Vollformat – ist größer immer besser?

Vollformat ist DAS Sensorformat im Fotografen-Olymp, der Traum vieler Fotografen, besonders all jener mit knappen Budget. Denen gegenüber steht eine Schar an Fotografen, die meinen, dass es gar nicht auf die Größe ankäme (selbst aber keine Kamera mit kleinerem Sensor ernst nehmen würden). Seit über 2 Jahren verrichtet bei mir eine Vollformat-DSLR ihre Dienste und macht u. a. dank meiner Investition in hochwertigste Objektive perfekte Fotos. Aber sie ist groß und schwer, und da ich ein Fotograf mit Schwerpunkt Outdoor bin, bleibt die meist daheim, denn spätestens nach 6 h unterwegs im Gebirge und ab 1.000 Höhenmetern ist mir ihre Bildqualität egal!

Was ist Vollformat?

Vollformat entspricht weitgehend dem analogen „Kleinbild-Format“ und beschreibt eine Fläche von 36 x 24 mm. Das APS-C-Sensorformat, wie es meist in DSLR der unteren und mittleren Preisklasse verbaut ist, ist etwas weniger als halb so groß wie Vollformat. Das wirkt sich auf das Bild aus. Doch wie?


© Chriusha (Хрюша) | CC-BY-SA-3.0

Vollformat – Vorteile und Nachteile

Vollformat hat mehr lichtempfindliche Fläche, ist also für die Fotografie bei wenig Licht besser geeignet und bietet außerdem mehr Fläche für das Motiv, was Landschafts- und Architekturfotografen entgegen kommt, Vollformat-Kameras sind meist umfangreicher ausgestattet und es gibt eine Menge guter Objektive, die es für kleine Sensoren oft nicht gibt. Aber Größe und Funktionsumfang machen Kameras und Objektive teuer und schwer. Eine solche Kamera inkl. zwei, drei guten Gläsern und 5.000 € sind gleich mal weg und 3-4 Kilo mehr im Fotorucksack!

Kleine Sensoren – Vorteile und Nachteile

Kleinere Sensoren ermöglichen kleinere Bauweisen von Kameras und Objektiven, sind meist günstiger in der Anschaffung und Fotografen, die mit leichtem Gepäck unterwegs sein müssen oder oft Telefotos schießen profitieren vom Cropfaktor (mehr dazu weiter unten). Aber Kameras mit kleineren Sensoren sind mitunter magerer ausgestattet, weiters haben kleinere Sensoren weniger Oberfläche, was sich bei wenig Licht mit stärkerem Bildrauschen bemerkbar macht und einige Objektivtypen wie z. B. lichtstarke Superweitwinkel existieren meist nicht.

KB-Äquivalent – Cropfaktor – Brennweitenverlängerung – Schärfentiefe

Diese Begriffe beschreiben das Verhältnis einer Brennweite zur Sensorgröße, wobei als „Referenz“ das KB-Format / Vollformat angesehen wird. Ein Vollformatsensor ist um den Faktor 1,6 größer als z. B. ein APS-C Sensor, das bedeutet ein 85 mm Objektiv zeigt an Vollformat einen anderen Bildausschnitt als an APS-C. Also werden aus 85 mm an APS-C in Wahrheit 85 mm x 1.6, also 136 mm? Nein, durch die geringere Sensorgröße ändert sich zwar der Bildausschnitt, aber nicht die Brennweite. 85 mm an APS-C ähneln dem Look von 136 mm an Vollformat, aber die auf Objektiven angegebene Brennweite ist ein ABSOLUTER WERT und macht keine wundersame Wandlung zu einem anderen Wert durch. Und wie verhält es sich mit der Schärfentiefe? Eine geringere Schärfentiefe sorgt dafür, dass sich das Motiv vom Hintergund besser abhebt und ist – lichtstarke Objektive vorausgesetzt – mit Vollformat in der Tat leichter zu erzielen. Macht eine geringere Schärfentiefe ein Foto zu einem besonderen oder besseren Foto? Kommt drauf an! Nicht wenige erfolgreiche Fotografen verwenden Kameras mit kleinen Sensoren und liefern erstklassige Fotos und nicht wenige Fotografen übertreiben es mit dem Effekt und verstehen nicht, warum ein Betrachter das Foto als „ unscharf “ bezeichnet.

Resümee

Jedes Sensorformat hat je nach Anwendungsfall Vor- und Nachteile, mit Besser oder Schlechter hat das aber nichts zu tun. Der wichtigste Faktor, die Bildgüte betreffend, bleiben die Objektive: Eine Nikon D850 oder Canon EOS 5D Mark IV wird schnell zur Witzfigur, wenn man keine hochwertigen Objektive verwendet – und jede Kamera mit MFT- oder APS-C Sensor mit hochwertigen Objektiven zum Vollformat-Killer! Wenn Vollformat, dann muss man auch in die besten Objektive investieren – was aber auch ein deutlich höheres Gewicht und Folgekosten mit sich bringt.

Die beste Kamera ist die, die am besten zu Euch passt. Fotografiert mit der Kamera, mit der Ihr zufrieden seid, egal ob MFT, Crop oder Vollformat, denn es gibt weder DIE Kamera noch DEN Sensor! Nur die Kamera, die ich gerne nutze und ohne darüber nachzudenken mit nach draußen nehme ist gut.

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