Gute Vorträge halten

Titelfoto Vortrag

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.“ (Matthias Claudius)

So ist es und darum habe ich nach meiner letztjährigen Reise nach Sibirien beschlossen darüber zu berichten. Aus über 1.500 Fotos und 2 h Video entstand mein Vortrag namens „Abenteuer Altai“ und ich habe ihn bereits dreimal vor begeistertem Publikum gehalten. Menschen hören gerne die Geschichten von Reisenden, das war schon zu Zeiten Marco Polos so und hat sich, abgesehen davon, dass wir heute Bild und Ton als Medien haben, nie geändert. Doch egal ob vor großem Publikum oder im privaten Kreis, es gibt es vieles, das man bei Vorträgen falsch machen kann und mir als erfahrener Vortragsbesucher fiel schon vieles auf, das den Foto-Genuss stört und was ich aber in meinen eigenen Vorträgen zu vermeiden versuche.

Warum Vorträge / Multivisionen?

Weil ich auf meinen Reisen schon viel erlebt, eine Menge toller Fotos gemacht habe und ich der Meinung bin, es ist unsinnig, derartige Eindrücke nur für sich zu behalten und Fotos auf Datenträgern herum gammeln zu lassen. Tolle Fotos sollen gesehen, tolle Geschichten gehört werden!

Muss es was besonderes sein?

Ja, damit meine ich aber nicht besonders exotische Reiseziele in fernen Ländern, sondern die Reise an sich. Ein guter Vortrag kann also auch „Durch Österreich mit dem Rad“ zum Thema haben, wenn diese z. B. auf besonderen Wegen stattfindet.

Planung und Produktion

Um Menschen mit Vorträgen zu begeistern braucht es ein gutes Konzept, das Spannung erzeugt sowie aussagekräftiges Bild- und Tonmaterial:

  • Fotos müssen gut und ausdrucksstark sein. Alle mittelmäßigen, verwackelten, unscharfen, zu hellen / dunklen, doppelten Fotos fliegen daher raus!
  • Ich finde, vieles kann man nicht fotografieren wie man vieles auch nicht filmen kann. Aber auch bei Videos gilt: Nur gutes Material verwenden!
  • Die richtige Musik ist das Sahnehäubchen, das Euer Publikum in den Bann zieht! Ich lasse mich dabei nicht von Klischees oder meinen Vorlieben leiten und suche genreübergreifend nach Musik, die zum Thema passt und bemühe mich um Ausgewogenheit. Naturbilder gnadenlos mit Mozart oder Schubert zu unterlegen nervt ebenso wie Bummsfallera zu Fotos von Österreich.
  • Für Fotos wähle ich meist 3 Sek. Zeigedauer pro Foto und je 3 Sek. Überblendung vom vorherigen / zum nächsten Foto. Videos je nach Aussagekraft nach Bedarf.
  • Ich schwöre auf die klassische Überblendung, und wenn es der Aussage dient, auch mal ins Schwarze. Pseudo-Kamerafahrten und Effekte verderben die Fotos nur.
  • Eine gute Kamera ist zuverlässig, leicht bedienbar und macht gute Fotos. Filmen tue ich mit dem Smartphone, ist schnell bereit, Bild und Ton sind meist gut. Kameras, die kein Full HD bzw. miesen Ton liefern, könnt Ihr vergessen.
  • Eine thematische Sortierung als Kapitel vorgestellt kommt immer besser an als Bild und Ton einfach nur in chronologischer Reihenfolge hinzuschleudern. So merkt das Publikum, dass jemand mit Leidenschaft bei der Sache war.

Die Technik

Bei Hard- und Software gilt: Je teurer, desto besser. Was aber nicht heißt, dass man nicht auch für wenig Geld einen professionellen Auftritt hinlegen kann. Es muss gut aussehen und Spannung erzeugen.

  • Ideal zum Ausarbeiten sind Diashowprogramme wie Wings Platinum, weil sie im Gegensatz zu Videoschnittprogrammen das Bild- und Tonmaterial nicht komprimieren. Mit Videoschnittsoftware kann man aber auch (begrenzt) arbeiten.
  • Viele Mehrzwecksäle beinhalten einen Projektor inkl. Soundsystem. Falls nicht, kann man Projektoren und Leinwände für wenig Geld ausleihen. Günstige Projektoren sind nicht geeignet, weil Foto und Video einen höheren Kontrastumfang erfordern.
  • Für daheim genügt ein moderner Full HD oder Ultra HD Fernseher mit großer Bilddiagonale. Da moderne Monitore oft zu „bonbonfarben“ eingestellt sind, passe ich die Bildeinstellungen zuvor entsprechend an.
  • Für den guten Ton zum Bild in Sälen empfehle ich Aktivboxen der 250-500 € Preisklasse. Surround-Systeme sind unsinnig.
  • Für das gute Bild zum Ton verwende ich Full HD als Projektauflösung. Ultra HD (4K) ist unsinnig, weil das viel Rechenpower und Speicherplatz erfordert und es kein Mensch sieht.
  • Bevor die Show beginnt zeige ich ein Titelbild oder Logo statt einen mit Icons zugemüllten Desktop. Das Titelbild könnte man auch als Desktop-Hintergund einrichten.

Der Vortrag

Egal ob Kulturzentrum oder daheim vor dem Fernseher, das Publikum will begeistert werden. Jedoch wird der schmale Grat zur Langeweile selbst von Profis oft überschritten. Mit wenigen Worten viel zu sagen, ist gar nicht leicht, denn man selbst war ja bei der Reise dabei und könnte tagelang davon reden. Aber wer nicht dabei war, den werden alle Details einer Reise sehr schnell langweilen.

  • Die ideale Dauer sehe ich bei 40-60 min. Dauert es länger als 1 1/2 h: 10-15 min Pause.
  • Schon der erste Satz muss sitzen. Meinen Vortrag über Sibirien z. B. beginne ich mit einer lustigen sibirischen Weisheit und das Eis bricht. 😉
  • Wer sich zu tendenziösen und abschätzigen Statements über das Reiseland hinreißen lässt, outet sich als beschränkter Klugscheißer und nicht als Reisender!
  • Ich verzichte auf Echtzeit-Moderation, stattdessen erstelle ich Kapitel von 10-20 min Länge und erzähle vor jedem Kapitel in 2-5 min, um was es gehen wird.
  • Ich fasse mich kurz in der Moderation und nebensächliche Anekdoten spare ich mir. Eine Unterbrechung von Bild und Ton nur um etwas zu erzählen (leider schon erlebt), ruinieren ebenso den Fotogenuss wie Laserpointer und unnötiges Geplapper.
  • Ich schreibe ein Script, auf dem ich stichpunktartig Details, die ich erwähnen will, gut lesbar drucke. Ich drucke statt auf Druckerpapier auf Karton, das wirkt professioneller.
  • Ich versuche frei zu reden, d. h. meist den Blick ins Publikum und nur gelegentlich auf das Script.
  • Mit guter Rhetorik und Körpersprache weckt man Interesse. Gerade stehen, Hände aus den Taschen, deutlich und betont sprechen, beim Reden ein wenig hin und her schreiten, Blick ins Publikum – so wirkt Ihr selbstbewusst. Meine Auftritte übe ich daheim vor dem Spiegel. Allzu gestenreiche Auftritte sind lächerlich. Wenn ich es nicht schaffe, mit Bild, Ton und als Person zu überzeugen, schaffe ich das auch als „Kasperl auf Speed“ nicht.
  • Lampenfieber haben selbst die Profis. Doch wer gut vorbereitet ist, muss nicht nervös werden. Darum prüfe ich ein paar Tage zuvor die Technik auf Herz und Nieren, 1-2 h vor jedem Vortrag esse ich und trinke ein Glas guten Rotwein. Schwere Kost und Getränke mit Kohlensäure meide ich ebenso wie Schokolade und Milchprodukte, die einen zähen Schleim im Hals bilden.
  • Während des Vortrages steht eine Flasche Wasser parat.

Rechtliches

Ich merke zu diesem Thema lediglich an, dass nicht jeder Fotos / Videos von sich öffentlich sehen will, Landkarten kein Allgemeingut sind und Musik, die Ihr nicht selbst komponiert habt, Ihr nicht unerlaubt verwenden dürft. Aber es gibt Wege und Alternativen.

Nach dem Vortrag

  • haue ich nicht sofort ab und stehe meinem Publikum gerne Rede und Antwort. Natürlich habe ich zuvor recherchiert und kann viele Fragen über das Zielland beantworten.

Man hat nie ausgelernt

Während meiner Vorträge beobachte ich das Publikum und dessen Reaktionen. So sehe ich welche Art von Foto besondere Begeisterung auslöst, ab wann die Aufmerksamkeit nachzulassen beginnt und passe meine Vorträge vor der nächsten Aufführung entsprechend an.

War mein Vortrag gut?

Wenn Euer Publikum nach Eurem Vortrag „Schade, schon vorbei.“ sagt (eines der schönsten Komplimente, die man kriegen kann), dann habt Ihr den Nerv getroffen. 🙂

Fazit

Vielleicht ist es eine Inspiration für Euch, mehr aus Euren Fotos und Videos zu machen? Es geht nicht so sehr darum, vor großem Publikum zu referieren, sondern um seine Fotos aufzuwerten, indem man daheim eine schön ausgestaltete Show zu einer Reise präsentieren kann, die bei Gästen mehr Begeisterung auslösen wird als das Gekauere vor Laptop, Tablet oder Smartphone. Nehmt Euch die Zeit für Eure besten Fotos und probiert es mal aus! 🙂

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