Tagebuch Patagonien: Abenteuer Carretera Austral auf zwei Rädern (2)

Abenteuer Carretera Austral auf zwei Rädern (2)

Ich freue mich, Euch endlich Teil 2 des Gastbeitrages von Peter und Helmut über ihre Reise durch Patagonien per Fahrrad präsentieren zu können. Alle Details über diese Reise erfahrt ihr in Teil 1 und wer den noch nicht gelesen hat, sollte dies schnellstmöglich nachholen!

28.01.2015

61 km
1.370 Höhenmeter

Wir frühstücken im Restaurant am Plaza de Armas, dann starten wir auf den zweiten Teilabschnitt der Carretera Austral. Wir haben beste Bedingungen, erträgliche Temperaturen, asphaltierte Straße, strammen Rückenwind und Sonne auf dem Nummernschild. Auch physisch fühlen wir uns fit, der Ruhetag hat uns neue Kräfte verliehen. Die Landschaft wandelte sich nun zusehends, das satte Grün weicht einer Steppenlandschaft. Wir sind einstimmig der Meinung, dass dies die landschaftlich bisher schönste Etappe ist. Wir haben herrliche Ausblicke auf die chilenischen Berge und auf der anderen Seite blicken wir auf die ersten Ausläufer der argentinischen Pampa. Kurz hinter dem Abzweig zum Flughafen wartet der Anstieg zur Laguna Chiguay, wo wir auf einem schön gelegenen Campingplatz übernachten. Die Ausstattung erinnert uns an Kanada, es gibt Sitzgelegenheiten und Feuerstellen. Obwohl wir heute wieder einige Radler unterwegs getroffen haben, sind wir fast allein auf dem Campingplatz, eine deutsch-chilenische Familie mit Wohnmobil lädt uns auf ein Bier ein. Wir nehmen dankend an.

Blumenpracht an der Laguna Chiguay

29.01.2015

60 km
574 Höhenmeter

Die Nacht hier auf über 1.000 Höhenmetern war recht kühl, weil sternenklar, aber dafür trocken. Wir starten recht spät, da es heute überwiegend bergab geht. Das Wetter spielt auch heute mit und so genießen wir die fantastische Aussicht auf die Berge. Nach einigen Kilometern bergab müssen wir zwar nochmal auf 1.120 Metern Seehöhe radeln, aber die Steigung ist recht moderat. So erreichen wir den höchsten Punkt der gesamten Carretera Austral kurz nach Mittag. Nun folgt die genüssliche Abfahrt Cuesta del Diablo („Teufelsabfahrt“) hinunter mit spektakulären Ausblicken, die uns ständig zum Anhalten zwingt.

"Teuflisch gut" – die Cuesta del Diabolo

Danach verlassen wir die Carretera und fahren in Richtung Puerto Ibáñez, nach einigem Auf und Ab geht es hinunter nach Puerto Ibanéz mit toller Sicht auf den kobaltblauem Lago General Carrera, den zweitgrößten See Südamerikas.

Fahrt zum Lago GeneralFahrt zum Lago General Unterwegs nach Puerto IbanezFast da! Der Lago General Carrera in Sichtweite

Wir wollen am nächsten Tag mit der Fähre nach Chile Chico zum Südufer des Sees. Die nächste Fähre geht allerdings erst am nächsten Tag abends, so quartieren wir uns bei sommerlichen Wetter in einer gemütlichen Cabaña ein.

30.01.2015

0 km
0 Höhenmeter

Da die Fähre erst am Abend geht, lassen wir es gemächlich angehen, das Wetter ist auch heute, so wie an den letzten Tagen traumhaft, wenn auch recht windig. Wir füllen unsere Vorräte auf und spannen aus, denn die letzten Kilometer der Carretera werden es in sich haben. Die von uns gewählte Alternativroute über Chile Chico soll nach den Informationen anderer Radler sehr reizvoll, aber auch anspruchsvoll sein, wir lassen uns überraschen.

Die 2-stündige Überfahrt mit der Fähre ist ein überwältigendes Erlebnis, zumal das Licht am Abend fantastisch ist. Berge, Wasser und Wolken zaubern eindrucksvolle Landschaften.

Ein überwältigendes Erlebnis - die Überfahrt über den Lago General Carrera Ein überwältigendes Erlebnis - die Überfahrt über den Lago General Carrera

31.01.2015

49 km
1.149 Höhenmeter

Nach einer kurzen Nacht wollen wir früh starten, aber alle Cafés und Restaurants haben noch geschlossen, so kaufen wir im Supermarkt ein und frühstücken im Park. Danach geht es zur Sache, die chilenische Flagge weht entgegengesetzt unserer Fahrtrichtung, das heißt, wir haben Gegenwind, und das nicht zu knapp. Die Straße ist auf den ersten Kilometern sehr schotterig und es geht bergauf, danach wird der Belag zwar besser, aber der starke und böige Wind zwingt uns oft vom Rad, manchmal sogar bergab.

Blick auf den Lago Carrera

Nach ständigem Auf und Ab erreichen wir am Nachmittag den Abzweig nach Fachinal, es sind noch knappe 4 Kilometer bis dorthin, aber wir brauchen eine Stunde, denn der Straßenbelag ist mit bepacktem Rad eigentlich unpassierbar. Den ausgewiesenen Campingplatz gibt es nicht, es existiert lediglich ein Fragment einer ehemaligen Cabaña, die wir sofort okkupieren, denn auch hier wütet der Wind erbarmungslos. Der Flecken selbst wirkt wie ausgestorben, es gibt eine Kirche, einen Kindergarten, zwei verlassene Häuser und einem Aerodrom mit zugewachsener Landepiste.

Impressionen aus FachinalImpressionen aus Fachinal

01.02.2015

41 km
1.054 Höhenmeter

Der Wind hat die ganze Nacht hindurch gewütet, so waren wir in der provisorischen Cabaña gut aufgehoben. Wir radeln die 4 Kilometer zurück zur Straße und entdecken den eigentlichen Campingplatz, der direkt neben der Straße liegt, uns wären einige Strapazen erspart geblieben.

Traumhafte Ausblicke auf den Lago General Carrera Hoch zu Ross...Traumhafte Ausblicke auf den Lago General Carrera

Auch heute haben wir wieder Sonnenschein und angenehme Temperaturen, einzig der Gegenwind macht uns mächtig zu schaffen. Natürlich geht es ständig steil bergauf und bergab und wir kommen nur mühsam voran. Gegen Mittag legt sich der Wind und nachdem wir die steilen Passagen geschafft haben, rollt es besser. Der Lohn für die ganze Plackerei sind traumhafte Ausblicke auf den Lago General Carrera und die Berge des Campo Hielo Norte, wir sind immer wieder überwältigt von der einmaligen Szenerie und stoppen oft, um innezuhalten und zu fotografieren. Am Nachmittag erreichen wir unser Tagesziel, die ausgewiesene Übernachtung existiert nicht und so decken wir uns mit allem Notwendigen ein und radeln noch ein Stück, bis wir ein Plätzchen für unser Zelt finden.

die Berge des Campo Hielo Norte

02.02.2015

40 km
778 Höhenmeter

Einmal mehr haben wir herrliches Wetter und vor allem keinen Wind, dennoch geht es ständig auf und ab, der Straßenbelag ist recht unterschiedlich, mal fast wie Asphalt, dann wieder übelster Ripio. Aber wir kommen recht gut voran und genießen wieder herrliche Ausblicke auf den Lago General Carrera und das Massiv des Campo Hielo del Norte. Wir rasten im beschaulichen Puerto Guadal und treffen hier einige Studentinnen, die wir bereits am Anfang der Tour auf der Fähre getroffen haben. Wir radeln noch weiter bis zum Abzweig auf die Carretera Austral. Nach weiteren 3 Kilometern finden wir einen recht gemütlichen Campingplatz. Wir schlagen das Zelt auf , denn die letzten 3 Tage waren doch recht anstrengend.

03.02.2015

63 km
1.263 Höhenmeter

Der Campingplatz wird von einem sehr netten älteren Ehepaar bewirtschaftet. Sie betreiben nebenbei etwas Landwirtschaft und Viehzucht. Die Ausstattung des Campingplatzes ist sehr gut – und es gibt heißes Wasser!

Wir starten einmal mehr bei herrlichem Sommerwetter. Der Straßenbelag besteht heute ausnahmslos aus Rupio mit vielen Waschbrettabschnitten. Kurz vor Mittag rasten wir in Puerto Bertrand. Weiter geht es sehr wellig am wasserreichsten Fluß Chiles, dem Rio Baker entlang. Am Zusammenfluss von Rio Baker und Rio Nef bestaunen wir den imposanten Salto.

Am Zusammenfluss von Rio Baker und Rio Nef

Danach geht es zur Sache, in ständigem Auf und Ab mühen wir uns bei fast 30 Grad ab, es gibt kaum Schatten. Wir wollen Cochrane noch erreichen, da es bis dahin keine Übernachtung mehr gibt. Wir treffen auf einige Radler aus den USA, die in die entgegengesetzte Richtung fahren. Vor Cochrane lauern noch ein paar knackige Steigungen und ausgelaugt erreichen wir unser Ziel erst spät. Eine gemütliche Cabaña ist schnell gefunden. Da es zum Essen gehen zu spät ist, bekochen wir uns selbst und fallen recht bald in den Tiefschlaf.

Auf dem Weg nach Cochrane

04.02.2015

0 km
0 Höhenmeter

Wir genießen den wohlverdienten Ruhetag, regenerieren uns, waschen unsere durchgeschwitzten Klamotten und checken die Räder. Da es auf der weiteren Reise kaum Verpflegungsmöglichkeiten gibt, kaufen wir vorsorglich etwas großzügiger ein, auch wenn das zusätzliches Gepäck ist. Wir informieren uns über die folgenden Fährverbindungen, bekommen aber keine verlässlichen Aussagen. Auch die Recherchen im Internet führen zu keinen neuen Erkenntnissen, so bleibt uns nichts übrig, als einfach weiter zu radeln und zu hoffen. Auch wenn es Probleme geben sollte, eine Lösung wird sich finden. Abends lassen wir uns in einem gemütlichen kleinen Restaurant von einer netten Señora bekochen.

05.02.2015

56 km
941 Höhenmeter

Wir werden mit Wassermusik geweckt, wie von den Wetterpäpsten prophezeit, regnet es. Wir wollen uns in Cochrane noch ein Bier für die obligatorische Willkommenszeremonie am Etappenort mitnehmen, aber das nette Mädel vom Supermercado sagt mir, dass es vor 10 Uhr keinen Alkohol gibt.

Wir starten dennoch um 9:30 h und kommen trotz oberübler Piste recht gut voran. Es geht moderat bergauf und gegen Mittag setzt sich die Sonne durch. Wir passieren den Lago Chacabuco und fahren weiter über ein Plateau auf etwa 500 Höhenmetern. Danach wird dank der Aufopferung der chilenischen Straßenbauarbeiter die Piste wieder besser. Nach einer rauschenden Abfahrt hinunter zum Rio Baker fahren wir noch ein Stück am Fluss entlang und finden an der Puente Rio Nadis einen wunderschönen Platz zum Zelten. Die Zubereitung des Dinners ist inzwischen eingespielt, es gibt einmal mehr Pasta Zugo ala amatriciana und Merlot, der Abend klingt mit einem abschließenden Pisco am Lagerfeuer aus.

06.02.2015

71 km
702 Höhenmeter

Auch heute morgen fängt es wieder an zu regnen, aber schon nach dem Frühstück klart es auf und wir können im Trockenen starten. Zunächst läuft es recht zäh, da der Straßenbelag schlecht ist und wir nicht so recht voran kommen. Ab Mittag wird der Belag zwar etwas besser, aber dafür haben wir Gegenwind. Am Nachmittag erreichen wir den Abzweig nach Caleta Tortel und entscheiden uns, den Abstecher dorthin zu wagen. Am frühen Abend erreichen wir das Ziel. Der verschlafene Ort im Mitchel-Sound hat seinen eigenen Charme, alle Zugangswege wurden auf Grund der hier vorherrschenden Bodenfeuchtigkeit auf Holzstegen gebaut. Nach einigem Suchen finden wir eine einfache Unterkunft, gehen noch einkaufen und essen und „werden nicht alt“.

Die Ortschaft Caleta Tortel

07.02.2015

13 km
90 Höhenmeter

Die Nacht war recht kühl und so waren wir in dem einfachen Hospedaje gut aufgehoben. Ein einfaches Desayuno (Frühstück) gab es obendrein gratis dazu. Wir bepacken unsere Räder und besichtigen Tortel Abajo. Der ganze Ort wurde auf Pfählen erbaut und ist nur über Holzstege erreichbar. Das Ganze wirkt irgendwie paradox, aber die Geografie und Bodenbeschaffenheit ließen keine andere Form der Besiedlung zu. Wir hatten uns bereits am Vorabend über einen Transfer nach Puerto Yungay informiert, es hieß, das um 11 Uhr ein Bus geht, dann sagte man uns, dass der Bus voll sei und zu guter Letzt kam gar kein Bus.

Es folgt also Plan B, wir erkundigen uns nach einem Transfer bei der Tourismus Information und der freundliche Mitarbeiter vermittelt uns seinen Amigo Alexandro, paradoxerweise arbeitet dieser auch in der Tourismus Information und gab uns am Vorabend die Info mit dem Bus.

Was soll’s? Wir entrichten unseren Obolus und sind eine Stunde später in Puerto Yungay. Die nächste Fähre geht erst um 18 Uhr, im kleinen Kiosk gibt es leckere Empanadas und wir machen ein Nickerchen. Inzwischen treffen weitere Radler ein und wir kommen schnell ins Gespräch über das Woher und Wohin. So lernen wir Mieke und Nikotin aus Kiel kennen, die seit 4 Monaten in Südamerika unterwegs sind und noch über ein Jahr unterwegs sind. So gestaltet sich die Wartezeit und Überfahrt nach Rio Bravo recht kurzweilig. Ein junges Pärchen aus New York gesellt sich zu uns und so gründen wir auf der Fähre einen Radler-Stammtisch.

Der Fähranleger in Rio Bravo besteht lediglich aus einer Betonrampe und da wir heute noch nicht geradelt sind machen wir noch ein paar Kilometer entlang des Rio Bravo und finden ein Plätzchen am Fluss.

08.02.2015

45 km
1.024 Höhenmeter

Wir werden wieder mit Wassermusik geweckt, aber Geduld zahlt sich aus, wir harren im Zelt aus und am Morgen hört der Regen tatsächlich auf. Wir frühstücken kurz und starten recht spät. Zunächst geht es, wie beschrieben, recht gemächlich bergauf. Dann geht es wieder zur Sache. Wir strampeln wieder auf über 400 Höhenmeter hinauf, es gibt auch danach noch einige Peaks, dazu spielt das Wetter einmal mehr verrückt, sodass wir uns ständig umkleiden müssen. Danach rollt es recht gut und wir rollen noch ein paar Kilometer mit Rückenwind in Richtung Süden.

Die Suche nach einer passenden Zeltgelegenheit gestaltet sich schwierig, die ganz Gegend ist geprägt von unzähligen Quellen und Wasserfällen, die von den Gletschern gespeist werden. Aber wir finden noch einen Platz fürs Zelt, das Abendmenü besteht einmal mehr aus Paste con Zugo ala amatriciana y achtunas mit Cabernet.

09.02.2015

42 km
566 Höhenmeter

Der heutige Tag ist zum Genussradeln, wider erwarten blieb es in der Nacht trocken, wenn auch kalt und windig. Bis zum Endziel ist es nicht mehr weit, wir haben fetzigen Rückenwind und keine nennenswerte Steigungen mehr zu bewältigen.

Die Gletscher sind nur wenige hundert Meter höher als die Carretera und speisen die umliegenden Seen mit Schmelzwasser, das Wasser rinnt hier aus jeder Ritze des Berges. Wir kommen zügig voran, rasten noch einmal kurz und können von weitem schon Villa O’Higgins erkennen. Aber der Rio Mayer macht noch einen riesigen Bogen, sodass es noch mehr als 10 Kilometer bis zum Ziel sind. Um 14:12 ist es dann geschafft und wir sind stolz und glücklich, vor allem, weil die Tour sturz- und pannenfrei verlief. Natürlich muß das angemessen gefeiert werden, wir lassen uns bekochen und verwöhnen. Das Pärchen aus dem Allgäu treffen wir im Hostel, aber den ganzen Trubel wollen wir uns nicht antun. Die Suche nach einer Cabaña bleibt erfolglos, so beziehen wir eine gemütliches Hospedaje.

Der Rio MayerVilla O’Higgins Endlich da!

Unsere Reservierung für die Fährpassage hinüber nach Argentinien ist nicht angekommen und die Fähre bereits ausgebucht, aber da Sandra und Artu noch länger hier bleiben wollen, treten sie uns ihre Reservierung ab. Am Abend sitzen wir dann mit den beiden noch gemütlich in unserem Hospedaje zusammen.

10.02.2015

0 km
0 Höhenmeter

Die Nacht war auch wieder sehr windig, so waren wir im Hospedaje gut aufgehoben. Das Frühstück ist recht spartanisch, aber heute müssen wir nicht radeln.

Unsere Wäsche wurde bereits gewaschen und so machen wir einen kleinen Rundgang durch das 500-Seelendorf, dass es erst seit der Fertigstellung der Carretera Austral 1966 gibt. Dennoch verfügt der Ort über einen Flugplatz. Wir decken uns vorsorglich mit Proviant für eine Zwischenübernachtung für die Passage nach Argentinien ein. Am schön angelegten Aussichtspunkt oberhalb genießen wir bei herrlicher Sicht ein kleines Picknick. Am Nachmittag wollen wir unsere Fährpassage bezahlen, erfahren aber dass die Fähre am nächsten Tag auf Grund starken Windes nicht verkehrt, so buchen wir um auf den übernächsten Tag und können nur hoffen, dass das Wetter mitspielt.

Am Abend wollen wir im San Gabriel essen gehen, aber es ist „cerrado“, Sandra und Artu lotsen uns eine einfache aber recht urige Rapido.

11.02.2015

0 km
0 Höhenmeter

Die Nacht war wieder recht stürmisch und es regnet, dass die Fähre unter diesen Umständen nicht verkehrt, erscheint erklärlich. So haben wir noch einen Tag zum Relaxen. Wir checken nochmal die Räder, kaufen noch etwas ein und lesen ein wenig. Nun, da wir Chile vorerst  verlassen, stimmen wir uns auf das Abenteuer Argentinien ein. Das Abenteuer geht weiter…

12.02.2015

28 km
820 Höhenmeter

Wir müssen früh aufstehen, da die Fähre nach Candelaria Mansilla schon um 8:00 Uhr fährt und wir noch knapp 8 Kilometer bis zum Fähranleger radeln müssen. Die Fähre von Lorenzo mutet etwas altertümlich an, scheint aber sicher, unter Deck wurde eingeheizt, da es auf dem Lago O’Higgins recht kühl ist. Die Fahrt dauert 3 1/2 Stunden und ist zunächst recht gemütlich, als es allerdings auf den offenen See hinausgeht, wird es recht ungemütlich, die Wellen schlagen aufs Deck, an einen Aufenthalt auf Deck ist nicht zu denken. Die chilenische Grenzkontrolle verläuft unproblematisch, aber der zugesagte Gepacktransport mit Tragpferden steht nicht zur Verfügung. So schieben wir die bepackten Räder den steilen Anstieg zum Passo de dos Lagos hinauf. Das kostet uns einige Körner und das schwierigste kommt noch. Nachdem wir die Grenze passiert haben, müssen wir noch 8 Kilometer auf argentinischer Seite auf einem ausgetretenen Trampelpfad absolvieren. Wir brauchen dafür geschlagene 2 1/2 Stunden, müssen einige Bäche und Schlammlöcher durchwaten und unser Gepäck über einige Passagen tragen. Glückendlich erreichen wir am Abend den Lago Desierto und erledigen die Grenzkontrolle auf argentinischer Seite. Hier erfahren wir, dass die nächste Fähre zum Südufer erst am nächsten Vormittag verkehrt. Wir schlagen das Zelt am See auf und werden mit einem tollen Ausblick auf den Mont Fitz Roy bei Sonnenuntergang belohnt.

Schiebestrecke...Am Lago Desierto. Im Hintergrund der Fitz RoyAm Lago Desierto. Im Hintergrund der Fitz RoyFitz Roy, 3.406 mFitz Roy, 3.406 mFitz Roy, 3.406 m

13.02.2015

38 km
258 Höhenmeter

Auch am Morgen präsentiert sich das Fitz-Roy-Massiv in prächtigem Licht, was hier wirklich nicht allzu oft vorkommt. Wir nehmen die Fähre zum Südufer und stellen fest, dass die Preise im Vergleich zu Chile exorbitant hoch sind. Zum einen leidet Argentinien unter einer starken Inflation und zum anderen befinden wir uns mitten in der Hochsaison in einem beliebten Tourismusgebiet. Der in Aussicht gestellte Bustransfer nach El Chalten ist mit Rad nicht möglich, aber das Wetter ist schön, es geht flussabwärts und wir haben den Fitz Roy bei bester Sicht im Blickfeld.

Fitz Roy, 3.406 m in der Morgensonne

Am frühen Nachmittag ist es geschafft , unsere vorerst letzte Radetappe ist absolviert. Die Suche nach einer Unterkunft gestaltet sich auf Grund des bevorstehenden Faschingwochenendes schwierig, aber wir werden fündig. Vorsorglich decken wir uns mit Bargeld ein, denn es gibt in dem Bergdorf nur eine einzige Bank.

14.02.2015

0 km
0 Höhenmeter

Wir müssen unsere Quartier wechseln und reservieren uns für den nächsten Morgen Bustickets nach El Calafate.

Am Nachmittag mache ich eine kleine Wanderung in Richtung des Lago Torre, um vielleicht einen Blick auf den Cerro Torre zu erhaschen. Das Wetter ist zwar gut, aber der Gipfel des berühmt berüchtigten Granitfelsens steckt in den Wolken. Einzig der Mont Fitz Roy lässt sich gegen Abend wieder blicken. An einem schönen Mirador beobachte ich die Landschaft und kehre wieder um. Am Abend gönnen wir uns ein Essen in einem nahe gelegenen Restaurant, es gibt zur Abwechslung mal keine Pasta sondern Lamm.

Das Fitz Roy Massiv

15.02.2015

0 km
0 Höhenmeter

Wir müssen früh aufstehen, da der Bus schon um 8:00 Uhr fährt. Die Fahrt mit Radtransport verläuft reibungslos und wir sind vor Mittag schon in El Calafate. Die Suche nach einer Unterkunft ist hier noch schwieriger als in El Chalten, wir haben Fasching, es ist Hochsaison und heute beginnt ein 2-wöchiges Festival. Alle Hotels etc. sind ausgebucht und die Campingplätze überfüllt. Wir ergattern noch ein Restzimmer für eine Nacht in einer Hosteria in der Nähe des Busterminals.

El Chalten Blick in die Pampa vor El Calafate

Auch die Anmietung eines Autos erweist sich als kompliziert und vor allem teuer, letztendlich mieten wir einen Kleinwagen für einen Tag und reservieren uns Plätze im Bus für die Weiterreise zum Nationalpark Torres del Paine. Die Stadt ist voll von Menschen, wir machen einen Spaziergang zur Laguna Nimez und gehen in einem urigen Pub essen. An Schlaf ist jedoch nicht zu denken, unweit vom Hotel findet im Park ein Rockkonzert statt, das bis 02:00 Uhr andauert.

16.02.2015

0 km
0 Höhenmeter

Wir schlafen aus und machen uns nach dem Frühstück mit dem Mietwagen auf zum Nationalpark. Die ca 80 Kilometer bis zum Perito-Moreno-Gletscher sind wider Erwarten gut ausgebaut und am Mittag sehen wir dann schon das imposante Naturwunder. Mit einem Shuttlebus werden wir zu den Aussichtsterrassen gebracht. Da man hier so nah, wie nirgends sonst an den Gletscher herankommt, wirkt das Ganze noch imposanter. Ständig hört man das Knacken im Eis und weil sich der Moloch am Tag etwa um 2 Meter bewegt, brechen einige male mit Getöse Brocken heraus.

Der Perito Moreno Gletscher Der Perito Moreno Gletscher Der Perito Moreno Gletscher

Wir haben wieder mal Glück mit dem Wetter, Sonne und Wolken zaubern in der Eislandschaft einmalige Bilder. Wir können uns nicht satt sehen und fotografieren den ganzen Tag. Natürlich sind viele Touristen hier im Park, denn es ist Hochsaison. Wir rasten im Touristen-Restaurant und unternehmen am Nachmittag noch einen Bootsausflug ganz nah an die Abbruchkante des Eisriesen. Auch das ist ein einmaliges Erlebnis.

Auf der Rückfahrt machen wir noch einen Fotostopp in der typischen Pampa-Landschaft. In einem kleinen und sehr gemütlichen Restaurant in einer Seitenstraße essen wir zu Abend. Auch in dieser Nacht werden wir bis 02:00 Uhr mit dumpfer Rockmusik beschallt und finden erst spät Schlaf.

17.02.2015

0 km
0 Höhenmeter

Der Bustransfer von Argentinien zurück nach Chile klappt recht gut, einzig die Grenzkontrolle ist recht umständlich und zeitraubend, so müssen wir bei der Einreise nach Chile unser gesamtes Gepäck ausladen und durchleuchten lassen. So erreichen wir Puerto Natales erst am Nachmittag. Es ist kühl und stürmisch. Wir landen nach einer verzweifelten Suche nach einer Cabaña im Hostel Lili in der Nähe vom Hafen. Ein einfaches Backpacker-Hostel, es geht ziemlich turbulent zu, aber wir bekommen ein simples Doppelzimmer unter dem Dach zu einem günstigen Preis.

Auf der Fahrt nach Puerto Natales Auf der Fahrt nach Puerto Natales

Dafür gehen wir am Abend sehr gut essen und versinken nach den schlaflosen Nächten in El Calafate schnell in den Schlaf. Vorher reservieren wir uns für den nächsten Tag einen Mietwagen zu einem annehmbaren Preis, um damit den Nationalpark Torres del Paine zu erkunden.

Puerto Natales

18.02.2015

0 km
0 Höhenmeter

Das Frühstück fällt heute recht spartanisch aus, dann holen wir den Mietwagen ab und kaufen wir uns Bustickets für die Weiterreise nach Punta Arenas am nächsten Morgen. Auf geht’s zum nächsten Highlight Patagoniens, nach einer guten Stunde ist der Eingang zum Park erreicht, auf dem Weg dahin sehen wir häufig Lamas und Guanacos, auch Nandus sind zu sehen.

Der Ort Punta ArenasGuanacos

Nur die famosen Torres sind zunächst nicht auszumachen. Immer wieder legen wir Stopps zum Fotografieren ein und am Nachmittag lässt dass Wetter einen Blick auf die berühmten Granitfelsen zu, die sich monströs aus der Pampa in die Höhe recken. Auf einer kurzen Wanderung zum Salto Grande, einem Wasserfall des Lago Nordenskjöld in den Lago Pehoé werden wir vom Wind fast weggeblasen.

Zurück nach Puerto Natales geht es über eine neu angelegte Schotterpiste, aber wir sind dennoch erst am Abend wieder zurück.

Blick auf die imposanten Granitnadeln der Torres del Paine Die imposanten Granitnadeln der Torres del Paine

19.02.2015

0 km
0 Höhenmeter

An dem kalten und windigen Morgen fällt es uns nicht schwer, die Casa Lili zu verlassen. Der Bustransfer verläuft ohne Komplikationen und wir sind gegen Mittag am Ziel. Punta Arenas ist nach unserem Start in Puerto Montt vor 6 Wochen die erste größere Stadt mit passabler Infrastruktur.

Die chilenische Metropole liegt an der Magellanstraße und auf der anderen Seite ist Feuerland schon auszumachen. Wir finden auch gleich in der Nähe des Busterminals ein ansprechendes Hostal und organisieren uns Bustickets für die Weiterreise. Wir bummeln durchs Zentrum zum Hafen, hier legen unter anderem auch die großen Kreuzfahrtschiffe an. Am Ufer der Magellanstraße tummeln sich Kormorane, die ich zuerst für Pinguine halte. Die Auswahl an guten Restaurants ist recht groß und wir gehen gut und preiswert essen.

An der MagellanstraßeBronzestatue des Ferdinand Magellan

20.02.2015

0 km
0 Höhenmeter

Wir genießen den freien Tag, ein jeder geht seinen eigenen Interessen nach. Der Versuch, einen Mietwagen für den nächsten Tag zu bekommen, scheitert kläglich. So besuche ich den Cementerio Sara Braun, gegen einen kleinen Obolus kann man diesen besichtigen, wie in ganz Südamerika, so wird den Gräbern der Verstorbenen auch hier mit viel Pomp gedacht, die gesamte Anlage wirkt sehr gepflegt. In der Nähe der Plaza finde ich das Museum der Familie Braun-Meneñdez, die es hier im letzten Jahrhundert zu beachtlichem Wohlstand gebracht hat.

21.02.2015

0 km
0 Höhenmeter

Nach dem Frühstück decken wir uns mit Proviant für den Ausflug und den morgigen Bustransfer ein und gehen im Hafenviertel in einer Markthalle einmal mehr gut essen. Mit dem Taxi fahren wir zum Fähranleger, mit einer Stunde Verspätung legt das Schiff ab und nach weiteren zwei Stunden sind wir auf der Isla Magdalena. Es wimmelt nur so von den putzigen Magellan-Pinguinen, die kaum Scheu zeigen und gern posieren. Wir erfahren, dass hier mehr als 20.000 Brutpaare leben, die sich die Insel mit Möwen teilen. Zum Schutz der Tiere dürfen wir uns nur in einem kleinen Korridor bewegen. Wie alle Teilnehmer dieses Ausflugs fotografieren auch wir eine Stunde bis zum Ablegen, zumal sich gegen Abend auch die Sonne nochmal blicken lässt. Wir sind spät zurück und packen schon mal zusammen, da wir morgen früh raus müssen.

Magellan-Pinguine auf der Isla Magedalena Magellan-Pinguine auf der Isla Magedalena Auf der Isla Magedalena

22.02.2015

0 km
0 Höhenmeter

Auch dieser Bustransfer verläuft nahezu reibungslos, auch wenn wir über 9 Stunden unterwegs sind. Zunächst überqueren wir bei Punta Delgado mit der Fähre die Magellanstraße, danach geht erst einmal wieder 120 Kilometer auf der Schotterpiste weiter, bevor wir bei San Sebastian die Grenze nach Argentinien passieren. Auch hier dürfen wir wieder unser gesamtes Gepäck ausladen und scannen lassen, uff!

Der Norden Feuerlands gleicht der Pampa, je weiter man allerdings nach Süden kommt, um so grüner und bergiger wird die Landschaft. Die Ausläufer der Anden fallen hier schroff ins Meer ab. Gegen Abend erreichen wir die südlichste Stadt der Welt, Ushuaia, von schneebedeckten Bergen und dem Beagle-Kanal eingerahmt. Nach einigen Entbehrungen in den letzten Wochen gönnen wir uns zum Abschluss dieser Tour eine komfortable Cabaña und lassen uns von Viaviana’s Tierra Mistica verwöhnen.

Der Ort Ushuaia

23.02.2015

0 km
0 Höhenmeter

Nach einem opulenten Frühstück erledigen wir einige Besorgungen, ich organisiere für mich die Weiterreise in den hoffentlich wärmeren Norden und Peter bereitet sich auf seine Rückreise vor. Wir treffen Sandra und Artu und laden sie für den Abend zum Essen in unserere Cabaña ein. Das Menü besteht, wie so oft in den letzten Wochen aus Pasta und Salat mit argentinischem Rotwein. Die beiden Jungvermählten fiebern schon ihrem nächsten Abenteurer, einer Schiffsreise in die Antarktis mit einem Segelschiff entgegen.

Ein wenig Statistik

Während unseres Abenteuers haben wir insgesamt

1.222 km
19.609 Höhenmeter

zurückgelegt. Das war Teil 2 unseres unvergesslichen Abenteuers Carretera Austral auf zwei Rädern. Zum Abschluss noch ein Foto des Mont Fitz Roy im Abendrot – das sehr schnell wechselnde Wetter in der Region macht diese Aufnahme zu etwas sehr Besonderem.

Saludos

Helmut, Peter

Der Mont Fitz Roy mit viel Wolkendrama und Abendrot

2 Kommentare bei „Tagebuch Patagonien: Abenteuer Carretera Austral auf zwei Rädern (2)“

  1. Zugvogel Helmut sagt:

    Hallo Daniel,

    ich bin einer der beiden Hauptakteure dieser Tour und muss Dir ein großes Kompliment machen.
    Da ich selbst keine eigene Homepage habe, bin ich glücklich über diese Veröffentlichung.
    Beim Lesen kommen tolle Erinnerungen zurück, als ob ich die Tour ein zweites mal absolviere.

    Grüße aus Rosenheim

    Helmut

    1. Hallo Helmut,

      es hat mich wirklich sehr gefreut, dass ich Euch und Eurem Abenteuer die Plattform bieten durfte. In Südamerika war ich leider noch nie, wollte aber schon immer mal dort hin. Das Tagebuch über Eure außergewöhnliche Radtour inkl. der tollen Fotos haben mein Fernweh jedenfalls nicht besser gemacht. 🙂

      LG aus Innsbruck

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