Hey Daniel, warum hast Du dir das Sigma 18-35 mm f1,8 DC HSM gekauft?

Schön, das Du fragst. Lange habe ich mit dem Sigma 18-35 mm F1,8 DC HSM geliebäugelt. Einerseits ist es kein Schnäppchen, andererseits ist sein Brennweitenbereich auch nicht gerade üppig. Vielerlei Gründe haben mich dazu bewogen, diese Linse nun doch zu kaufen. Hier erfährst Du sie:

Die Nikon D5300 mit dem 18-35 mm f 1,8 aus Sigmas ART-Serie.

1. Haptik

Was mich an den Zoomobjektiven, die man meist mit dem Kauf einer Kamera erhält, stört, ist deren mäßige Verarbeitung. Zwar ist das geringe Gewicht des Kunststoffes durchaus vorteilhaft und eine Menge Zoom in einer einzigen Linse zu haben ist schon sehr praktisch, aber unpräzise Bedienelemente sind der anspruchsvollen Fotografie ein Unding. Nicht so beim Sigma! Alles an diesem Objektiv fühlt sich hochwertig an, weiche Zooms und manuelles Fokussieren sind problemlos machbar.

2. Optik

In der Schärfe, am Bokeh, an der Regelmäßigkeit der Sonnenstrahlen bei geschlossener Blende und an der Anfälligkeit für hässliche Lens Flares merkt man den qualitativen Unterschied zwischen Kit-Zoom und hochwertiger Optik. Das Sigma liefert ein wunderschönes Bokeh, Strahlenkränze und Lens Flares können sogar als gestalterisches Element eingesetzt werden. Die zwei folgenden Fotos sind ein Beispiel dafür, wie die Lens Flares einer weniger hochwertigen Optik eine Aufnahme ruinieren können:

Ein Beispiel für Lens Flares, die eine Aufnahme ruinieren. Diese Aufnahme wurde mit mit dem Nikkor 18-55mm bei einer Blende von f11 gemacht.Beispiel für ungleichmäßige Sonnenstrahlen. Mit dem 18-105mm von Nikkor bei einer Blende von f22 gemachte Aufnahme.

Nimmt man aber ein hochwertiges Objektiv, erhält man schön gleichmäßige Lens Flares und kann diese sogar als Stilelement einsetzen:

So sieht die Sonne aus, wenn man sie stark abgeblendet mit einem hochwertigen Objektiv fotografiert.

3. Offenblende

Lichtstarke Linsen mit einer großen Offenblende sind aufwändiger zu konstruieren, besonders wenn es sich um Zoomobjektive handelt. Das ist auch der Grund, warum lichtstarke Objektive teurer sind und es sich häufig um Festbrennweiten handelt. Leider gibt es für Nikon-DSLRs mit DX-Sensoren (wie z.B. meine D5200) keinerlei lichtstarke Weitwinkelobjektive. Das Sigma deckt sowohl den Weitwinkel-, als auch den Normalbereich bis 35 mm ab und bietet eine Offenblende von f1,8 über den gesamten Brennweitenbereich.

Nachtrag: Inzwischen bin ich bei Nikon tatsächlich fündig geworden: das etwas ältere AF-S DX NIKKOR 17-55 mm 1:2,8G ED und das brandneue AF-S DX NIKKOR 16–80 mm 1:2,8–4E ED VR. Vor allem Ersteres ist sehr lichtstark und wäre eine denkbare Alternative zum Sigma. Allerdings sind beide deutlich teurer und ob sie hinsichtlich der Verarbeitung dem Sigma ebenbürtig sind, weiß ich leider nicht.

4. Bedarf

Primär fotografiere ich in Landschaft und Natur, gerne auch in Städten und gelegentlich sogar Menschen und Tiere. Für Landschaften und Städte benötige ich häufig den Weitwinkelbereich zwischen 18 und 24 mm, für Pflanzen, Menschen, Tiere und gelegentliche Portraits meist 24 bis 35 mm. Selten hingegen bin ich im Ultraweitwinkel- und Telebereich unterwegs. Wie Du siehst, habe ich im Sigma ein lichtstarkes und erstklassig abbildendes Immerdrauf für meine Belange gefunden.

Klingt gut. Aber ein paar Fragen wären da noch:

Sind 700 € für das bisschen Zoom nicht zu teuer?

Nein, denn hier bezahle ich für eine hochwertige Verarbeitung sowie die sagenhafte Offenblende von f1,8 über den gesamten Brennweitenbereich.

Sollte man nicht besser Ware des Kameraherstellers kaufen?

Grundsätzlich sollte man dort kaufen, wo man für sein Geld das passendste und hochwertigste Produkt bekommt.

Hat Sigma nicht den Ruf der hohen Serienstreuung?

Mein Modell funktioniert einwandfrei, mehr kann ich dazu nicht sagen. Schlimmstenfalls wäre es halt zum Service oder an den Händler zurück gegangen.

Könnte das Objektiv mit zukünftigen Kameramodellen inkompatibel sein?

Wüsste zwar nicht warum das passieren sollte, aber ganz ausschließen kann man es natürlich auch nicht – wie bei allen anderen Objektiven auch!

Ist die Präzision des Fokussierringes nicht egal, wenn ich über Autofokus verfüge?

Nein. Den manuellen Fokus benötige ich beispielsweise beim Filmen, bei Nahaufnahmen oder in der Astrofotografie, und dazu muss der Fokussierring unter allen Umständen präzise laufen!

Diese Linse ist nur für Kameras mit APS-C- bzw DX-Sensoren geeignet, hätte ein Wechsel zu Vollformat nicht mehr Sinn gemacht?

Für mich persönlich Nein: Eine Crop-DSLR inkl. guter Objektive ist in der Anschaffung und in Folge preiswerter, außerdem sind sie – für mich als Wanderer und Bergsteiger wichtig! – deutlich leichter und kompakter. Moderne Crop-DSLRs liefern selbst bei ISO 6.400 relativ rauscharme Fotos mit ausreichend Details und ich kann mit ihnen, eine lichtstarke Optik vorausgesetzt, ebenso mit geringen Tiefenschärfen fotografieren. Generell macht es Sinn, in gute Objektive zu investieren, da diese – im Gegensatz zu jeder Kamera! – über Jahrzehnte hinweg ihren Wert behalten!

Kit-Zooms sind günstig, erwartest Du ernsthaft High-End-Ware?

Ab welchem Betrag habe ich als Kunde den Anspruch, tadellose Ware zu bekommen? Auch bei günstigen Linsen sollten alle Komponenten einwandfrei funktionieren. Und wenn man bedenkt, dass eigentlich selbstverständliches Zubehör wie eine Gegenlichtblende immer häufiger für teils unverschämte Geldbeträge gesondert erworben werden muss, relativiert sich der Schnäppchenpreis eines Kit-Zoomes sehr schnell!

Wem würdest Du das Sigma empfehlen?

Jedem, der auf solide Wertarbeit, kreative Bildgestaltung, eine überragende Abbildungsleistung und perfekte Schärfe besonderen Wert legt.

Wem würdest Du das Sigma nicht empfehlen?

Wer eine Immerdrauf-Linse mit viel Zoom sucht oder der Meinung ist, dass dieses Objektiv für seinen hohen Preis zu wenig Zoom hat, sollte die Finger davon lassen.

Wie lautet Dein Fazit?

Zwar ist das Sigma 18-35 mm F1,8 DC HSM für ein Immerdrauf schon ein wenig groß und schwer, ebenso muss man auf einen Bildstabilisator verzichten, doch dafür erhält man echte Wertarbeit Made in Japan. Schon lange nicht mehr habe ich an einem Objektiv derart sanft und präzise laufende Zoom- und Fokussierringe erlebt! Mit einer großen Offenblende über die gesamte Brennweite ist ernsthaftes und anspruchsvolles Fotografieren mit hohem Freistellpotential kein Hexenwerk mehr. Abbildungsleistung und Schärfe lassen keine Wünsche offen und letztere kommt bei einer Kamera ohne Tiefpassfilter vor dem Sensor vollends zur Geltung. Der Autofokus mittels integriertem Motor ist treffsicher und arbeitet schnell, selbst das Fotografieren von Möwen im Flug ergab perfekte Fotos. Für anspruchsvolle Fotografen mit den Schwerpunkten Landschaft, Stadt und Architektur, Menschen, Tiere und Portraits, und auch für DSLR-Filmer ist das Sigma eine echte Offenbarung!

In diesen Beispielaufnahmen habe ich das Sigma gegen ein typisches Zoomobjektiv, nämlich dem NIKKOR AF-S DX 18-105 mm 1:3,5-5,6G ED VR antreten lassen. Hier die unbearbeiteten RAW-Dateien im Vergleich:

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Und was die Nachbearbeitung der RAW-Dateien z.B. mittels Adobe Lightroom aus den Fotos alles herauszuholen vermag, sieht man hier im Vergleich:

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Falls Du wissen willst wie sich das Sigma im alltäglichen Gebrauch schlägt, so möchte ich Dir meine beiden Kroatien-Reisetagebücher empfehlen, die Du unter dem Menüpunkt „Fotografie“ findest. Fast alle Aufnahmen dort wurden mit dem Sigma gemacht.

Abschließend möchte ich bemerken, dass ich für das Objektiv den vollen Kaufpreis bezahlt habe und ich nicht für Lobeshymnen auf diese Linse bezahlt wurde. Erhältlich ist das Sigma für Kameras der Marken Nikon, Canon, Pentax, Sony und Sigma.