Schönere Fotos dank RAW-Konverter – so gehe ich vor

Wer kennt das nicht? Man macht Fotos, sieht sie sich später daheim an und… die tolle Stimmung zum Aufnahmezeitpunkt will einfach nicht rüberkommen. Die Ursache dafür ist meist eine Unausgewogenheit in der Belichtung, die sich aber gut in Griff bekommen ließe, wenn man im RAW-Format fotografiert und einen guten RAW-Konverter zur Hilfe nimmt.

Über- / Unterbelichtungen – wie kommt es dazu?

Ich möchte mich nicht zu sehr in technischen Details verlieren, zum einen, weil diese den ambitionierten Hobbyfotografen eher weniger interessieren und zum anderen haben andere das bereits vor mir in Sachbüchern, Tutorials, usw. ausführlich genug erklärt. Also werde ich versuchen mich kurz zu fassen und Beispiele hinzuziehen:

Sicher kennt jeder den Effekt der temporären Blindheit, der auftritt, wenn man an einem strahlend hellen Tag in einen Raum mit kleinen Fenstern und ohne Kunstlicht hineinblickt. Zunächst sieht man da drinnen erst mal: Dunkelheit. Geht man in diesen Raum hinein, verweilt einige Minuten dort und blickt hinaus ins Freie, ist es genau umgekehrt und man ist vorübergehend „geblendet“. Unsere Augen können sich innerhalb kurzer Zeit an unterschiedliche Lichtverhältnisse anpassen, Kameras hingegen haben naturgemäß nicht den Dynamikumfang und die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Auges und müssen in der Belichtung stets einen „Kompromiss“ finden. Je größer der Unterschied zwischen Hell und Dunkel im Foto, desto schwieriger ist es für den Belichtungsmesser der Kamera, für eine ausgewogene Belichtung sowohl in hellen als auch dunklen Bildbereichen zu sorgen. Beispiele, in denen dieser Effekt besonders häufig auftritt, sind:

  • Landschaftsaufnahme in der Morgen- bzw. Abendsonne
  • Landschaftsaufnahme unter leicht bewölktem oder gar diesigem Himmel
  • Landschaftsaufnahme mit starkem Kontrast zwischen Licht und Schatten
  • Aufnahmen in einem Raum, in den Tageslicht durch ein Fenster flutet
  • Aufnahmen bei Gegenlicht

Für Photoshop-Freaks und Zauberlehrlinge nicht geeignet!

Bevor wir loslegen, möchte ich darauf hinweisen, dass es sich hier keinesfalls um eine Anleitung zur Bildmanipulation handelt! Es geht mir darum, Mittel und Wege zu zeigen, wie aus einem Foto die Stimmung zum Aufnahmezeitpunkt perfekt herausgearbeitet werden kann und nicht um irgendwelche Photoshop-Faxen. Moderne Bildbearbeitungsprogramme sind zwar ausgesprochen umfangreich und leistungsstark, aber können aus einer verwackelten, unscharfen oder total über-/unterbelichteten Aufnahme kein Profifoto zaubern! Seid also stets selbstkritisch, löscht missratene Fotos sofort und lernt, das Beste aus Eurer Ausrüstung herauszuholen!

Was also tun?

Die Voraussetzungen / das richtige Setup

Das wichtigste ist, dass Ihr eine Kamera, die das RAW-Format beherrscht, Euer Eigen nennt und dieses auch nutzt. RAW-Dateien bieten einen erweiterten Farbumfang von mindestens 12 Bit pro Farbkanal und sind darum für eine Weiterverarbeitung bestens geeignet. In JPGs mit deren Farbumfang von lediglich 8 Bit pro Farbkanal sind die für die Ausarbeitung eines Fotos wirklich interessanten Informationen leider nicht mehr vorhanden, doch selbst bei diesen ist eine Umsetzung meiner Tipps möglich – wenn auch nur sehr begrenzt.

Die richtige Belichtungsmessung

Nach Möglichkeit sollte je nach Situation und Motiv die richtige Art der Belichtungsmessung (Spotmessung, Integralmessung, Matrixmessung) gewählt werden. Ich persönlich fotografiere mit der Matrixmessung in fast allen Situationen – bislang mit überzeugenden Resultaten.

Die Belichtungskorrektur

Je nach Situation kommt bei mir die Belichtungskorrektur zum Einsatz. Seitdem ich untertags fast nur noch im A-Modus, also mit Blendenpriorität fotografiere, sogar noch etwas häufiger.

Ab in die Dunkelkammer!

Nach meiner Fotosafari kommt ein RAW-Konverter zum Einsatz, in meinem Fall ist das Adobe Lightroom. Wer das Geld nicht ausgeben will, wird aber auch im Freeware-Bereich fündig. Mit RawTherapee habe ich ebenso sehr gute Resultate erzielen können, darüber werde ich aber demnächst einen eigenen Beitrag verfassen.

Objektivkorrekturen, chromatische Aberrationen, Drehen und Ausrichten

Zuallererst korrigiere ich optische Fehler wie die Verzerrung durch das verwendete Objektiv, eventuell vorhandene chromatische Aberrationen und die ggfs. erforderliche Drehung eines Fotos. Die Verzeichnungskorrektur geht zumindest in Lightroom meist automatisch vonstatten, denn Lightroom erkennt im Regelfall den verwendeten Objektivtyp von selbst und schlägt das entspr. Korrekturprofil vor. Sollte das Objektiv unbekannt sein oder das Korrekturprofil gar voll daneben liegen (Ja, das kann passieren!), müsst Ihr ein passendes Profil manuell auswählen bzw. selbst Hand anlegen.

Korrektur optischer Fehler in Adobe Lightroom.

Nachtrag: Da eine Verzeichnung in der Landschaftsfotografie weniger auffällt als z.B. in der Architekturfotografie, ist eine Korrektur nicht grundsätzlich erforderlich.

Korrektur der Lichter und Tiefen

Im oben gezeigtem Beispielfoto möchte ich also die Stimmung zum Zeitpunkt der Aufnahme möglichst perfekt herausarbeiten und mich besonders der Unausgewogenheit in der Belichtung widmen. Dazu setze ich den Regler für die Lichter auf einen negativen Wert und den Regler für die Tiefen auf einen positiven Wert. Ggfs. akzentuiere ich noch zusätzlich mit den beiden Reglern für Weiß und Schwarz.

Hier seht Ihr die Werte meines Beispielfotos in Adobe Lightroom. Selbstverständlich sind die gezeigten Einstellungen nicht verbindlich, die Werte werden je nach Bedarf an das jeweilige Foto angepasst:

Der Feinschliff

Nachdem ich die Tiefen und Lichter korrigiert habe, widme ich mich nun den übrigen Werten. So passe ich Farbtemperatur, Belichtung, Kontrast, Klarheit, Dynamik und Sättigung an, bis das Foto das gewünschte Aussehen hat. Auch hier gibt es keine verbindlichen Vorgaben, die Einstellungen werden individuell angepasst.

Die Details

Als nächstes nehme ich unter „Details“ eine Schärfung des Bilder sowie eine Reduzierung des Bildrauschens vor. In meinem Fall ist die kamerainterne Rauschunterdrückung ausgeschaltet, weil ich auf die Qualität dieser Funktion zu wenig Einfluss habe und meine Akkuleistung lieber für Fotos verwende. Im RAW-Konverter hingegen habe ich volle Kontrolle über alle Einstellungen. Die kamerainterne Schärfung eines Bildes hat (bei meinen Kameras) nur Auswirkung auf die JPGs, als muss ich diese ebenfalls im RAW-Konverter vornehmen. Beide Funktionen werden ebenfalls individuell und mit Bedacht eingesetzt, richtig angewandt führen sie zu sehr überzeugenden Resultaten:

Farbanpassungen und Schwarzweiß

Zum Schluss nehme ich, falls erforderlich, eine individuelle Anpassung des Farbeindruckes unter „HSL / Farbe / S/W“ vor. Dies kann hilfreich sein, wenn ich z.B. einen Magentastich aus dem Himmelsblau entfernen, einen Farbton verstärken oder eine Schwarzweiß-Variation eines Fotos erzeugen will. Mittels Farbanpassung kann ich aber auch künstlerisch tätig werden und beispielsweise bei einem Bild von einer Rose die Sättigung aus allen Farben bis auf das „Rosenrot“ nehmen. So entsteht das typische Motiv einer roten Rosenblüte auf schwarzweißem Hintergrund.

Das fertige Foto exportieren

Wenn Ihr mit Eurem Werk zufrieden seid, ist es an der Zeit, die Bilder zu exportieren. Für die üblichen Verwendungszwecke (Betrachtung auf Monitoren, den Upload auf Flickr und die Anfertigung von 10x15cm-Abzügen auf Papier) verwende ich folgende Exporteinstellungen:

  • Dateiformat: JPG
  • Qualitätsstufe: 90 – 100%
  • Farbraum: sRGB
  • Bildgröße: 1080 px an der kurzen Kante
  • Auflösung: 300 ppi

Hier das Resultat (für die Galerieansicht die Fotos anklicken):

Vorher. (Das JPG aus der Kamera.)Nachher. (Das aus Adobe Lightroom exportierte RAW.)

Und hier noch ein Vergleichsfoto:

Vorher. (Das JPG aus der Kamera.)... und nachher. Überzeugt?

FAQ

Wozu der Aufwand? Meine Kamera macht JPGs, die gut aussehen.

Falls Du zu denen gehörst, die mit den JPGs aus der Kamera glücklich sind, dann ist das natürlich okay und ich will die JPGs aus der Kamera auch niemandem ausreden.

Aber aus meiner Erfahrung werden selbst die JPGs aus hochwertigen Bridge-/System-/SLR-Kameras häufig weder dem Motiv, noch deren Potential gerecht. Ich selbst habe anfangs nur in JPG fotografiert und die Entwicklung von RAW-Dateien als mühsam empfunden, heute ärgere ich mich über so manch „verlorenes“ Foto, weil ich die entsprechenden RAW-Dateien heute nicht zur Verfügung habe. Wie Ihr an den Beispielfotos gesehen habt, kann sich der Zeit- und Lernaufwand durchaus lohnen.

Ich habe im letzten Urlaub hunderte Fotos gemacht. Diese wie beschrieben zu entwickeln dauert ja ewig!

Würde man jedes Bild einzeln bearbeiten, dann wäre das in der Tat uferlos. Aber selbst unter hunderten Fotos einer Session befinden sich sehr viele Fotos mit ähnlichem Inhalt und ein guter RAW-Konverter bietet die Möglichkeit, die Einstellungen eines Fotos auf andere zu übertragen. Ihr müsst also lediglich ein Bild bearbeiten, die Einstellungen auf weitere Fotos Eurer Wahl übertragen und bei diesen die Werte ggfs. noch leicht anpassen, diese Option spart viel Zeit und erleichtert die Arbeit drastisch.

Ich z.B. habe aus meinem Winterurlaub in Kroatien fast 900 Fotos mitgebracht, nach nur drei Tagen in beschriebener Vorgehensweise hatte ich knapp 200 Fotos übrig, die sich aber alle sehen lassen können. Ihr seht, mit etwas Übung ist es gar nicht so aufwendig, aus seinen Fotos wahre Augenweiden zu machen. Weiters solltet Ihr selbstkritisch sein und möglicht viel aussparen bzw. löschen. Weg mit allen belanglosen, unscharfen und verwackelten Fotos (es sei denn sie bringen Euch bei der Presse tausende Euronen ein) und behaltet von allen mehrfachen Fotos nur das beste.

Warum einen RAW-Konverter und nicht Photoshop, Gimp, …?

Während Programme wie Adobe Lightroom und RawTherapee zu den RAW-Konvertern zählen, fallen Photoshop, Gimp, … unter die Kategorie Bildbearbeitungsprogramme. Beide ergänzen sich zwar, sie ersetzen sich jedoch nicht. Hier die Erklärung:

Mit RAW bekomme ich von den Entwicklungsalgorithmen der Kamera unbeeinflusste Daten, mittels RAW-Konverter lege ich die Parameter der Bilderzeugung selbst fest. Mit einem Bildbearbeitungsprogramm hingegen bearbeite, retuschiere, manipuliere, … ich ein fertiges Bild. Bezogen auf die Analogfotografie könnte man sagen: Ein RAW-Konverter ersetzt heute die Schritte zwischen Aufnahme und Entwicklung auf Papier bzw. Dia. Ein Bildbearbeitungsprogramm kommt zum Einsatz, nachdem ich ein Foto bzw. Dia eingescannt habe und die digitalisierte Aufnahme bearbeiten, manipulieren, … möchte.

Hoffe, ich habe Euer Interesse daran geweckt, mit den gezeigten Tipps aus Euren Fotos etwas mehr herauszuholen und freue mich über Feedback.