Höchst spannend! Gewitter und Blitze fotografieren

Mal ehrlich! Bei schönem Wetter kann doch jeder fotografieren! 🙂 Nein, natürlich möchte ich die auch von mir heißgeliebten Landschaftsaufnahmen nicht schlecht reden, aber manche Motive sind anspruchsvoller, weil sie mehr fotografisches Wissen und Geduld erfordern. Besonders anspruchsvoll, weil nicht vorhersehbar, ist das Fotografieren von Blitzen!Gewitter über Innsbruck. Unten links ist das Terminal des Flughafen Innsbruck zu sehen.Die Entstehung von Gewittern und Blitzen möchte ich hier nicht genauer erklären, weil es hierfür eh eine Menge spezialisierte Websites und Fachartikel gibt. Ich verweise an dieser Stelle lediglich auf die Wikipedia-Artikel zu Gewittern, Blitzen und Donner, und komme gleich zur Sache.

Das Setup, Erster Versuch, Zweiter Versuch, …

Für mich war es ehrlich gesagt eine Premiere, weswegen ich diesen Beitrag lieber nicht als ein Tutorial bezeichnen möchte. Ich habe zwar vor Jahren mit einer Kompakten eher zufällig einen Blitz fotografiert, doch erst gestern, mit einem nach Südwest ausgerichteten Balkon als sicheren Standort und einer Menge vielversprechender „Schwammerl“ am Himmel, wagte ich einen „echten“ ersten Versuch. Zum Einsatz kamen:

  • die Nikon D5200
  • das 18-105er Objektiv
  • ein ND1000 Filter
  • das togopod „LUISA“

Da mein erster Versuch spätnachmittags, also bei Tageslicht stattfand, nahm ich den ND-Filter zu Hilfe, um möglichst lange belichten zu können. So waren Belichtungszeiten bis zu 30sek. möglich, was die Wahrscheinlichkeit, einen Blitz zu erwischen, natürlich drastisch erhöht. Meine Empfehlung wäre, es trotzdem erst mal nachts, wenn der Blitz die einzige Lichtquelle ist, zu probieren, denn das Fotografieren mittels ND-Filter ist eh schon etwas beschwerlicher. Somit war auch meine „Tagesausbeute“ nicht allzu üppig, wie Ihr am hier gezeigten Foto sehen könnt:

Ein Blitz bei Tageslicht- mein Premierefoto. Unten links ist die Runway des Innsbrucker Flughafens zu sehen.

Ich empfehle daher, Aufnahmen untertags erst mal bleiben zu lassen und es zunächst einmal nachts zu probieren. In meinem Falle eh eine weise Entscheidung, denn erst nach Sonnenuntergang kamen sowohl die „Gewitterküche“ Innsbrucks, die Ötztaler Alpen, als auch ich voll in Fahrt. Ein Gewitter folgte dem nächsten und es sind einige tolle Fotos entstanden:

Gewitter bei Innsbruck. Blick Richtung Südwest.Gewitter bei Innsbruck. Blick Richtung Südwest.Gewitter über Innsbruck. Unten links ist das Terminal des Flughafen Innsbruck zu sehen.Gewitter über Innsbruck. Unten links ist das Terminal des Flughafen Innsbruck zu sehen.

Diese Ausrüstung solltet Ihr haben!

  • eine Spiegelreflexkamera oder eine gute Brigde- oder Systemkamera
  • ein weitwinkeliges Objektiv bzw. einen weiten Bildwinkel
  • ein Stativ mit stabilem Standort
  • eine kamerainterne Intervallfunktion oder einen externen Timer
  • für Blitzfotos untertags einen ND-Filter
  • idealerweise Echtzeit-Wetterdaten auf Computer oder Smartphone, die Euch Blitzrate und Zugbahn eines Gewitters mitteilen. Ich selbst nutze dafür LightningMaps.org und auf dem Smartphone diese kostenlose Android-App.

Spektakuläre Lichtstimmung nach dem ersten Gewitter. Blick über Innsbruck Richtung Südost. Innsbruck mit einem Hauch von Mordor ;-)

Mit diesen Einstellungen sollte es klappen!

  • Die Kamera muss in jedem Falle auf ein Stativ!
  • Fotografiert wird idealerweise nur im manuellen Modus (M). Vollautomatiken und obskure Motivprogramme sind hier fehl am Platze!
  • Der untere Brennweitenbereich (10-30mm) ist der Bereich mit dem weitesten Bildwinkel. Damit bekommt man ein unvorhersehbares Wetterphänomen am ehesten auf’s Bild.
  • Die Blende wird möglichst geschlossen, um eine Überbelichtung des Fotos und ein „Ausfransen“ des Blitzes zu vermeiden. Werte zwischen f11 und f18 wären gut, bei DSLRs eher Richtung f18, bei Kameras mit kleinerem Sensor dafür eher f8 bis f14.
  • Als ISO-Wert habe ich 100 genommen. Mehr als ISO400 ergäbe eine etwas geringere Bilddynamik und Bildrauschen, besonders bei Kameras mit kleinerem Sensor.
  • Den Weißabgleich habe ich grundsätzlich immer auf „Wolkig“ stehen. Von Weißabgleich verstehe ich zu wenig, da ich im RAW-Format fotografiere und den Weißabgleich erst später in Lightroom manuell festlege.
  • Die Kamera muss auf  „Unendlich“ fokussiert werden. Untertags fokussiere ich dazu ein möglichst weit entferntes Objekt, nachts fokussiere ich einfach einen möglichst weit entfernten Lichtpunkt, z.B. eine Straßenlampe.
  • Habe ich mich für einen fixen Kamerastandort entschieden und die Kamera erfolgreich auf „Unendlich“ fokussiert, muss der Autofokus abgeschaltet werden. Die Kamera darf ab jetzt nur noch für die Auslösung berührt werden!
  • Als Belichtungszeit habe ich nachts 20 Sekunden gewählt, als Aufnahme-Intervall 50 bis 100 Fotos alle 25 Sekunden.

Ja, so fängt man Blitze! 🙂

Gewitter über Innsbruck. Ein paar nette Blitzvarianten (1 von 4)Gewitter über Innsbruck. Ein paar nette Blitzvarianten (2 von 4)Gewitter über Innsbruck. Ein paar nette Blitzvarianten (3 von 4)Gewitter über Innsbruck. Ein paar nette Blitzvarianten (4 von 4)

Spielt nicht mit Eurem Leben!

So faszinierend Gewitter auch sein mögen, es ist eine Naturgewalt, mit der man keinesfalls spaßen sollte! Wie real die Gefahr eines Blitzschlages ist, habe ich bereits zweimal zu spüren bekommen. Einmal, als mich die Druckwelle eines Blitzes von den Beinen holte, und einmal, als mein Auto während einer Autobahnfahrt (vermutlich) einen Treffer kassierte. Beide Erlebnisse waren überhaupt nicht lustig!

So solltet Ihr möglichst vor dem Eintreffen eines Gewitters fotografieren, da es häufig erst am hinteren Ende einer Gewitterwolke zu regnen beginnt und die Sicht somit noch frei ist. Da die Gefahr durch umstürzende Bäume, Blitzschlag, umherfliegende Trümmer und großem Hagel sehr akut ist, ist es keinesfalls ratsam, sich während eines Gewitters unter freiem Himmel aufzuhalten. Darum sucht Euch unbedingt einen geschützten Standort, denn selbst das geilste Foto der Welt kann nicht die Gesundheit oder gar das Leben wert sein! In diesem Artikel werden die Verhaltensweisen bei Gewittern ausführlich erläutert.

Doch von einem sicheren Standort aus betrachtet und auch fotografiert sind Gewitter ein unheimliches und zugleich wahnsinnig faszinierendes Wetterphänomen, dass wissenschaftlich gesehen immer noch Geheimnisse birgt und sogar auf anderen Planeten existiert.

Nun aber viel Spaß mit den Fotos und einen perfekten Sommer! 😉

3 Kommentare bei „Höchst spannend! Gewitter und Blitze fotografieren“

  1. Peter Pichler sagt:

    Hallo Daniel, na bumm – da bin ich fast sprachlos. die Fotos sind umwerfend; du hast echt was drauf!; die Erklärungen und Anleitungen lesen sich locker und flüssig; manchmal kommt es mir vor, als ob ich ein Rührkuchenrezept lesen würde.
    Also einfach raus… eine SRL und los geht`s… mach es einfach – niemand behauptet, dass es leicht ist. Gratuliere!!!
    syih P.

    1. Danke!

      An solchen Fotos sehe ich, was ich seit 2011 (davor war ich ja nur Knipser) für immense Fortschritte gemacht habe. Ich sehe, dass ich mich auch vor komplizierten Motiven nicht mehr grausen muss. Diese Fotos waren tatsächlich meine Premiere und die Ergebnisse haben sogar mich überwältigt!

      Soviel Eigenlob muss sein! 😉

  2. Fantastische Aufnahmen!

Kommentare sind geschlossen.