole am Berg, aber respektiere, dass es im Alpenraum Tradition ist, Kreuze auf Gipfeln aufzustellen, ebenso wie ich Steinhaufen und Gebetsfahnen auf Bergen in anderen Teilen der Welt respektiere. Ich sehe Gipfelkreuze als eine kreuzförmige Markierung eines Berggipfels – mehr als das sind sie rein rational betrachtet ohnehin nicht.

Und wie es sich gehört habe ich eine beachtliche Sammlung von Gipfelkreuzfotos, aus der ich Euch die besten jetzt zeige. Und zugleich ist ein Bezug dieses kontroversen Themas zur Fotografie hergestellt. ;-)