Recht, Sicherheit und Verhalten – Tipps für stressfreies Fotografieren

Nein, dies ist keine Rechtsberatung, denn damit würde ich mich als nichtausgebildeter Jurist in gefährliches Terrain wagen. Jeder, der wie ich gerne und viel fotografiert, sieht sich irgendwann einmal mit einer unklaren rechtlichen Situation oder gar Gefahrensituationen konfrontiert. Mit diesen Tipps könnt ihr derartige Unwägbarkeiten so gut wie möglich vermeiden:Diese drei Schönheiten sind fester Bestandteil eines Brunnens in Innsbruck, sprich: „Beiwerk“. Das bedeutet: Selbst wenn die Damen aus Fleisch und Blut wären, dürfte ich das Foto trotz „Kompromittierung“ (Nacktheit) veröffentlichen.

Welche Rechte habe ich an meiner Aufnahme?

Diese Frage ist selbst für Juristen gar nicht so leicht zu beantworten. Grundsätzlich darf ich alles fotografieren und filmen, solange ich Persönlichkeits- und Besitzrechte wahre. Mit der Veröffentlichung sieht es hingegen ein wenig anders aus. Nach meinem Kenntnisstand besitze ich (im deutschsprachigen Raum) das Recht auf Veröffentlichung, solange:

  • fotografierte Personen nur „Beiwerk“ in meiner Aufnahme darstellen
  • fotografierte Personen nicht erkennbar sind
  • fotografierte Personen nicht „kompromittiert“ sind

„Beiwerk“ und „Kompromittierung“ – was ist das?

Hier drei Beispiele:

  1. Du fotografierst eine Sehenswürdigkeit, vor der zufällig eine Touristin posiert, um von ihrem Begleiter fotografiert zu werden. Diese beiden Personen sind nicht zentraler Bestandteil Deiner Aufnahme und somit „Beiwerk“. Wenn Du aber ebenfalls eine Aufnahme der Dame machst, ist sie und nicht mehr die Sehenswürdigkeit der zentrale Bestandteil Deiner Aufnahme, und somit kein „Beiwerk“ mehr.
  2. Als „kompromittierte“ Personen gelten: Betrunkene, Hilflose, Obdachlose, Personen in peinlichen Situationen, stillende Mütter und nackte Menschen z.B. an einem FKK-Strand. Die Veröffentlichung derartiger Fotos ohne Unkenntlichmachung der fotografierten Person ist verboten!
  3. Eine Ausnahme wäre ein Bettler, der täglich vor einer Sehenswürdigkeit sitzt. Zwar befindet er sich in einer kompromittierenden Situation, sitzt dort aber freiwllig und wird dadurch zu einer Art „Bestandteil“ der Sehenswürdigkeit. In anderen Worten: Diese Person ist „Beiwerk“ und muss eben damit leben, fotografiert zu werden.

Beispielfoto, in dem Menschen „Beiwerk“ einer Sehenswürdigkeit (die Meeresorgel von Zadar) sind.

10 Tipps für stressfreies Fotografieren:

Achtung! Folgende Zeilen stellen weder eine verbindliche Rechtsauskunft dar, noch erheben sie einen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit! Ich schreibe hier lediglich meine Erfahrungen, die mir bislang konfliktfreies Fotografieren ermöglicht haben, nieder, die Anwendung meiner Tipps erfolgt somit auf eigene Gefahr!

  1. Respektiere Eigentum und Persönlichkeitsrechte dritter und respektiere Verbote, auch wenn sie für dich noch so unnachvollziehbar sind!
  2. Wenn du trotz Verbot unbedingt fotografieren willst, frage um eine Genehmigung an! Ansonsten sei dir möglicher rechtlicher Konsequenzen bewusst!
  3. Selbst wenn du auf rechtlich sicherer Seite bist, ist ein Foto selten eine Konfrontation wert. Lasse dich als klügerer Mensch nicht auf das Niveau von Deppen herab!
  4. Willst du eine Person fotografieren, dann sei nett und frage um Erlaubnis! Veröffentliche die Aufnahmen nur, wenn die Person damit einverstanden ist!
  5. Mittels Langzeitbelichtung kannst du Personen unkenntlich machen, da niemand minutenlang stocksteif herumsteht. Geht auch untertags mittels Graufilter.
  6. Mache Aufnahmen des Straßenverkehrs möglichst unauffällig, denn Kraftfahrer reagieren gerne selbst auf die Illusion einer Radarfalle allergisch.
  7. Das gilt auch dann, wenn du von Brücken herab fotografierst. Kein Kraftfahrer sieht gerne Gestalten mit Kamera und / oder Stativ auf Brücken stehen!
  8. Fotografiere möglichst nicht bei Kinderspielplätzen, Schulen, an FKK-Stränden, vor Bordellen usw., weil du möglicherweise Misstrauen erregen wirst!
  9. Aktfotos und pornografische Aufnahmen erfordern stets das Einverständnis des Models und dürfen niemals unerlaubt veröffentlicht werden!
  10. Heimliche und ohne Zustimmung veröffentlichte Aufnahmen sind eine Entgleisung, die alle Beteiligten in ernste Schwierigkeiten bringen kann!

Zu was die Missachtung von Persönlichkeitsrechten sowie ein achtloser Umgang mit Fotos führen kann eine Anekdote: Ich habe vor vielen Jahren eines der ersten guten Fotohandys gebraucht erworben und fand im Speicher Fotos pornografischer Natur, die der Vorbesitzer heimlich von seiner Freundin gemacht hat! Zum einen will ich nicht ungefragt mit Pornografie behelligt werden, zum anderen hätte ich die Fotos auch im Netz veröffentlichen oder gar für Diffamierungskampagnen und Erpressungsversuche nutzen können!

Wie ich schon sagte: Unerlaubte und kompromittierende Aufnahmen sowie deren Veröffentlichung sind tabu und können sowohl für den „Fotografen“ als auch für das „Model“ schlimme Konsequenzen haben! Darum lasst es!

10 Tipps zu Sicherheit und Verhalten:

Ein paar Sicherheitstipps und Verhaltensregeln, die nicht nur für’s Ausland geeignet sind, habe ich auch noch:

  1. Leider nicht selbstverständlich: Informiere dich vor Reiseantritt über das Zielland, um nicht in Konflikt mit dem Gesetz und der Bevölkerung zu geraten.
  2. Die wenigsten Menschen auf der Welt leben im Überfluss! Ein Reisender mit einer fetten DSLR kann vielerorts Begehrlichkeiten wecken.
  3. Falls Du in riskanten Gegenden fotografierst, dann am besten mit einer kompakteren und preiswerten Knipse, die dich für Diebe uninteressanter macht.
  4. Meide Slums und Krisengebiete! Dein Leben und deine Gesundheit sind in derartigen Gegenden mit Sicherheit keinen Cent wert!
  5. Passe dich in Aussehen und Verhalten den Einheimischen an und trage keine persönlichen Dokumente oder größere Geldbeträge mit Dir herum!
  6. Sollte es dennoch zu einem Raub kommen, rücke Geld und Kamera heraus und spiele nicht den Helden, denn Räuber sind oft kampferprobter!
  7. Bitte beachte, dass es in einigen Ländern und Kulturen streng verboten ist, z.B. religiöse Motive oder einheimische Frauen zu fotografieren!
  8. Allzu große Sorglosigkeit im Umgang mit der Natur endet meist tödlich! Verzichte lieber einmal zu oft auf Fotos von Lawinen, Gewittern, Flutwellen, …!
  9. Respektiere und schütze die Natur und halte dich von ökologisch sensiblen Bereichen grundsätzlich fern!
  10. Respektiere und schütze die Tierwelt! Zu (tödlichen) Angriffen von Tieren kommt es meistens, weil wir Menschen als Bedrohung wahrgenommen werden!

Die wichtigsten Zutaten für stressfreies und sicheres Fotografieren sind: Respekt, Vorsicht und Kommunikation! Denke stets dran, dass kein Foto der Welt Gesundheit und Leben von anderen und einem selbst wert ist! Sollte es einmal zu einer rechtlich unklaren Situation kommen, wird Dir ein Fachanwalt Deiner Wahl mit Sicherheit gerne weiterhelfen. Mein Geheimtipp für stressfreies Fotografieren und ein gutes Miteinander aber ist und bleibt:

Mit Reden kommen die Menschen am besten zusammen! 😉

Ein Kommentar bei „Recht, Sicherheit und Verhalten – Tipps für stressfreies Fotografieren“

  1. Peter Pichler sagt:

    Diesen Beitrag finde ich besonders wichtig. Gut so!
    ‚Wie man in den Wald hineinruft…‘ es kommt auf den Tonfall an… und die Worte. Cu p.

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