Tagebuch Kroatien (1): Feuer, Eis und Wind

Nachdem wir bereits vom letztjährigen Winter an Kroatiens Küste restlos begeistert waren, konnten wir die diesjährige Einladung unserer dalmatinischen Freunde natürlich nicht ausschlagen und machten uns gegen Jahresende wieder auf den Weg Richtung Süden. Mit dabei meine neueste Errungenschaft, nämlich das sagenhafte Sigma 18-35mm f1,8, das seine Stärken nun in der atemberaubenden Kulisse Dalmatiens beweisen durfte.

Tag 1 und 2: Bura!

Das, was uns bereits bei der Anreise eine ausgesprochen adrenalinhaltige Autofahrt auf der (eigentlich gesperrten) Küstenstraße bescheren sollte, blieb uns stolze 3 Tage lang erhalten: Schneeverwehungen und starke Bura mit Böenspitzen bis 200km/h! Für alle Nichtwissenden: Die Bura ist dieser gefürchtete ablandige böige Fallwind, der ganzjährig und bei bestimmten Wetterkonstellationen an der Adriaküste von Triest bis etwa zum Orjen in Montenegro auftritt. Sie zählt zu den stärksten und unberechenbarsten Winden weltweit, erreicht Geschwindigkeiten bis 260 km/h und ist dafür verantwortlich, dass mitunter Wohnmobile und Reisebusse ins Meer geweht werden und die östl. Adriaküste so baum- und vegetationslos ist. Römer und Venezianer mit Sägen und Äxten waren’s also nicht.

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Rühr mich nicht an! Karstformationen im Velebit.

Was macht man also bei Bura?

Außer Verstecken im Grunde nicht viel. Temperaturen um die 0°C fühlen sich bei starkem Wind wie -20°C an. Weiters fällt es einem bei Windgeschwindigkeiten ab 150km/h sehr schwer, auf den Beinen zu bleiben, vor allem wenn diese Spitzenwerte in unberechenbaren Böen daherkommen! Somit blieb es in den ersten beiden Tagen bei kleinen Ausflügen in die küstennahen Berge des Velebit bei Starigrad-Paklenica sowie an der Küste selbst. Doch diese Stille in diesem, im Sommer sehr belebten Küstenort, ist eine echte Wohltat in unserer, von akustischer Vermüllung geprägten Zeit. Und das unvergleichlich goldene Tageslicht sowie die glühenden Föhnwolken am Abendhimmel sind Eindrücke, wie man sie nun einmal nur im Herbst oder Winter zu Gesicht bekommt:

Blick auf den Küstenort Starigrad-Paklenica. Strandimpressionen... Strandimpressionen... Strandimpressionen... Strandimpressionen... Der südl. Velebit mit der Mala-Paklenica-Schlucht im Abendlicht.

Auch wenn die Fotos nicht danach aussehen: Es hatte -2°C und Bura tritt auch gerne mal bei schönem Wetter und klarem Himmel auf.  🙂

Alte Tamariske – übrigens ein salzresistenter Baum. Tamarisken und Föhnlinsen... Glühende Föhnwolken... Festungsruine am Strand.

Tag 3: …und Action?

Silvestertag. Nun war ich doch etwas gelangweilt vom Herumhocken in der warmen Bude und wollte endlich ein paar Actionaufnahmen machen. Ja, mit meiner teuren High-End-Scherbe an der Kamera hatte ich sogar hochtrabende Filmpläne und wollte Filmaufnahmen für einen Bura-Kurzfilm machen. Denkste! Mehr kriechend als gehend versuchte ich, die Landzunge, die an die nächste Bucht grenzt, zu erreichen. Bei den starken Böen hätte ich für einen stabilen Stand die Kamera mitsamt Stativ vermutlich einbetonieren müssen, außerdem wurden die Finger schnell empfindlich kalt und für schöne Filmaufnahmen bei Offenblende fehlte mir einfach ein Graufilter.

Inferno voraus! Heftige Bura in der Bucht von Modrič. Typische Eiskruste, wie sie sich bei Bura gerne bildet. Typische Eiskruste, wie sie sich bei Bura gerne bildet.

Somit beließ ich es bei den paar eben gezeigten Landschaftsaufnahmen. Ein sichtlich genervter Schwan, der vergeblich versuchte, in die Bucht nebenan zurückzuschwimmen, lieferte mir unfreiwillig das Motiv für ein paar echte Actionaufnahmen:

Schwan im Kampf mit Dalmatiens rauen Winden (1). Schwan im Kampf mit Dalmatiens rauen Winden (2). Schwan im Kampf mit Dalmatiens rauen Winden (3). Aufgabe...

Als nach einer Weile die Kamera mit einer feinen Salzkruste überzogen war (im letzten Schwanenfoto gut zu sehen) und ich die Frontlinse meines Sigmas nicht überstrapazieren wollte, gab ich meinen Kampf mit Dalmatiens rauem Klima auf und zog mich für die folgenden Fotos sowie eine Reinigung der Frontlinse in das etwas windgeschütztere Dorf zurück.

Nebenbei bemerkt: Es ist faszinierend, dass die Menschen bereits vor Jahrtausenden wussten, wo sich vor Naturgewalten geschützte Standorte für Landwirtschaft und Siedelungen befinden. Das Küstendorf Rovanjska ist so ein Beispiel dafür. Umso beschämender, dass dieses alte Wissen heute vielerorts verloren gegangen zu sein scheint bzw. einfach ignoriert wird.

Mit diesen Worten und ein paar Impressionen aus dem Küstendorf Rovanjska schließe ich das Jahr 2014 ab und weise auf den in Kürze erscheinenden Teil 2 des Kroatien-Tagebuches hin, im dem wir uns unter anderen auf den „Mars“, nach Split sowie in das Hinterland von Zadar begeben. Spannende Fotos sind somit garantiert – bleibt dran!

So sieht die ideale Bekleidung bei starker Bura aus. :-)Geschätztes Alter dieser Kirche: über 1000 Jahre. Der Anbau links kam erst später dazu.Etwas Streetfotografie... :-)

Ein Kommentar bei „Tagebuch Kroatien (1): Feuer, Eis und Wind“

  1. Peter Pichler sagt:

    Hallo Daniel, fast ganz neidlos :-)), gratuliere. Schööhhnneee Sonnenuntergänge. WW macht was her… *gg*. Cu Peter

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