Nikon, wir haben ein Problem!

Jeder, der meinen Blog mitverfolgt, dürfte festgestellt haben, dass ich seit Jahren ein Nikon-User bin. Das hat keine ideologischen Gründe, sondern den, dass mir die Nikons einfach mehr zusagen als Canon oder Sony. Ich hätte auch gerne, dass das so bleibt. Aber auf Grund einiger unschöner Erlebnisse fällt es mir zunehmend schwerer, mich positiv über Nikon zu äußern.

Was ist passiert?

Das ist eine längere Geschichte: 2011 hatte ich etwas Geld beisammen und wollte endlich ernsthaft fotografieren lernen. So ging ich zum Fotofachhandel meines Vertrauens, erklärte, wohin meine Reise gehen soll und wie viel ich zu bezahlen gewillt bin, bekam einige Modelle gezeigt und war von einer Nikon D3100 inkl. 18-55 mm Kit-Zoom angetan. Vergleichbare Modelle anderer Hersteller lagen nicht gut genug in der Hand oder deren Menü war zu wirr, wie auch immer – Nikon war fortan mein Haus-und-Hof-Hersteller.

Schnell ging die Reise weiter. Es folgten ein Tele, ein Stativ, Filter, das nächtelange Studium von Büchern und Tutorials, … ich lernte schnell und stieß mit der D3100 bald an die Grenzen des Möglichen: Nicht, dass die D3100 schlechte Fotos gemacht hätte (bis zu ihrem Verkauf vor 2 Jahren nutzte ich sie), aber gewisse Funktionen findet man nur in höheren Produktklassen. Eine neue Kamera musste also her. Von meinem Plan, eine D7100 zu kaufen und mit dem 18-55 mm Kit-Zoom zu nutzen, rückte ich ab, als ich die D5200 mit ihrem praktischen Klappdrehschwenksdisplay und dem 18-105 mm Kit-Zoom in den Händen hielt. Im August 2013 kaufte ich die Kombi – und meine Pechsträhne nahm langsam Fahrt auf.

Die D5200

Von der D5200 war ich zunächst sehr begeistert und ich nutzte sie gerne und viel, weil ich u. a. damals die Zeitrafferfotografie entdeckte. Dass das die Ursache für die Pixelfehler war, die bereits nach einem Jahr zahlreich auftraten, halte ich für abwegig. Für ebenso abwegig halte ich, dass eine derart abnorme Anzahl an Pixelfehlern nach nur einem Jahr normal ist. Jedenfalls begann die D5200 immer öfter Fotos mit weißen bzw. bunten Pixeln zu verunstalten und zwar weitgehend unabhängig von Belichtungsdauer und ISO-Wert.

Ein "Blitzfoto" 9 Monate nach dem Kauf der D5200 bei ISO 100 und 30 Sek. Bel.zeit: Die ersten Hot Pixel sind zu sehen

Zuerst fiel mir das nicht auf, irgendwann war es aber doch nicht mehr zu übersehen und ich verbrachte immer mehr Zeit mit dem Wegstempeln von Pixelfehlern, bis ich nach 2 Jahren die Nase voll hatte und 2015 ihren Nachfolger, die D5300 kaufte.

1 1/2 Jahre nach dem Kauf waren die Hot Pixel nicht mehr zu übersehen. Hier eine Mehrfachbel. mit je 15 Sek. bei ISO 400Ein Foto der D5200 mit 1/640 Sek. und ISO 200, 2 Jahre und 2 Monate nach dem Kauf: Die weißen Flecken in den dunklen Partien sind kein Staub!

Die D5300

Mein Start mit der D5300 war eine Bruchlandung, weil sie mit defektem Autofokus bei mir ankam. Egal welches Objektiv – der AF „pumpte“ hilflos herum und traf nur selten. Also Kamera zum Service geschickt und 3 Wochen später bekam ich sie mit dem Vermerk „AF-Modul auf Garantie repariert“ wieder retour. Seitdem läuft sie zwar einwandfrei, doch irgendwie wurden die D5300 und ich keine echten Freunde mehr und ich zog lieber mit einer D7000 los, die ich Ende 2015 Second Hand für etwas über 300 € erwarb. Dass eine Kamera defekt ist, kann passieren und ich möchte betonen, dass die D5300 anstandslos auf Garantie repariert wurde. Nur was jetzt kommt, ist zuviel des Guten!

Die D750

September 2016: Ich hatte endlich das Geld für den Einstieg in das Vollformat. Meine Wahl fiel auf eine Nikon D750, eine echte Traum-DSLR. Endlich eine Kamera mit allen Features, die das Fotografenherz begehrt – nicht zu groß, nicht zu klein, ausreichende 24 MP Auflösung, einen schnellen und ultrapräzisen AF, kaum Bildrauschen und ein rückenschonendes Klappdisplay. In Kombination mit meinen Festbrennweiten erhielt ich brilliante Fotos, nur mit dem Sigma 24-105 mm f4, das ich mir als Allrounder anschaffte, kam die D750 nicht klar. Das äußerte sich wie bei der D5300 in hilflosem „Gepumpe“ des AF, interessanterweise aber erst 1 mm ab Anfangsbrennweite (d. h. ab 25 mm). Etwas seltsam fand ich das zwar schon, aber vielleicht kann die D750 mit dem Sigma einfach nicht? Und da mir die Kombi eh zu kopflastig war, ging das 24-105 mm zurück und ich kaufte das Tokina 70-200 mm f4 und das Nikkor 35 mm f1,8.

Ende gut, alles gut? Von wegen!

Bald stellte ich fest, dass die D750 offenbar von dem „D600-Problem“ der Ölspritzer auf dem Sensor betroffen war, wenn auch bei weitem nicht in dem Maße, wie ich es bei einem Besitzer einer D600 gesehen habe. Aber die vereinzelten Kleckse an den Bildrändern waren nicht zu übersehen und definitiv kein Staub. „Die Gehäusemechanik ist ja neu, dürfte also mit der Zeit besser werden.“ dachte ich mir und verzichtete auf eine Reklamation. Ich wollte schließlich fotografieren und nicht meine Kamera herum schicken. Außerdem lernte ich nebenher, wie man einen Sensor nassreinigt. Ist übrigens gar nicht so schwer und viel günstiger als es machen zu lassen – vielleicht schreibe ich mal darüber? :-)

Es kam noch schlimmer…

Da im Sommer eine Sibirien-Expedition geplant ist und ich meine D750 mitnehmen möchte, aber auf das ständige Gewechsele von Festbrennweiten gut verzichten kann, erwarb ich auf Ebay das 24-85 mm f3,5-4,5, das als Kit zusammen mit der D750 verkauft wird, zu einem sagenhaften Preis. Das 24-85 mm ist zwar eines dieser mäßig lichtstarken Plastikzooms, wie sie alle Hersteller im Sortiment haben, aber seine optische Leistung ist dafür umso beachtlicher, was ein weiterer starker Kaufgrund war. So wäre ich mit dem Sigma 20 mm f1,4, dem 24-85 mm und dem Tokina 70-200 mm f4 perfekt ausgerüstet gewesen.

Kaum schraubte ich das 24-85 mm an die D750, begann der AF wie damals mit dem 24-105 mm wild zu „pumpen“ und nur Zufallstreffer zu landen. Und auch dieses mal wieder erst 1 mm ab Anfangsbrennweite. Egal, welche AF-Methode ich bei der D750 einstellte, das Problem blieb bestehen. Von dem Fehler ausgenommen waren meine Festbrennweiten und auch das Tokina. Hatte ich eine defekte Linse erworben? Als ich das 24-85 mm an meine beiden anderen Kameras schraubte, funktionierte es einwandfrei, ein Defekt war somit ausgeschlossen. Und bevor jemand fragt: Ein Firmware-Update der Kamera brachte nichts, ebenso wenig das Reinigen der Kontakte am Bajonett.

Meine D750 hatte also nicht nur das Problem der Sensorverschmutzung, sondern auch noch einen defekten Autofokus.

Jetzt hatte ich genug! Ich marschierte mit der Kombi zum Fachhändler, schilderte ihm das Problem. Der Fehler war sogar mit einem anderen 24-85 mm reproduzierbar und mein 24-85 mm verhielt sich an einer anderen D750 völlig einwandfrei. O-Ton des Händlers: „Also das habe ich in über 20 Jahren noch nicht erlebt!“ Auch ich habe so einen bescheuerten Fehler weder erlebt noch mit Google finden können.

Mein Fazit

Seit über 2 Wochen bin ich nun ohne D750, denn die ist in München beim Service. ich bin mir nicht sicher, ob ich enttäuscht oder einfach nur wütend bin.

Ich bin wohl beides.

Da blättere ich für eine Kamera fast 2.000 € hin und was bekomme ich? Das ultimative Montagsmodell! Schon die D5200 hat mich enttäuscht, mit der D5300 hatte ich einen schlechten Start und mit der D750 erlebe ich gerade ein sündhaft teures Debakel. Die D3100 und die D7000 bleiben somit meine beiden einzigen Nikons, die verlässlich waren und es noch immer sind. Sie schaffen, was D5200, D5300 und jetzt die D750 nicht schafften: Kundenzufriedenheit. Selbst die von den zahlreichen Bergtouren meines Vaters gezeichnete 40 Jahre alte Olympus OM-1 schafft das, weil sie wie am ersten Tag funktioniert!

Mir ist klar, dass man mal Pech haben kann. Doch treten dreimal in Folge Fehler auf, deren Ursache nicht hinter dem Sucher zu finden ist, liegt das nicht an meinem Pech sondern an Produktmängeln bzw. unzureichender Qualitätssicherung. Ich bin aber nicht gewillt, mein hart verdientes Geld für mangelhafte Produkte auszugeben. Was bleibt, ist ein enttäuschter Kunde, der nicht sicher sein kann, ob seine Kamera ihn nicht wieder in Stich lässt. Was, wenn die D750 in Sibirien erneut den Dienst quittiert? Was, wenn ich die D750 mal verkaufen will? Selbst ein reparierter Defekt bedeutet eine Wertminderung, egal wie zuverlässig sie fortan sein wird.

Wenn Ihr mich fragt, ob ich Nikon empfehlen kann, so kann ich nur sagen, dass die D750, so wie die Dinge stehen, meine definitiv letzte Nikon sein wird. Was danach kommt? Ich weiß es nicht, denn eigentlich will ich keine andere DSLR als die D750.

Nachtrag:

Nach über drei Wochen bekam ich Nachricht vom Service Point. Ursache sei wohl der verbogene Blendenhebel, Kostenvoranschlag: schlappe 206 €! Erwartungsgemäß verweigert Nikon jede Kulanz. Ich muss die D750, obwohl Neuware, bereits mit diesem Mangel erworben haben, denn das Problem bestand wie gesagt von Anfang an und ich meine zu wissen, wie man Objektive an eine DSLR montiert ohne die Kamera dabei zu zerstören. Und wenn der Blendenhebel verbogen ist, müsste ich das Problem nach meinem techn. Verständnis mit allen Linsen haben. Leider kann ich einen Mangel ab Werk nicht beweisen und werde also die 206 € bezahlen – in der Hoffnung, dass die Kamera danach wieder einwandfrei funktioniert.

„Hauptsache sie ist wieder intakt!“ könnte man jetzt sagen, wäre da nicht auch noch die Tatsache, dass man über drei Wochen benötigt, um mir das Ergebnis der Fehlersuche und einen Kostenvoranschlag mitzuteilen! Wie lange wird dann erst die Reparatur dauern? Ich habe nun endgültig genug von solchen Unverschämtheiten und werde um Nikon zukünftig einen großen Bogen machen.

Nachtrag 2:

Nach fünf Wochen ist sie endlich wieder da: Jetzt bin ich um 2016 € ärmer, aber sie funktioniert. Habe mir das mit dem Blendenhebel noch einmal angesehen: Nur mit Gewalt lässt sich dieser verbiegen, nicht aber bei sachgemäßer Montage eines Objektives. Sowohl Gewalteinwirkung als auch unsachgemäße Linsenmontage kann ich definitiv ausschließen, aber kann es leider nicht beweisen. Die D750 werde ich (mangels Alternativen) weiter nutzen und hoffe, dass mir weiterer Ärger erspart bleibt.

Damit meine ich auch die Sache mit der Sensorverschmutzung!