Tagebuch Alpen (1): Das Karwendel – und der Frust mit Licht und Optik

Wie ich in anderen Beiträgen bereits erwähnt hatte, ist die sogenannte „warme Jahreszeit“ bei uns buchstäblich in Wolken und Dauerregen abgesoffen, was leider viele meiner Pläne und eine Menge toller Fotos gründlich vereitelt hat. Gestern Vormittag schien sich das Wetter endlich einmal zu stabilisieren und wir, das heißt Freundin, Hund und ich, beschlossen, einen Ausflug in entlegenere Gefilde der nördlichen Alpen, nämlich das Karwendelgebirge zu machen. Als Ziel haben wir den Kleinen Ahornboden, eine Art Hochebene mit einem Bestand von schönem altem Bergahorn, ins Auge gefasst.

Gut erschlossen und doch schwer zugänglich

Wie meine ich das? Einerseits ist die Anreise per Auto oder Bus kein großes Problem, denn durch die wichtigen großen Täler führen gute mautpflichtige Straßen. Andererseits führen von allen großen Tälern eine Menge Seitentäler zu den eigentlichen Zielen von Bergsteigern, und die müssen erst einmal durchquert werden, was fast immer mehrstündige Fußmärsche auf meist langweiligen Forststraßen bedeutet. Was für Bergsteiger und Bergtouristen einen Nachteil darstellt, ist aber für Mensch und Natur von großem Vorteil. Die Ursprünglichkeit und die Einsamkeit dieses Gebirges wird bewahrt, die zumeist steilen und abweisenden Berge verhindern die Erschließung durch den Massentourismus und Menschen wie ich, die Menschenmassen und überlaufene Ausflugsziele stets meiden, kommen somit voll auf ihre Kosten.

Häufig geht es im Karwendel auf Forststraßen dahin. Im Hintergrund seht Ihr den Risser Falk.

Anreise und ein langer Anmarsch

Von Innsbruck kommend umfuhren wir zunächst einmal das Karwendel westseitig via Mittenwald, nördlich via Mautstraße nach Vorderriß, fuhren weiter nach Hinterriß, wo wir etwa 2 Kilometer hinter dem Ort das Auto parkten, um uns dann zu Fuß in das Johannestal zu begeben. Was dann folgte, war ein dreistündiger Fußmarsch zumeist auf Forstpisten, aber stets entlang der schroffen und abweisenden Felskulisse der östlich gelegenen Falkengruppe. Am Kleinen Ahornboden angekommen, wollte das Bergwetter leider (wie heuer so oft) nicht in die Gänge kommen. Obwohl wir während der Anreise sahen, dass es von Westen her begann aufzuklaren, hatte eine zähe Wolkendecke alles fest im Griff. Zwar blieb es immerhin trocken, aber alles lag wieder einmal unter dem Dauergrau, das ich langsam echt nicht mehr sehen kann, verborgen! Es mag lächerlich klingen, aber inzwischen fühle ich mich vom unserem Wetter verschaukelt! 😐

Erst gegen Abend lockerte das Dauergrau auf. Blick durch das Johannestal auf die Hinterautal-Vomper-Kette.

Blick in die Klamm des Johannesbaches.

Schleimpilz-Kolonie, etwa 2 cm im Durchmesser.

Kleiner Ahornboden – Bergahorn vor imposanter Kulisse

Ist man erst einmal oben angekommen, erwartet einen eine Almwiese mit einem Bestand aus altem Bergahorn, im Süden begrenzt durch die steile Felskulisse der Hinterautal-Vomper-Kette, und das Hermann-von-Barth-Denkmal, das dem Erschließer des Karwendelgebirges gewidmet ist. Was macht den Bergahorn so besonders? Es handelt sich um einen der wenigen Laubbäume, die auch in alpinen Hochgebirgslagen bis etwa 1.700m wachsen und über 500 Jahre alt werden. Außerdem ist es schön, die herbstliche Verfärbung der Ahornblätter in einer solch atemberaubenden Kulisse zu sehen und einmal etwas anderes zu Gesicht zu bekommen, als schlecht bewirtschaftete „Bergwälder“ bestehend aus kranken Fichten.

Licht, Ausrüstung und Binsenweisheiten

Kennt Ihr das Zitat „Amateurs worry about equipment, professionals worry about money, masters worry about light, I just take pictures…“? Das traf gestern voll und ganz auf mich zu, ich war Amateur, Profi und Experte in einer Person! Zum einen musste mich wieder einmal über meinen Objektiv-Bestand ärgern, denn die Kulisse schrie regelrecht nach dem Weitwinkelbereich zwischen 10 mm und 20 mm, zum anderen muss das Geld für einen Objektivkauf auch erst einmal verdient werden, und obendrein waren die Lichtverhältnisse denkbar ungünstig. Trotzdem habe mich nicht beirren lassen und ein paar, trotz meiner eben genannten Fotografen-Nöte, passable Fotos gemacht:

Uralter Bergahorn. Weitwinkel, Weitwinkel, Weitwinkel, ... Uralter Bergahorn. Bergahorn am Kleinen Ahornboden. Bergahorn am Kleinen Ahornboden. Ausschnitt der Hinterautal-Vomper-Kette. Die Hinterautal-Vomper-Kette versteckt sich... Dieser Ahorn war schon zu Andreas Hofers Zeiten alt. Was würde ich jetzt für einen Ultraweitwinkel geben?

Unser Fazit:

Schön war es, trotz langem An- und Abstieg auf Forstpisten, und einsam war es auch, denn Gewaltmärsche halten Sonntagsausflügler zuverlässig fern und somit lassen sich fast nur Mountainbiker dort oben blicken. Einfach perfekt. Weniger perfekt hingegen war meine Ausrüstung, meine D5200 vollbringt bei schlechtem Licht zwar Höchstleistungen, doch das alte 18-55er war einfach nicht gut geeignet, da schlicht und ergreifend der Weitwinkel fehlt. Ein Ultraweitwinkel sowie ein Tele wären gestern die ideale Ausrüstung gewesen. Wie ich an anderer Stelle schon einmal schrieb, holt man sich mit einer Spiegelreflexkamera einen Geldfresser ins Haus, da man auf einmal eine Menge spezieller Objektive benötigt! 😀

Und das Wetter? Vergesst es einfach, wir waren nur froh, dass es einen ganzen Tag lang einmal nicht geregnet oder genieselt hat. Abends am Auto angekommen, wurden wir immerhin mit einem Sonnenuntergang, der die Gipfel des Karwendel in ein atemberaubend oranges Licht tauchte, entschädigt! Ich hoffe, dass das ein untrügliches Zeichen dafür war, dass jetzt im Karwendelgebirge die schönste Jahreszeit, der Goldene Herbst, nun endlich beginnt, denn ich möchte auf jeden Fall wiederkommen, tolle Fotos und nächsten Monat einen ebenso tollen Bergfilm machen.

Fortsetzung folgt…

Atemberaubendes herbstliches Abendlicht. Blick durch das Rißtal Richtung Osten. Kleiner Falk in wunderschönem herbstlichen Abendlicht. Atemberaubendes herbstliches Abendlicht. Blick durch das Rißtal Richtung Osten.

P.S. Verhaltet Euch bitte (nicht nur) in den Bergen gegenüber Pflanzen, Tieren und Menschen stets rücksichtsvoll, verantwortungsbewusst und hinterlasst keinen Abfall. Zu einer unvergesslich schönen Bergwanderung gehören weiters eine vernünftige Landkarte (Landkarte, nicht Google Maps!), gute Bekleidung und die realistische Einschätzung Eurer Kondition. Denn die Berge verzeihen keine Fehler!

2 Kommentare bei „Tagebuch Alpen (1): Das Karwendel – und der Frust mit Licht und Optik“

  1. Peter Pichler sagt:

    Hallo Daniel, beeindruckende fotos, trotz der vielen wolken und schwierigen lichtverhältnissen.
    Heute, in der Mittagszeit war ich mit dem geliehenen
    Sigma 10 – 20 mm fotografieren. Ja, weiß ich. hartes Licht, viel Schatten; das ist nicht unbedingt günstig. In Verbindung mit Bergen, Wolken und gemähten Wiesen kommt die Stimmung doch ganz gut rüber.
    Wir haben gestern darüber geredet – WW vs. UWW. Das mehr am Foto kann einen „poahhh“ – Ausruf auslösen. UWW hat aber Tücken. Mehr muss nicht immer ein Vorteil sein.
    Praktisch ist es allerdings schon, wenn man ein UWW Objektiv auf der Fotoexkursion mit sich führt :-).
    cu soon Peter

    1. Auf jeden Fall lohnt sich die Investition in einen (Ultra)Weitwinkel, wenn man viel in Landschaften fotografiert. Auch bei Stadt und Architektur kommt es voll zum Zuge, wobei man in diesem Falle, wie wir gesehen haben, sehr sauber arbeiten muss.

      In den meisten Situationen reichen 18mm (= 27mm bei Crop-Sensoren von Nikon) völlig aus, aber es gibt natürlich Ausnahmen (siehe Ahornboden). Somit wird ein UWW wohl meine nächste Anschaffung.

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