Tipps gegen unscharfe und verwackelte Fotos

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Jeder Fotograf, egal ob Anfänger oder Profi kennt das Phänomen, dass Fotos verwackelt oder unscharf sind, obwohl man eigentlich alles richtig gemacht hat. Manchmal kann einen das zur Verzweiflung treiben. In diesem Beitrag beschreibe ich meine Methoden, mit denen ich möglichst wenig unscharfen und verwackelten Ausschuss produziere.

Unscharf oder verwackelt?

Ist das nicht egal? Nein, weil beides auf unterschiedliche Weise zustande kommt, was für die Fehlersuche bedeutend ist. Hier ein Beispiel das den Unterschied verdeutlicht, Unschärfe und Verwackelung habe ich der Einfachheit halber mittels Bildbearbeitung hinzugefügt und die Effekte bewusst übertrieben.

Was ist verwackelt? Foto oder Motiv?

Ein Foto kann auf zwei Arten werwackelt sein: Entweder ist es das gesamte Bild oder nur das Motiv. Die Ursache für ein verwackeltes Foto liegt meist in zu langen Belichtungszeiten bei fehlender Stabilisierung z. B. durch ein Stativ. Hier reicht als Gegenmaßnahme, die Belichtungszeit entsprechend zu verkürzen oder ein Stativ zur Hilfe zu nehmen. Ist hingegen nur das Motiv verwackelt, z. B. weil es zu flink war, spricht man von der Bewegungsunschärfe und um diese zu verhindern muss der Fotograf die Belichtungszeit mehr oder weniger drastisch verkürzen um die Bewegung des Motivs sozusagen „einzufrieren“.

Maßnahmen gegen Verwackeln und Bewegungsunschärfen

  • Ich fotografiere mit Belichtungszeiten zwischen 1/100-1/500 Sek., damit sind selbst Teleaufnahmen ohne Verwackeln realisierbar.
  • Will ich Bewegungen „einfrieren“ fotografiere ich sogar mit 1/1.000 Sek. und kürzer. Um extrem kurze Werte ohne Unterbelichtung erreichen zu können, öffne ich je nach Motiv die Blende oder erhöhe den ISO-Wert. ISO 800 bei Tageslicht ermöglicht z. B. Belichtungszeiten von 1/1.000 Sek. und noch kürzer.
  • Ich nutze (falls vorhanden) die Bildstabilisierung oder sorge für einen möglichst festen Stand der Kamera, z. B. mittels Stativ oder einer festen Unterlage zum Ablegen oder Abstützen.
  • Runterkommen! Ein Fotograf, der gestresst und hektisch ist (oder zu viel Koffein intus hat), kann gar keine ruhige Hand haben und wird definitiv viel Ausschuss produzieren.
  • Die richtige Atemtechnik beim Fotografieren wird oft unterschätzt! Ich atme langsam und gleichmäßig und löse beim Ausatmen aus. Wer die Luft anhält macht es meist nur noch schlimmer.

Maßnahmen gegen unscharfe Fotos

Bei unscharfen Fotos ist das leider nicht mehr ganz so einfach. Jeder, der fotografiert, kennt diese Fotos, bei denen kurioserweise der fokussierte Ausschnitt oder gar das ganze Foto eine Unschärfe hat. Dabei hat man doch alles richtig gemacht: eine kurze Belichtungszeit gewählt, ein Stativ verwendet und sauber fokussiert. Und genau bei der Fokussierung liegt fast immer der Fehler: Man denkt zwar, dass man richtig fokussiert hat, aber dass die Kamera tatsächlich ein Quäntchen daneben fokussiert hat, konnte man im Sucher natürlich nicht erkennen.

Bevor ich fortfahre eine kurze Erklärung zum Autofokus: Der Autofokus einer Kamera benötigt Kontraste im Motiv um einen Messwert erfassen zu können. Ist das Motiv zu hell / zu dunkel oder es fehlen Kontraste, kann die Kamera auch nicht richtig oder gar nicht fokussieren. Dies ist der Grund, warum der Autofokus hin und her irrt, wenn man beispielsweise versucht, den blauen Himmel, bei Nacht oder eine weiße Wand zu fokussieren. Dass der Autofokus mal daneben liegt lässt sich leider nie ganz vermeiden, allenfalls minimieren. Hier meine Methoden:

  • Ich mache mehrere Fotos der Szene, jedoch nicht im Serienbildmodus oder mit kontinuierlichem AF, d. h. ich fokussiere vor jeder Aufnahme erneut. Das Foto, in dem der Fokus am besten sitzt behalte ich.
  • Falls möglich, Live View verwenden. Im Live View kann ich ins Bild hineinzoomen und sehe noch vor der Aufnahme ob der Fokus richtig sitzt.
  • Abblenden! Wenn ich ein nahes Motiv mit einem f1.8er Objektiv fotografiere und eine schöne Schärfentiefe erzielen will, ist es nicht unbedingt erforderlich, mit größter Blende zu fotografieren, da bei einem solchen Wert der Schärfebereich nur wenige mm beträgt und dadurch jede noch so kleine Fokusverschiebung gnadenlos sichtbar wird. Hier wähle ich gerne Werte zwischen f2.8 bis f4.5, mit denen immer noch problemlos eine schöne Tiefenunschärfe machbar ist. Wie sich der Schärfebereich mit der Blende verändert, zeigen diese drei Beispiele:
  • Ihre absolute Schärfe (nicht Schärfentiefe!) erreichen viele Objektive oftmals 1-2 Stufen ab Anfangsblende. Ein Objektiv mit f2,8 kann seine Idealschärfe z. B. erst bei f4 oder f4.5 erreichen. Wollt Ihr den idealen Blendenwert Eurer Objektive herausfinden, montiert die Kamera auf ein Stativ, fotografiert ein kontrastreiches Testmotiv mit verschiedenen Blendenwerten und dann vergleicht die Schärfe der Testfotos im Bildbetrachter bei 100 %.
  • Handelt es sich bei Eurem Motiv z. B. um einen Sonnenuntergang, wird die Fokussierung der Sonne womöglich nicht gelingen. Hier fokussiere ich stattdessen auf ein anderes Objekt, dessen Entfernung ebenfalls im Bereich „Unendlich“ liegt.
  • Falls der Autofokus versagt oder ich keinerlei Risiko eingehen kann, fokussiere ich manuell. Jedoch nicht über den Sucher, sondern über den Live View, mit dem ich in den zu fokussierenden Bildausschnitt hineinzoomen kann. Um das manuelle Fokussieren zu erleichtern, bieten viele Kameras eine Fokus Peaking Funktion.
  • Stativ verwenden! Gerade im Nahbereich bei Offenblende reicht in der Zeit, die zwischen Fokussieren und Auslösen vergeht, die leiseste Bewegung und das Motiv ist „out of focus“. Mit dem Stativ sind derartige Patzer zumindest seitens des Fotografen ausgeschlossen.

Stabi aus am Stativ

Hat man die Kamera auf dem Stativ vergisst man gerne mal den Stabi auszuschalten. Das Resultat sind verwackelte Fotos. Doch wie kommt das zustande? Auch wenn die Kamera stabil steht, versucht der Stabi eine (in diesem Falle nicht vorhandene) Bewegung auszugleichen. Also: Stabi aus am Stativ!

Meine persönliche Goldene Regel

Beurteilt Eure Fotos nicht grundsätzlich nur nach ihrer Schärfe. Oft ist es der aufgenommene Moment, der in den Bann zieht. Hat der Betrachter die Wahl zwischen einer schönen Momentaufnahme mit nicht perfekter Schärfe und einer nicht ganz so schönen Momentaufnahme mit perfekter Schärfe, so wird er fast immer ersteres Foto bevorzugen.

Wenn das alles nichts hilft

Mit etwas Übung wird die Anzahl der verwackelten oder unscharfen Fotos immer geringer werden. Sollten trotz aller Vorsicht und aller beschriebenen Vorgehensweisen immer noch auffällig viele Fotos unscharf werden, kann es gut sein, dass ein technischer Mangel vorliegt. Mit anderen Objektiven gemachte Vergleichsaufnahmen, ein Besuch beim Fachhändler oder 5 min googlen helfen Euch, dem Problem auf die Spur zu kommen.

Viel Spaß beim Nachmachen, gutes Gelingen und natürlich viele gute Fotos!

2 Kommentare bei „Tipps gegen unscharfe und verwackelte Fotos“

  1. Hi,
    über „scharfe“ und „unscharfe“ Fotos gibt es auf Youtube viele Tutorials. Du hast die Fotos mittels Bildbearbeitung verschandelt, um passende Beispielfotos zu präsentieren.
    Ich warte schon lange auf ein Tutorial zur Bildbearbeitung, keine irgendwelche Saturdationen, Gradationskurvenspielereien oder Modelhautretuschen.
    Es geht um möglichst einfache, präzise Anleitungen, wie man ein Bild entwickeln kann. Die beste Bildbearbeitungssoftware nützt gar nix, wenn man nicht weiß, was man wann anwenden kann und soll, Helligkeit, Brillianz, Rauschen, Farben (PD mit Schiebereglern).
    Du hast recht mit den Ausführungen. Ich vermisse einen Satz, wie… wenn Kamera am Stativ, Stabi „off“… ;-)). Back-/Frontfokus???
    Gut Licht
    Peter

    1. Den Punkt mit Stabi und Stativ hab ich ergänzt. Danke für den Hinweis. Front- und Backfokus ist ein Thema, das ich im Schlusssatz indirekt anspreche, ich gehe aber davon aus, dass eine Kamera einwandfrei funktioniert und sehe daher keinen Sinn darin auf techn. Unzulänglichkeiten einzugehen. Zum Thema Bildbearbeitung gibt es ein paar Posts, weitere wird die Zukunft bringen.

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