Röllchen, Formspuren, Flashing Pussies

Titelcollage Aktfotografie

Dies ist ein Beitrag voller Erotik und heißer Kurven! Hört sich sehr nach Clickbaiting mit Tittenbildchen an, nicht wahr? 😉 Mir geht es aber um etwas anderes, nämlich um die häufigsten „Schönheitsfehler“ in der Aktfotografie. Um zu veranschaulichen was ich meine habe ich einige Beispiele beliebiger Fotografen heraus gesucht. Und ich kann es schon hören: „Uiii, da lehnt sich einer sehr weit aus dem Fenster!“ und „Mach’s besser, Du …!“ Halt! Ich kritisiere hier niemanden, sondern ich versuche, meine Sicht der Dinge anhand von Beispielen zu erklären. Dieser Blogpost ist keine Bildkritik!

Aktdarstellungen gibt es, seit es die Menschheit gibt. Eine der weltweit ältesten Aktdarstellungen ist die ca. 30.000 Jahre alte Venus von Willendorf. Meist sind Aktodelle weiblich, weil die meisten Künstler und Fotografen männlich sind und Frauen sowieso viel besser aussehen. 😉 Aktdarstellungen fordern alle Beteiligten: Das Model, weil es sich sehr persönlich präsentiert, Kälte und Posen teils stundenlang aushalten muss und den Künstler, der nicht in Verlegenheit geraten darf. Nacktheit begeistert ebenso wie sie provoziert und darum ist der Akt in Kunst und Kultur auch so beliebt. Menschen sehen gerne nackte Menschen, vornehmlich vom jeweils anderen Geschlecht – war so, ist so, bleibt so.

Nun zur Neuzeit und zur Fotografie: Künstlerische Aktfotos der Neuzeit sind fast immer handwerklich gut, aber viel zu oft sieht man die immergleichen Posen und Verrenkungen, den sterilen Studiolook, Schwarzweiß, High Key, Low Key, Sepiatonung, Strandakte mit wehendem Seidentuch, … die folgenden Fotos sind keine schlechten Fotos, doch mal ehrlich: Hat man das in der Machart nicht schon gefühlte Milliarden mal gesehen?

Klar muss der Fotograf machen was der Kunde wünscht, aber wie viele Models sagen zum Fotografen: „Wenn Akt, dann aber nur mit wehendem Seidentuch oder im Studiolook!“? Ganz bestimmt alle! 😉 Vielleicht lässt sich der Kunde für Ausgefalleneres begeistern? Müssen Akte immer erotisch oder sinnlich sein? Warum nicht auch mal über den Dingen stehen stehen und  ein Shooting mit „schrägen Gestalten“ machen? Man muss die Aktfotografie nicht gleich revolutionieren, aber etwas mehr Fantasie, Freigeist und Mut zum Unperfekten oder Skandalösen schaden nie!

In Aktfotos fallen mir häufig Röllchen, Formspuren und Flashing Pussies auf. Aber der Reihe nach. Röllchen entstehen, wenn Gewebe unnatürlich gestaucht wird, links ist es der Bauch, der sich durch die etwas ungeschickte Pose „rollt“ und rechts ist es die linke Schulter.

Ganz vermeiden lassen sich die Röllchen zwar nicht, aber zumindest minimieren. So wie in diesem Foto, wo das Model durch eine gerade Haltung des Oberkörpers den Röllchen zuvor kommt:

Falten können für einen Künstler durchaus interessant sein, solange sie, sagen wir „natürlich“ aussehen. Ich ziehe mal Kleidung als Vergleich heran. Warum hat auf meiner Hochzeit die Fotografin zu mir gesagt, ich soll meine Frau an der Taille und nicht an der Schulter umfassen? Weil mein Smoking sonst hässliche Falten an der Schulter gebildet hätte. Und warum ist es wiederum erwünscht, dass z. B. lange Röcke oder Vorhänge Falten werfen? Versteht Ihr was ich meine?

Models, die stark gekrümmte Posen einnehmen, barocke Körperformen haben oder ein gewisses Alter überschritten haben, neigen naturgemäß zu stärkerer Falten- und Röllchenbildung. Das kann aber, das richtige Licht vorausgesetzt, künstlerisch sehr interessant und anspruchsvoll sein. Habt also bitte keine Scheu vor solchen Models! 🙂

Auch sehr unschön: Formspuren von Textilien. Achtet mal beim Foto links auf die Brüste und rechts auf die Hüfte – sieht echt übel aus! Die Lösung: Entweder vor dem Shooting etwas Komfortableres anziehen. Oder ausziehen, was leichtes übergezogen, ’ne Viertelstunde Small Talk bei einer Tasse Kaffee, bis diese hässlichen Formspuren verschwunden sind. So ist es leider nur schade um die Fotos.

Das Exponieren weiblicher Genitalien nennt man „Flashing Pussy“. Die passieren oft aus Versehen, aber manchmal auch mit Absicht, sozusagen „Besoffenes It-Girl“ oder Porno. 🙂 Passiert sowas aus Versehen, sieht das oft sehr unvorteilhaft aus! Beispiele gefällig? Beim rechten Foto verschafft die Perspektive einen besonders delikaten Einblick auf das „Hintertürchen“ und dem Model ein üppiges Hinterteil. Hey, so setzt man doch keine Damen in Szene!

Doch wenn dem Betrachter bewusst ein detaillierter Blick auf das Allerheiligste ermöglicht wird, ist das ein Vorgeschmack auf die große weite Welt der Pornografie. 🙂

Doch nicht alles, was nach Flashing Pussy aussieht ist auch eine Flashing Pussy! In diesen beiden Fotos sieht man zwar, dass „dort unten etwas ist“, der direkte Einblick bleibt dem Betrachter aber verwehrt.

Was ist Akt, was ist Erotik und was ist Porno? Akt spricht die Fantasie an, Pornografie den Trieb und die Erotik liegt irgendwo dazwischen, darin liegt für mich der Unterschied. Und wie sieht jetzt gute Aktfotografie aus? Ich finde, da gibt es kein Patentrezept und Geschmäcker sind verschieden. Freilich gibt es ein paar fotografische und gestalterische Regeln und heimlich gemachte sowie unerlaubt veröffentlichte Fotos sind sowieso tabu, mehr aber auch nicht. Alles ist gut, was gefällt, kreativ ist und allen Beteiligten Freude macht.

Ich habe einige Beispiele heraus gesucht, die ich als gute Aktfotos bezeichnen würde. Beginnend bei den Anfängen der Fotografie bis zur Neuzeit, von Schwarzweiß bis Farbe, von dünn bis dick, … alles dabei.

Vielen Dank an die Models und Urheber aller hier gezeigten Fotografien.

Wenn ich einen Wunsch (keine Kritik!) an alle Aktfotografen und Models äußern dürfte: Bitte achtet mehr auf Formspuren, Röllchen und Flashing Pussies. Und habt mehr Mut. Mut zum Bruch mit dem Mainstream, der Erotik und Mut zur Provokation. Es gibt sie durchaus, die Mutigen in der Aktfotografie, doch es dürfte ruhig mehr von ihnen geben. Vielleicht werde ich mal einer von ihnen – wer weiß?

Zum Abschluss zeige ich Euch eines meiner seltenen Aktfotos. 🙂

Und was gefällt Euch an Aktfotografien bzw. was gefällt Euch nicht?

Ein Kommentar bei „Röllchen, Formspuren, Flashing Pussies“

  1. Hallo Daniel,
    in der bildenen Kunst (Zeichnen) gehört „Akt“ zur Ausbildung. Schön und gut.
    Was jedoch macht einen erotischen, sexy Akt aus? Es ist weitaus mehr, pure Nacktheit. Dabei ist mir wichtig, eine Grenze zum Porno strickt einzuhalten.
    Richtig gut ist das vorletzte Foto (Mädchen im Boot) und die „Drei“ im Feld. Mir gefällt das Mädchen im Boot deshalb, weil sie anscheinend Spaß hat und jetzt kommt der wichtigste Punkt, sie ist da, präsent und setzt keine Maske auf. Ebenso verhält es sich bei den „Dreien“.
    Diese 4 Mädchen könnte man auch in einem Kartoffelsack fotografieren.
    Gequält laszives Getue, sowie, „ich bin zwar nackt, aber man sieht mich nicht“ ist nicht nur peinlich, sondern runiert den Eros.
    Damit ist die Frage:“Wie wichtig ist ein gutes Model“ aktuell beantwortet.
    Gut Licht und danke für den Beitrag
    Peter

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