Oh Tirol, wann begreifst Du es endlich?

Titelfoto Kalkkögel

Hiermit zeige ich als begeisterter Alpinist und Landschaftsfotograf Flagge: Der Naturschutz ist mir eine Herzensangelegenheit und darum bin ich klar gegen jede weitere Erschließung der Alpen besonders für den Wintersport.

In Tirol gibt es rund 950 Seilbahnen und Lifte und 4.000 Pistenkilometer, eine ganze Menge für ein einzelnes österr. Bundesland. Doch so manch Bergbahnbetreiber oder Politiker scheint das noch immer nicht genug zu sein. Vor allem mit als „Zusammenschluss“ getarnten Neuerschließungen erhofft man sich einen Vorteil im Wettlauf um Größe und Pistenkilometer, ja sogar die letzten Gletscher sind nicht mehr sicher! Vorläufiger absurder Höhepunkt des Skizirkus war die Eröffnung der Wintersaison im Oktober 2018 im Bezirk Kitzbühel auf einem „weißem Band auf grüner Wiese“ bei knapp 20 °C. Regen sich kritische Stimmen, kommt von Seiten der Befürworter das übliche Geschwätz: „Der Gast erwartet das“, „Schafft Arbeitsplätze“ oder „Kunstschnee ist auch nur Schnee und der ist was natürliches.“. Oder man kommt gleich richtig zur Sache und verleumdet die Gegner als „Grüne“ und „Öko-Faschisten“.

Ob der Gast angesichts dieser Schneelage immer noch ein Ski-Opening um jeden Preis erwartet?
Foto: Hans (Pixabay), Lizenz: CC0 1.0 Public Domain Dedication
Gletscherskigebiet Stubai im September 2018. Gut zu sehen der immense Flächenverbrauch. Skifahren ist im Sommer wegen des Gletscherschwundes längst nicht mehr möglich.
Tirols höchster Gipfel, die Wildspitze, ist von Skigebieten regelrecht umzingelt. Das Skigebiet Sölden ist in der Bildmitte erkennbar, ein Zusammenschluss mit den Pitztaler Skigebieten ist außerdem geplant.

Der Wintersport hat seinen Zenit überschritten

Es wird wegen der globalen Erwärmung immer schwieriger, den Skibetrieb rentabel zu betreiben. Der Energie- und Flächenverbrauch von Skigebieten ist immens, die verbrauchten Flächen auf Jahrzehnte regelrecht verwüstet. Heute funktioniert ohne künstlicher Beschneiung fast kein Skigebiet mehr, dafür müssen Speicherteiche gebaut und Wasserleitungen verlegt werden. Um Kunstschnee zu erzeugen benötigt man darüber hinaus Elektrizität – eine Sekundärenergie, die ihrerseits unter Flächen- und Energieverbrauch erzeugt werden muss. Das Klischee – im Winter wedeln Menschen über die Piste und im Sommer weiden glückliche Kühe auf saftig-grünen Wiesen – stimmt so nicht. Der Schnee auf den Pisten wird per Pistenraupe verdichtet, so dass er erst spät abtaut und schon in den ersten Frostnächten im Herbst beginnt man neuen Schnee zu erzeugen. Beides verkürzt die in den Alpen ohnehin sehr kurze Vegetationsphase drastisch und raubt den Pisten den letzten Rest Pflanzenvielfalt. Alles für ein paar Monate elitäres Vergnügen einer Handvoll Menschen. Weniger Menschen als man glaubt betreiben Wintersport, auch in Tirol.

Die Kalkkögel südlich von Innsbruck nennt man auch „Nordtirols Dolomiten“. Diesseits und jenseits der Kalkkögel befinden sich die Skigebiete Schlick und Lizum, ein Zusammenschluss mittels Seilbahn ist geplant - obwohl die Berge als Ruhegebiet ausgewiesen sind.
Die Kalkkögel südlich von Innsbruck nennt man auch „Nordtirols Dolomiten“. Diesseits und jenseits der Kalkkögel befinden sich die Skigebiete Schlick und Lizum, ein Zusammenschluss mittels Seilbahn ist geplant - obwohl die Berge als Ruhegebiet ausgewiesen sind.
Die Kalkkögel südlich von Innsbruck nennt man auch „Nordtirols Dolomiten“. Diesseits und jenseits der Kalkkögel befinden sich die Skigebiete Schlick und Lizum, ein Zusammenschluss mittels Seilbahn ist geplant - obwohl die Berge als Ruhegebiet ausgewiesen sind.
Die Kalkkögel südlich von Innsbruck nennt man auch „Nordtirols Dolomiten“. Diesseits und jenseits der Kalkkögel befinden sich die Skigebiete Schlick und Lizum, ein Zusammenschluss mittels Seilbahn ist geplant - obwohl die Berge als Ruhegebiet ausgewiesen sind.

Natürlich ist der alpine Wintersport ein für Tirol nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor und das geht nun einmal nicht ohne Flächenverbrauch. Aber mal ganz ehrlich: 950 Seilbahnen und 4.000 Pistenkilometer – mitten in Europa! Reicht das nicht? Macht es nicht mehr Sinn, vorhandene und veraltete Anlagen zu ertüchtigen? Glaubt jemand, es kommen mehr Gäste, weil Skigebiet XY jetzt 230 km statt 200 km Piste hat? Wer glaubt das Märchen von Arbeitsplätzen durch Neuerschließungen noch? Die wenigen Arbeitsplätze, die entstehen, sind meist Saisonalstellen, Lebensunterhalt und Miete bezahlen muss man aber das ganze Jahr. Wäre es angesichts der Klimaerwärmung nicht zukunftsträchtiger sich verstärkt mit den Alpinismus außerhalb der Wintermonate zu befassen?

Mein Fazit

Es gibt in Tirol mehr als genug Seilbahnen und Pistenkilometer, die Ertüchtigung vorhandener Anlagen sowie eine stärkere Fokussierung auf den Alpinsport außerhalb der Wintermonate ist der einzig richtige und zukunftsfähige Weg. Den Entscheidungsträgern sei gesagt: Lasst Euch endlich umweltverträglichere und zukunftsfähige Konzepte des Tourismus einfallen. Die Alpen sind kein unnützes Brachland, das erst durch Erschließung einen Wert erhält und Gäste anlockt!

Was man selbst tun kann? Erhebt Eure Stimme, unterstützt Organisationen, die aktiv gegen die weitere Erschließung der Alpen vorgehen, wehrt Euch, organisiert Proteste oder initiiert Petitionen. Hauptsache Ihr tut was.

Hier ein Link mit weiteren Infos und Bildern: http://www.alpenverein.at/portal/news/aktuelle_news/2018/2018_10_09_bahn-frei-fuer-die-naechste-erschliessungswelle.php

Ein Kommentar bei „Oh Tirol, wann begreifst Du es endlich?“

  1. Hallo, nein, Berg Heil!
    Wohl dem, der das „Heil“ als heil, ganz, gesund versteht. Es geht nicht um die Erhaltung von „Brachland“ sondern, wie bekommt man mehr Umsatz, mehr Prestige, mehr Bewunderung. Das beste Beispiel ist die Kofelbahn. Kommentare dazu erspare ich.
    Felix Mitterer mit der Sattmannsaga war der Zeit voraus und hat die Bergzukunft damals vorausgesehen. Was ist der Unterschied zwischen einem Eisberg und den Alpen? Die Alpen schmelzen langsamer, aber stetig. Mögen die Berge noch lange heil bleiben!!!
    Peter

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