Mein Neuzugang, das Nikon AF-S 70-300 mm 1:4,5-5,6G VR, im Test

Ja, ich habe wieder zugeschlagen und ein neues Objektiv gekauft! Es wurde ein Tele-Zoom, da ich – zusätzlich zum Sigma 18-35 mm F1,8 DC HSM und dem Nikon AF-S 50 mm 1:1,8G – auf der Suche nach einer guten und preiswerten Ergänzung „nach oben“ war. Nach gründlicher Recherche und der genauen Beobachtung der Preisentwicklung auf dem Gebrauchtmarkt habe ich das Nikon AF-S 70-300 mm 1:4,5-5,6G VR erworben. Wie sich das 70-300 mm so macht und ob ich es empfehlen kann, erfahrt Ihr hier:

Das Nikon AF-S 70-300 mm – eine Übersicht:

Bei dieser Linse handelt es sich um ein sogenanntes Tele-Zoom, das sowohl an Nikon-DSLRs mit DX-Sensor, als auch an solchen mit FX-Sensor verwendet werden kann. Dank „AF-S“ (d.h. mit Fokus-Motor) kann es auch an den kleineren Nikons der 3000er und 5000er-Reihe, die über keinen eigenen Fokus-Motor verfügen, verwendet werden. Seine Brennweite beginnt mit 70 mm im oberen Normalbereich, auf Kameras mit DX-Sensor erhält man ein Kleinbild-Äquivalent von 105 mm, was man fast schon als einen leichten Tele bezeichnen kann. Richtig Spaß machen die 300 mm Brennweite auf DX, wo man ein Kleinbild-Äquivalent von 450 mm erhält! Tele-Fotografen sind mit einer DX-DSLR somit im Vorteil, weil sie quasi ein wenig mehr Tele bekommen.

Zur Erinnerung: FX-Sensoren (= Vollformat) entsprechen dem Kleinbild-Format, DX-Sensoren hingegen sind nur etwa halb so groß, was bedeutet, dass z.B. 300 mm Brennweite auf FX einen größeren Bildausschnitt darstellen als auf DX. Bei Nikon ist der Umrechnungsfaktor x 1,5. Das bedeutet, dass ich, wenn ich mit 300 mm Brennweite auf DX fotografiere, auf FX 450 mm Brennweite benötigen würde, um den gleichen Bildausschnitt zu erhalten.

Die Verarbeitung des Nikon AF-S 70-300 mm

Material:

Das 70-300 mm ist eine dieser typischen Durchschnitts-Linsen von Nikon – viel Kunststoff, aber insgesamt ganz gut. Das Bajonett hingegen ist zum Glück aus Metall. Trotzdem sollte man, vor allem wenn es sich um eine schwere Vollformat-DSLR handelt, die Kombi nicht am Objektiv halten, sondern IMMER an der Kamera! Für positiv erwähnenswert halte ich die Gummi-Manschette, die das Bajonett abdichtet. Den einen oder anderne Wasserspritzer / das ein oder andere Staubkorn mag diese fernhalten, doch sollte man sich von ihr nicht all zu viel erwarten und sich für extreme Outdoor-Aktivitäten lieber nach einer geeigneteren Kamera umsehen.

Konstruktion:

Das Objektiv ist innenfokussierend, d.h. die Frontlinse dreht sich nicht mit, was ideal für den Einsatz von Polarisationsfiltern ist. Beim Zoomen ändert sich die Länge des Objektives, weil vorne der Tubus herausfährt. Wichtig für DSLR-Filmer: Den Lauf von Zoom- und Fokussierring ist allenfalls durchnittlich präzise, will man manuell in die Fokussierung eingreifen oder während der Aufnahme zoomen, kann das u.U. zu einem Glücksspiel ausarten. Weiters muss man auf eine Stativschelle verzichten, was aber kein Problem ist, solange man ein stabiles Stativ benutzt! Mein togopod „LUISA“ hingegen ist mit Kamera und Objektiv definitiv überfordert und sackt stets etwas nach!

Tipp: Bei Hochformat-Aufnahmen bitte unbedingt die Schraube der Wechselplatte möglichst festziehen und immer wieder kontrollieren, weil sich Kamera und Objektiv nämlich langsam aber stetig durch ihr Gewicht losschrauben und eine teure Bruchlandung hinlegen könnten!

Technik:

Der Autofokus des 70-300 mm arbeitet schnell und sitzt präzise, wobei ich den Eindruck hatte, dass die Zuverlässigkeit zu den äußeren Fokusmessfeldern hin minimal nachlässt. Das Objektiv verfügt über einen „M/A/M-Schalter“, was sowohl eine rein manuelle Fokussierung, als auch den mauellen Eingriff in die automatische Fokussierung ermöglicht. Weiters verfügt es über einen „Active-Mode“, der, so weit ich weiß, die Fokussierung erleichtert, wenn man sich auf einem bewegenden Objekt (Auto, Schiff, …) befindet. Habe ich aber noch nicht testen können. Die Bildstabilisierung („VR“) funktioniert tadellos und selbst bei 300 mm Brennweite und 1/50 sek. Belichtungszeit sind mir schon unverwackelte Aufnahmen gelungen. Allerdings fehlt der Nachweis, ob mir diese Aufnahmen ohne VR und unter identischen Bedingungen nicht ebenso gelungen wären.

Tipp: Unbedingt abschalten solltet Ihr den VR, wenn sich die Kamera auf einem Stativ befindet, da der VR das nicht wissen kann und sich eben „irgendwas“ zum stabilisieren sucht – mit unschönen Auswirkungen auf das Foto!

2015-06-15_DSC_5866

Optik:

Dieser Tele-Zoom ist – welch Überraschung! – keine lichtstarke Festbrennweite, die einem spektakuläre Actionaufnahmen beim Sport oder in der Tierfotografie ermöglicht, sondern eine eher gemächliche Linse, die den Bedürfnissen von Landschafts- und Naturfotografen entgegenkommt. Die Anfangs-Offenblende von 4,5 klingt nach sehr wenig, und ab 200 mm stehen sogar „nur noch“ f5,6 zur Verfügung, doch auch dies ist für ein gezieltes Freistellen von Motiven vollkommen ausreichend. Das Bokeh in den Fotos halte ich  – bei Zoom-Linsen oft keine Selbstverständlichkeit! – für sehr angenehm und harmonisch. Chromatische Aberrationen werden mitunter zum Thema, wenn man ein Motiv mit harten Kontrasten zwischen Hell und Dunkel aufgeblendet fotografiert. Abhilfe schafft hier ein maßvolles Abblenden. Dieses Objektiv hat übrigens keine „Makro-Option“, was bedeutet, dass Motive erst ab einem Betrachtungsabstand von ca. 1,5 m fokussierbar sind. Die Bildqualität ist gut und wenn man weiß, bei welcher Brennweite man wie stark abblenden muss, sind sogar eine sehr gute Bildqualität sowie Fotos ohne cromatische Aberrationen möglich. Leider ist das ein klein wenig verzwickt. Hier habe ich ein paar Testfotos mit der Nikon D5200 geschossen. Ich beginne mit 70 mm Brennweite und Offenblende, alle Werte zum Bild seht Ihr in der Bildbeschreibung:

Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 70 mm, Blende: f4,5 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 70 mm, Blende: f4,5, Bildansicht: 100%Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 70 mm, Blende: f5,6 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 70 mm, Blende: f5,6, Bildansicht: 100%Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 70 mm, Blende: f8 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 70 mm, Blende: f8, Bildansicht: 100%Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 70 mm, Blende: f11 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 70 mm, Blende: f11, Bildansicht: 100%Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 70 mm, Blende: f16 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 70 mm, Blende: f16, Bildansicht: 100%Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 70 mm, Blende: f22 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 70 mm, Blende: f22, Bildansicht: 100%

Und es geht weiter mit 100 mm Brennweite:

Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 100 mm, Blende: f4,5 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 100 mm, Blende: f4,5, Bildansicht: 100%Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 100 mm, Blende: f5,6Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 100 mm, Blende: f5,6, Bildansicht: 100% Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 100 mm, Blende: f8 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 100 mm, Blende: f8, Bildansicht: 100% Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 100 mm, Blende: f11 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 100 mm, Blende: f11, Bildansicht: 100% Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 100 mm, Blende: f16 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 100 mm, Blende: f16, Bildansicht: 100% Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 100 mm, Blende: f22 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 100 mm, Blende: f22, Bildansicht: 100%

200 mm Brennweite, beginnend mit der größtmöglichen Blende von f5,6:

Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 200 mm, Blende: f5,6 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 200 mm, Blende: f5,6, Bildansicht: 100% Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 200 mm, Blende: f8 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 200 mm, Blende: f8, Bildansicht: 100% Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 200 mm, Blende: f11 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 200 mm, Blende: f11, Bildansicht: 100% Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 200 mm, Blende: f16 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 200 mm, Blende: f16, Bildansicht: 100% Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 200 mm, Blende: f22 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 200 mm, Blende: f22, Bildansicht: 100%

Und 300 mm Brennweite:

Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 300 mm, Blende: f5,6 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 300 mm, Blende: f5,6, Bildansicht: 100% Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 300 mm, Blende: f8 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 300 mm, Blende: f8, Bildansicht: 100% Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 300 mm, Blende: f11 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 300 mm, Blende: f11, Bildansicht: 100% Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 300 mm, Blende: f16 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 300 mm, Blende: f16, Bildansicht: 100% Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 300 mm, Blende: f22 Das Nikon AF-S 70-300 mm f4,5-5,6: Brennweite: 300 mm, Blende: f22, Bildansicht: 100%

Gut zu erkennen: Bis 100 mm und bei einer Blende von f5,6 liefert das Nikon 70-300 mm schon sehr scharfe und detailreiche Fotos. Erst ab 200 mm erkennt man, dass eine große Offenblende vor allem im Tele-Bereich zu eher weichen Bildern führt. Sollte es also im Tele-Bereich auf das letzte Quäntchen Schärfe ankommen, solltet Ihr die Blende auf wenigstens f16 schließen. Besitzer älterer DSLRs mit max. 16 MP dürften mit dem 70-300 mm mit Sicherheit etwas schärfere Fotos erhalten. Ich werde nämlich das Gefühl nicht los, dass der 24,1 MP-Sensor der Nikon D5200 auflösungstechnisch nicht zur Gänze ausgereizt wird.

Tipp: Diese Fotos dienen nur Demonstrationszwecken. Beurteilt Schärfe und Detailreichtum Eurer Fotos bitte nicht in der 100%-Ansicht daheim vor dem Computer, da eine solche Ansicht praxisfern und unrealistisch ist. Oder setzt Ihr Euch, wenn Ihr einen Film in Full HD anseht, auch immer 20 cm vor den Fernseher und ärgert Euch über „unscharfes Full HD“? Vermutlich nicht. Ein Foto, in der Nachbearbeitung bei 100% Ansicht nachgeschärft, kann bei normaler Betrachtungsgröße schnell überschärft aussehen.

Mein Fazit:

Sehr gut geeignet ist es für Fotografen, die:

  • unbewegte Motive fotografieren
  • gerne auch mal ein Stativ nutzen
  • keine Lust haben, kiloweise Glas mit sich herumzuschleppen
  • so wie ich 70 mm auch an DX für eine coole Portrait-Brenntweite halten 🙂

Weniger gut bzw. nicht geeignet ist es für Fotografen, die:

  • Action-Aufnahmen z.B. beim Sport machen wollen
  • schnelle, unberechenbare Motive, wie z.B. Tiere fotografieren wollen
  • die ultimative Performance für lau erwarten – ist nun einmal nicht machbar!

Was ich am Nikon AF-S 70-300 mm 1:4,5-5,6G VR gut finde, ist:

  • seine recht geringe Baugröße
  • das relativ geringe Gewicht
  • seine erstaunlich gute Bildqualität
  • sein Freistellpotential trotz mäßiger Offenblende
  • die Option, es an Vollformat gleichermaßen nutzen zu können
  • sein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis

Was ich weniger gut finde:

  • den leider etwas unpräzisen Fokussierring
  • den leider etwas unpräzisen Zoomring
  • diesen windigen Plastikdeckel zur Abdeckung des Bajonetts – ein Scherz!

Sollte man nicht gleich ein High-End-Tele kaufen?

Kommt darauf an. Tier- und Sportfotografen auf der Jagd nach der entscheidenden Millisekunde werden mit der Linse keine Freude haben. Fotografen, deren Motive nicht weglaufen, hingegen schon. Mal ganz abgesehen davon, dass High-End-Tele mit dieser Brennweite erst jenseits der Preisgrenze von 5.000 € zu haben sind!

Kann das 70-300 mm also gute Fotos machen? Ja, das kann es in der Tat – vor allem wenn man bedenkt, mit welcher Preisklasse und technischen Spezifikationen man es hier zu tun hat! Das Nikon AF-S 70-300 mm 1:4,5-5,6G VR ist ein ausgesprochen tolles Tele für den Landschafts- und Naturfotografen, das mir persönlich eine Menge Spaß macht. Meine Empfehlung habt Ihr!

Und was wäre die beste Empfehlung ohne entsprechende „Beweisfotos“ wert? 🙂

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2 thoughts on “Mein Neuzugang, das Nikon AF-S 70-300 mm 1:4,5-5,6G VR, im Test

  1. Hallo Daniel, ein bißchen viel Trampeltier… Ich hätte mir mehr Landschaft, Natur oder Detailfotos gewünscht.
    Die detailierte Beschreibung ist schon sehr speziell.
    Andererseits frage ich mich, warum du nicht als praxisbezogener Objektivtest Blogger Beiträge für Objektivhersteller verfasst…
    syih + gut Licht
    Peter

    • „Trampeltier“? 🙂 Ein paar Kleinigkeiten schmecken mir nicht so ganz und das schreibe ich auch gerne nieder.

      Der Beitrag ist spezieller als der über das 50 mm – sollte auch so sein. Zu großen Fotosafaris mit dem 70-300er kam es noch nicht, aber die paar Fotos hier zeigen doch schon mal ganz gut, was damit möglich ist. Oder nicht? Demnächst wird es noch viel mehr Fotomaterial vom 70-300 mm zu sehen geben – in einem eigenen Beitrag.

      Sollte jemand, der einen praxisorientierten Objektiv-Tester sucht, das hier lesen, eine e-Mail genügt!

      LG

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