Hallo Daniel, wie macht sich die Nikon D5300?

Schön, dass Ihr fragt. Eigentlich wollte ich sie mir gar nicht kaufen, weil ihre Vorgängerin, die D5200, mir bis dato jeden Fotowunsch anstandslos erfüllt hat. Nur hat sie inzwischen schon Auslösungen im hohen 5-stelligen Bereich auf dem Buckel und mit ihren Filmkünsten war ich stets ein wenig unzufrieden. Nach einiger Recherche habe ich mir dann die Nikon D5300 gekauft. Hier erfahrt Ihr, wie sich die Nachfolgerin meiner D5200 so schlägt und was ich von ihr halte.

Die Nikon D5300 mit dem 18-35 mm von Sigma und Handschlaufe Marke Eigenbau.

Die äußeren Werte der D5300

Das Display

Im direkten Vergleich mit der D5200 ist mir sofort aufgefallen, dass das Klapp-, Dreh- und Schwenkdisplay ein wenig größer ausgefallen ist und minimal höher auflöst, als das der Nikon D5200. Um das festzustellen muss man allerdings schon sehr genau hinsehen bzw. ein Lineal zu Hilfe nehmen. Positiv ist es trotzdem. 🙂

Haptik und Optik

Das Gehäuse hat einen etwas tieferen Griff spendiert bekommen, wodurch sich die Kamera etwas besser greifen lässt. Die minimale Verkleinerung des Gehäuses sowie das geringere Gewicht fallen erst im direkten Vergleich mit der D5200 auf und wären m. E. nicht einmal erforderlich gewesen, denn die D5000er Serie war ohnehin nie groß oder gar schwer. Das Gehäuse ist wie gehabt aus solidem Kunststoff, der aber bei der D5300 irgendwie „nicht mehr ganz so schön“ anmutet wie bei der Vorgängerin. Das Tastenlayout am Gehäuse hat ebenfalls eine kleine Änderung erfahren, was aber für Nutzer der Vorgängermodelle keiner nennenswerten Eingewöhnung bedarf. Insgesamt ist die D5300 also eine echte D5000er gelieben und bietet keine großen Überraschungen.

Die inneren Werte der D5300

WLAN und GPS

Dass WLAN und GPS ab sofort im Gehäuse integriert sind, ist die wohl signifikanteste Neuerung an der D5300. Es ist also möglich, die Kamera z.B. drahtlos mittels Smartphone zu steuern und seine Fotos mit Geotags zu versehen. Die WLAN Funktion habe ich einmal angetestet und die Kamera mittels Smartphone-App zu steuern versucht (mit Erfolg!). Für die GPS Funktion hingegen sehe ich bei mir vorläufig keinen Bedarf und habe sie darum auch nicht ausprobiert.

Bildsensor

Die D5300 hat den gleichen DX-Sensor wie die D5200 verbaut, einziger Unterschied ist, dass man bei der D5300 den Tiefpassfilter vor dem Sensor weggelassen hat, wodurch man etwas schärfere Fotos erhält. Kurze Erklärung: Der Tiefpassfilter soll mittels künstlicher Unschärfe den Moiré-Effekt in Fotos verhindern. Soll das heißen, dass wir bislang nur Fotos mir einer technisch bedingten Unschärfe geschossen haben? Ist der Unterschied in der Bildschärfe überhaupt der Rede wert? Hier ich habe einen kleinen Versuch gewagt und jeweils mit der D5200 und der D5300 zwei identische Vergleichsfotos geschossen. Die Einstellungen: Belichtungszeit: 1/250 sek.; Blende: f8; ISO: 100. Als Optik hat in beiden Fällen das 18-35 mm aus Sigmas ART-Serie fungiert. Hier seht Ihr Ausschnitte aus den Raw-Dateien:

d5300vsd5200_bsp2

Und hier der gleiche Ausschnitt, diesmal aber nachgeschärft, d.h. in Adobe Lightroom mit einem meiner bevorzugten Entwicklungs-Presets entwickelt:

d5300vsd5200_bsp3

Wenn Ihr mich fragt, sind die Aufnahmen aus der D5200 keinen Deut unschärfer. Hätte ich bei meinen beiden Beispielen alle möglichen Blendeneinstellungen durchprobiert, würde man möglicherweise doch einen geringen Unterschied feststellen können, und das auch nur in der 100% Ansicht und ohne Nachschärfen in der Entwicklung. Aber mal ehrlich: Wer schaut sich ernsthaft Fotos in der 100% Ansicht – noch dazu das unbearbeitete Bildmaterial! – an? Den Punkt des sagenumwobenen Schärfe-Plusses in den Fotos kann man, wenn Ihr mich fragt, getrost als Mythos abhaken – vor allem wenn man ein gewöhnliches Zoom-Objektiv verwendet.

Bildqualität

Die ist wie schon bei der D5200 auf sehr hohem Niveau, besonders dann, wenn man hochwertige Optiken wie z.B. Festbrennweiten einsetzt. Was das Bildrauschen betrifft, verhält sich auch die D5300 mustergültig. Aufnahmen bis ISO 1.600 zeigen praktisch kein Rauschen, erst ab ISO 3.200 wird es deutlich sichtbar. Ja selbst Aufnahmen bis ISO 6.400 sind noch gut verwendbar, noch höher hinauf würde ich aber nicht mehr gehen! Dank der 14 Bit Farbtiefe pro Kanal kann man, wenn man will, beinahe eine waschechte HDR-Aufnahme aus nur einem Foto erzeugen! Neu an der D5300 ist, dass man die Bittiefe pro Farbkanal auch auf 12 Bit einstellen kann. Die D5200 hat Aufnahmen stets in 14 Bit aufgenommen.

Bildprozessor

Als Bildprozessor fungiert in der D5300 der neu entwickelte Expeed4, der für eine etwas schnellere Signalverarbeitung sorgen soll als der Expeed3 in der D5200. Gerüchten zufolge soll sich das aber nicht auf die Geschwindigkeit der Kamera auswirken, sondern auf die Bildqualität. Das könnte stimmen, denn zumindest im High-ISO-Bereich beim Filmen konnte ich eine etwas bessere Performance feststellen. Dazu aber gleich mehr…

Tonqualität

Von der Leistung des kamerainternen Stereo-Mikrofons sollte man sich auch bei der D5300 keine Wunder erwarten! Der Ton ist ganz okay, solange Windstille herrscht und man das Kameragehäuse nicht berührt. Für brauchbare Tonaufnahmen zum Film kommt man aber um den Kauf eines externen Richtmikrofons bzw. eines Recorders nicht herum!

Ja, was kann die D5300 nun besser als die D5200?

Kommen wir zu meinem eigentlichen Kaufgrund: dem Filmen! Ja, die D5000er Serie macht nicht nur gute Fotos, sondern eignet sich auch hervorragend zum Filmen. Waren mit der D5200 bei 1080p nur 25 fps (bei PAL) bzw 30 fps (bei NTSC) möglich, so kann die D5300 bei 1080p schon mit 50 fps (PAL) bzw. 60 fps (NTSC) aufwarten! Das macht sich vor allem beim Filmen von schnellen Bewegungen sehr positiv bemerkbar und ermöglicht einem schöne Zeitlupen-Effekte.

Ebenso verbessert im Vergleich zur D5200 hat sich, dank der höheren Bitrate des Videomaterials, die Videoqualität. War die Videoqualität der D5200 erst nach einem Firmware-Hack auf einem akzeptablen Level, ist das bei der D5300 endlich nicht mehr erforderlich. Auch das Rauschen im High-ISO-Bereich (das bei der D5200 schon sehr gut war) sowie das Auftreten von Hot Pixels haben sich bei der D5300 noch einmal verbessert. Hot Pixels konnte ich in meinem High-ISO-Videomaterial der D5300 bislang keine finden, nur beim Filmen von längeren Sequenzen (> 5 min) bei ISO 1.600 traten sie vereinzelt auf. Bei der D5200 tauchten Hot Pixels bereits ab ISO 400 auf. Hier seht Ihr ein Beispielbild aus meinem High-ISO-Videomaterial der D5300. Die Einstellungen: 1080p; Videoqualität: höchste; ISO: 1.600:

d5300vsd5200_video_bsp1

Was könnte die D5300 besser machen?

Die Blende kann im Live View nicht geändert werden, weshalb man zum Ändern der Blende den Live View jedesmal verlassen muss. Irgendwie lästig, aber zu verschmerzen. Wirklich hilfreiche Funktionen wären ein Live Histogramm, eine Fokus-Peaking-Funktion und die Funktion, mittels einfachem Tastendruck auf 100% Ansicht in das Live Bild hereinzoomen zu können. Letztere Funktion bietet erst die D7000er-Serie, das Live Histogramm erst die D800er-Serie und das Fokus Peaking im Live View sucht man bei Nikon leider vergebens!

Warum das denn bitteschön? Mir ist klar, dass eine DSLR für 500 € nicht die gleichen Features haben kann (und darf!) wie eine für 5.000 €, aber die Implementierung der eben genannten Features hätte gewiss keiner von Nikons Profi-DSLRs den Rang abgelaufen, da ohnehin kein Profi-Fotograf ernsthaft eine „kleine Nikon“ statt einer D810 oder D4S in Erwägung ziehen würde! Irgendwie schade.

Wem würdest Du die D5300 empfehlen?

  • Fotografen und Filmern, die sowohl eine DSLR als auch eine ordentliche Filmkamera in einem Modell vereint haben wollen.
  • Fotografen und Filmer, die viel unterwegs sind und bei denen jedes Gramm zählt, ergo eine kleine, leichte Kamera benötigen.
  • Fotografinnen und Fotografen mit eher zierlichen Händen, ich bin (trotz meiner 1,90 m Körpergröße) so ein Kandidat.
  • Fotografen, die, anstatt sich für Fotos in den Staub zu schmeißen, es bevorzugen, eine Kamera mit Klappdrehschwenkdisplay zu verwenden.

Wem würdest Du die D5300 nicht empfehlen?

  • Wirklich eingefleischten DSLR-Filmern, andere Hersteller sind da besser.
  • Technik-Freaks, die ständig den letzten Schrei oder eine Kamera mit Touchfunktion brauchen!
  • Sport- und Hochgeschwindigkeitsfotografen auf der Jagd nach der entscheidenden Millisekunde dürfte die D5300 zu träge sein.
  • Fotografen, die sich erst mit einer der großen DSLRs in der Hand als solche fühlen, dürften mit der D5300 auch nicht glücklich werden.
  • Berufsfotografen, die ein robustes, wind- und wetterfestes Arbeitstier in jeder Lage benötigen, kann ich die D5300 keinesfalls empfehlen.

Warum hast Du nicht die neuere D5500 gekauft?

Weil sie keine wirklich bahnbrechenden Neuerungen und Features mit sich bringt und ich eine mittels Touchdisplay bedienbare Kamera auch nicht zwingend benötige. Einzig die Möglichkeit, im Live View mittels Berührung einen Fokuspunkt festzulegen, hätte mich gereizt, jedoch nicht für den derzeitigen Preis der D5500. Alles was ich benötige, liefert die D5300, welche dank der D5500 sogar ein wenig günstiger geworden ist.

Gibt es Alternativen zur D5300?

Das kommt drauf an.

Fotografen und Nicht-Filmer, die Wert auf „etwas mehr Kamera in der Hand“ legen bzw. eine Fotokamera mit besserer Performance suchen, sollten sich lieber bei der D7000er-Serie oder Nikons Vollformat-Modellen umsehen. Seid Ihr sowohl begeisterte Fotografen als auch Filmer und dabei offen für andere Hersteller, könnte auch die Canon EOS 70D für Euch interessant sein, vor allem auf Grund der Möglichkeit, die Canon-DSLRs mittels Magic Lantern zu tollen Filmkameras zu patchen. Gehört Ihr zu den echten Film-Freaks und macht nur gelegentlich Fotos, führt m. E. kein Weg an der bereits erwähnten Panasonic Lumix DMC-GH4 vorbei, die einem Filmaufnahmen in 4K / in 96 fps ermöglicht.

Wie lautet Dein Fazit?

Die D5300 ist gewiss keine bahnbrechende Neuerfindung, dafür aber eine positive Weiterentwicklung meiner geliebten D5200. Sie ist ein wenig kleiner und leichter, lässt sich aber trotzdem besser greifen, auch sie liefert 24,1 MP große Fotos in erstklassiger Qualität und legt beim Filmen im High-ISO-Bereich ein leicht verbessertes Rauschverhalten an den Tag. Erst im Extremeinsatz merkt man gerade bei der Performance, dass man es mit einer DSLR aus Nikons unterem Preissegment zu tun hat, was aber nicht bedeutet, dass die D5300 schlechtere Fotos bzw. Videos abliefert als z.B. eine D810 oer eine D4S! Sie ist lediglich ein nicht ganz so robustes Werkzeug und lässt sich naturgemäß nicht ganz so schön bedienen wie ein Top-Modell. Es wäre darum äußerst unfair, das als einen Mangel zu werten! Was ich aber bemängele, ist die nicht verstellbare Blende im Live View und das fehlende Fokus Peaking, weil die D5300 mit diesen beiden Funktionen das Zeug zur perfekten Film-DSLR hätte.

Empfehlenswert ist die D5300 für alle, die so wie ich handliche DSLRs bevorzugen und damit ebenso gerne filmen wie fotografieren. Die D5300 macht mir persönlich beim Fotografieren ebenso viel Spaß wie ihre Vorgängerin, beim Filmen hat sie auf Grund der o.g. Eigenschaften meine D5200 definitiv ersetzt. Ich für meinen Teil kann sie daher, von dem ein oder anderen kleinen Minuspunkt abgesehen, wärmstens empfehlen.

Gibt es schon „Beweisfotos und -filme“?

Derzeit bin ich dabei, zwei Filme aus dem Material, das ich mit der D5300 in Kroatien gedreht habe, zu machen. Wenn Ihr sehen wollt, was die D5300 zu leisten vermag, solltet Ihr in den nächsten Wochen auf meinen YouTube-Kanal vorbeischauen.