Nikon 24–85 mm vs. Nikon 35 mm – Zoom und Festbrennweite im Vergleich

Jeder halbwegs versierte Fotograf dürfte es gehört haben: Festbrennweiten sind besser als Zoomobjektive. Festbrennweiten sind lichtstärker, machen schärfere Bilder, das Bokeh ist schöner und Zoomobjektive sind nur was für Amateure und faule Leute. Profis wollen nur das Beste und verwenden darum nur Festbrennweiten, blablabla…

Soweit die landläufige Meinung. Ich aber sage: Kommt drauf an!

Natürlich verwende auch ich Festbrennweiten, bin aber guten Zoomlinsen ganz und gar nicht abgeneigt und es gibt sie – seit dem Sigma 18-35 mm F1,8 DC HSM weiß ich das! Das Sigma ist so messerscharf und lichtstark, so dass ich das AF-S DX 35 mm 1:1,8G sofort verkaufte. Der meist nicht allzu hohen Meinung vieler Fotografen über Zooms schließe ich mich jedenfalls schon aus Erfahrung nicht an.

Kit-Zoom vs. Festbrennweite – ernsthaft?

Ich war so frech und habe meine beste Festbrennweiten, nämlich das Nikon AF-S 35 mm 1.8G ED mit dem Nikon AF-S 24–85 mm 1:3,5-4,5G ED VR, das ich für sagenhafte 300 € auf Ebay erwarb, verglichen. Dazu stellte ich das Zoom auf 35 mm Brennweite ein und arbeitete mit beiden Linsen jeweils folgende Blendenwerte durch: f4.0, f5.6, f8.0, f11 und f16. Wieso erst ab f4.0, wo das 35 mm doch f1.8 bietet? Das Zoom bietet bei 35 mm f4.0 als größtmögliche Blende und darum beziehe ich alle Blendenwerte diesseits der f4.0 gar nicht erst mit ein.

Eines will ich klarstellen: Weder will ich zeigen wie schlecht Zoomlinsen sind, noch will ich zeigen, dass Festbrennweiten besser sind. Weil das sehr unscheinbare 24-85 mm Gerüchten zufolge mit einer erstaunlichen Abbildungsleistung aufwartet, möchte ich wissen, ob Zooms wirklich immer so schlecht wie ihr Ruf sind. Dies ist nur ein einfacher Leistungsvergleich und kein Hype oder Miesmacherei.

Der Vergleich

Die Fotoansicht ist auf 50 %, die Fotos sind Raw-Dateien direkt aus der D750 und frei von jedweder Bildbearbeitung:

Nikon AF-S 24–85 mm 1:3,5-4,5G ED VR vs. Nikon AF-S 35 mm 1.8G ED – ein Vergleich Nikon AF-S 24–85 mm 1:3,5-4,5G ED VR vs. Nikon AF-S 35 mm 1.8G ED – ein VergleichNikon AF-S 24–85 mm 1:3,5-4,5G ED VR vs. Nikon AF-S 35 mm 1.8G ED – ein Vergleich

Wenn Ihr mich fragt, ist das 24-85 mm mit dem 35 mm ab f8.0 praktisch gleichauf. Lediglich bei offener Blende liegt das 35 mm vorn, wobei man nicht behaupten kann, dass das 24-85 mm wirklich schlecht wäre. Es geht weiter mit einer Nahaufnahme des Seeigelskelettes in 100 % Ansicht:

Nikon AF-S 24–85 mm 1:3,5-4,5G ED VR vs. Nikon AF-S 35 mm 1.8G ED – ein VergleichNikon AF-S 24–85 mm 1:3,5-4,5G ED VR vs. Nikon AF-S 35 mm 1.8G ED – ein Vergleich Nikon AF-S 24–85 mm 1:3,5-4,5G ED VR vs. Nikon AF-S 35 mm 1.8G ED – ein Vergleich

Das 35 mm ist wie gesagt bei Offenblende einen Hauch besser, ansonsten erkenne ich keine nennenswerten Unterschiede. Und wie gesagt: Die Bilder sind völlig unbearbeitet, d. h. auch ungeschärft. Doch wie sieht es mit dem Bokeh aus? Hier ein Vergleich bei f4:

Nikon AF-S 24–85 mm 1:3,5-4,5G ED VR vs. Nikon AF-S 35 mm 1.8G ED – ein VergleichNikon AF-S 24–85 mm 1:3,5-4,5G ED VR vs. Nikon AF-S 35 mm 1.8G ED – ein VergleichNikon AF-S 24–85 mm 1:3,5-4,5G ED VR vs. Nikon AF-S 35 mm 1.8G ED – ein Vergleich

Beim 24-85 mm verlaufen die Flammen in einem weichen Oval, während sich beim 35 mm leichte Ecken zeigen, was mit der Form der Blendenöffnung zu tun hat. Das wundert mich, weil beide Objektive über sieben abgerundete Blendenlamellen verfügen. Entweder wird das Bokeh des 24-85 mm durch die höhere Anzahl an Linsen verfeinert oder die Blende des 35 mm schließt unpräzise. Dafür wirkt beim 35 mm der Übergang in die Schärfentiefe etwas gleichmäßiger.

Wie ein gutes Bokeh aussieht, darüber wird man noch in 100 Jahren diskutieren. Für mich muss Bokeh weich und ruhig wirken, und die Blendenlammellen dürfen niemals sichtbar sein. Darum trifft das 24-85 mm eher meinen Geschmack.

Fazit

Ich bin erstaunt! Das 24-85 mm zählt nicht gerade zur Weltklasse und schafft es, einer nicht ganz günstigen Festbrennweite Konkurrenz zu machen.

Der größte Vorteil des 35 mm ist die Offenblende: Mit f1.8 habe ich bei schlechtem Licht die Nase vorn und mehr Potential bei der Schärfentiefe. Ein weiterer Vorteil ist die Naheinstellgrenze von 0,25 m, während das Zoom erst bei 0,38 m beginnt. D. h. ich kann mit dem 35 mm ein bisschen näher an das Motiv heran. Doch auch mit 0,38 m sind ordentliche Nahaufnahmen möglich. Für das 24-85 mm sprechen in jedem Fall die Flexibilität eines Zooms und das Bokeh. Sein Bokeh und die Schärfentiefe gefallen mir trotz des leicht unsanften Überganges besser. Ehrlich gesagt hatte ich mir da vom 35 mm mehr erwartet. Neutral sehe ich die etwas höhere Schärfe und Farbbrillianz des 35 mm, der Abstand zum 24-85 mm ist wirklich nur sehr gering und in der Bildbearbeitung problemlos korrigierbar.

Nicht alle, aber immer mehr Zooms machen einen echt guten Job und das 24-85 mm ist eines davon. Für mich gibt es weder einen Grund, das 24-85 mm zu verschmähen noch das 35 mm zu verkaufen. Beide haben ihre Stärken und Schwächen. Plastikbomber sind beide – ist heute nun mal so. Bei dem Mythos „Festbrennweiten sind besser als Zooms“ dürfte der Lack jedenfalls ein wenig ab sein.

Mein Rat

Wenigstens eine lichtstarke Festbrennweite gehört m. E. in jede Fototasche, aber die Zoomobjektive haben aufgeholt und es gibt in meinen Augen keinen Grund mehr, der mutmaßlich besseren Bildqualität wegen nur auf Festbrennweiten zu setzen. Für Porträt- und Studiofotografen mögen Festbrennweiten die bessere Wahl sein, aber ein Natur- oder Streetfotograf, der flexibel sein möchte, macht mit einem guten Zoom die Show. Es hält sich hartnäckig das Dogma, Zooms würden das fotografische Auge verderben. Dem stimme ich nur bedingt zu: Wer ernsthaft fotografieren will, lernt es auch mit einem Zoomobjektv und mit zunehmender Erfahrung findet jeder für sich selbst heraus, womit er am liebsten fotografiert. Wichtig ist, dass Ihr eine gute Linse auf der Kamera habt, mit der Ihr zufrieden seid.

Allzeit Gut Licht wünscht Euch Daniel 🙂

2 thoughts on “Nikon 24–85 mm vs. Nikon 35 mm – Zoom und Festbrennweite im Vergleich

  1. Hallo, ich hätte auch einen größeren Abstand zum 35mm erwartet. Wie du es schon formuliert hast, der Lack bei den Festbrennweiten ist etwas abgebröckelt. Schon bei der analogen Fotografie war es ein offenes Geheimnis, daß ein Abblenden um etwa 2 – 3 Stufen die besten Foto bringt. Richtig interessant wird das Zoom bei Gegenlichtaufnahmen und dem „Stern“. In der Portraitfotografie werden oftmals Zoomlinsen verwendet. Ganz groß im Rennen ist das 70-200er/f2.8 oder f/4. Mein neues Altes 28-80er hat mich auch überrascht.
    Wir können und dürfen uns über die beiden Linsen freuen.
    GUT LICHT

    • Gegenlichtfotos bzw. Fotos mit „Stern“ fallen mangels Sonne leider aus. Habe aber bei Recherchen Fotos gefunden, die einen satten Stern mit gleichmäßigen Strahlen zeigen. Diese Disziplin beherrscht das 35 mm schon sehr gut. Ordentliche Portätfotos würde ich dem 24-85er trotz f4.5 bei 85 mm ohne weiteres zutrauen. Ein 85 mm f1.8 hat freilich viel mehr Offenblende, aber da habe ich eben wieder das Problem der unflexiblen Festbrennweite.

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