Vom Kamerakauf bis zum Fotoabend – Tipps für besseres Fotografieren

Fotografieren scheint prinzipiell sehr einfach: Ich kaufe eine Kamera und mache damit Fotos. Nein, so einfach ist es leider nicht, auf dem Weg zum guten Foto gibt es einige Stolpersteine. Beachtet man aber beim Kauf der Kamera, bei der Aufnahme und der Präsentation der Fotos ein paar Grundregeln, wird aus jedem ein guter Fotograf, dessen Fotos gerne gesehen werden.

1. Eure Ausrüstung

Welcher Kameratyp ist geeignet?

Zum Fotografieren benötigt man natürlich eine Kamera, doch die gibt es in allen Varianten. Für viele Fotofachhändler und Kamerahersteller ist der Fall meist klar: Ihr benötigt selbstverständlich (mehr oder weniger abhängig von Eurem finanziellen Spielrahmen) eine möglichst große und teure Kamera! 🙂 Ich halte dagegen und sage, Ihr braucht Eure individuelle Kamera, die Euch lange Spaß machen und begleiten wird. Preis und Kameratyp sind hierbei sekundär! Das zeichnet „Eure Kamera“ aus:

  • der Preis ist angemessen
  • das Modell ist leicht zu bedienen
  • alle Einstellungen sind nachvollziehbar
  • die Kamera ermöglicht mir wunschgemäße Fotos
  • sie ist immer dabei dank optimaler Größe und Gewicht
  • die Kamera macht selbst nach Jahren noch Spaß
  • die Bildqualität muss fantastisch sein

Was muss meine Kamera können?

Mit der Frage, was Ihr zukünftig fotografieren wollt, wird es schon komplizierter. Wie Ihr wisst, existieren einige Kameratypen, die alle je nach Anwendungsgebiet ihre Stärken und Schwächen haben. Wenn Ihr während eines Urlaubs, eines Ausfluges oder eines Städtetrips tolle Fotos bei meist guten Lichtverhältnissen machen wollt, benötigt Ihr eine andere Kamera als Fotografen, die (so wie ich) in alle Richtungen ausschweifen wollen. Hier meine persönliche Einschätzung der verschiedenen Kameratypen und ihrer optimalen Einsatzgebiete:

Hier die Vorzüge des jeweiligen Kameratyps:

  • Kompaktkamera: Leicht und passt in jede Tasche, insgesamt gute Bildqualität
  • Bridgekamera: Großes Brennweitenspektrum verfügbar, manuell einstellbar
  • Systemkamera: Kompaktheit und die Option, Objektive zu wechseln
  • DSLR: Das Schweizer Offiziersmesser für den Fotografen. Dank der technischen Eigenschaften ein wahres Multitalent in allen Situationen. Überragende Bildqualität, vorausgesetzt man betreibt die DSLR mit hochwertigen Objektiven!

Und schon fällt es einem gar nicht mehr so schwer, unter dem Wust an Kameratypen- und modellen das zu einem passende Produkt zu finden. 🙂

Fakten über Smartphones

Die DSLR hatte ich zwar nicht dabei, dafür aber das Smartphone, mit dem ich diese nette Lichtbrechung einer Glastür einfangen konnte.Viele Menschen meinen, dass man nur mit einer DSLR wirklich gute Fotos machen kann. Andere wiederum meinen, dass ein Smartphone eine „vollwertige Kamera“ sei, da inzwischen auch Starfotografen immer öfter mit dem Smartphone fotografieren. Ja, auch ich fotografiere gelegentlich mit dem Smartphone und bin mit der Bildqualität meines Samsung Galaxy S4 halbwegs zufrieden! Aber nur ein erfahrener Fotograf weiß, ab wann ein Smartphone fotografisch und technisch gesehen an seine Grenzen stößt. Und wenn ein Starfotograf mal ausschweift und mit einem Smartphone hochdotierte Fotos macht, ist das immer noch was anderes, als wenn ich es tue oder Ihr es tut: In anderen Worten: Quod licet Iovi, non licet bovi!

Fakten über DSLRs

Mein Setup (v.l.n.r.): Nikon D3100 mit NIKKOR 18-55mm f/3.5-5.6G AF-S VR DX, Olympus OM-1 mit Zuiko MC Auto-S 1:1,8/50 mm, dahinter NIKKOR AF-S DX 35 mm 1:1,8G, Nikon D5200 mit NIKKOR AF-S DX 18-105 mm 1:3,5-5,6G ED VRGefühlt wöchentlich werden uns DSLRs inklusive Zoom-Objektiv zu attraktiven Preisen nachgeworfen. Doch leider sind die mitgekauften Zoom-Objektive oft von eher mäßiger Qualität, was mit steigendem Anspruch zu Frust führt. Investiert man nicht in hochwertige Objektive, ist die Bildqualität nicht viel besser, als die einer Kompaktkamera. Eine DSLR ist somit allenfalls für Berufsfotografen und wirklich ambitionierte Hobbyfotografen eine Pflicht, Menschen, die kein großes Interesse an Fotografie- und Kameratechnik haben und während eines Urlaubes, Ausfluges usw. einfach nur gute Fotos schießen wollen, sind mit dem Kauf einer DSLR eher schlecht beraten!

Ein wenig Zukunftsmusik

Meiner Meinung nach gehört die Zukunft nicht etwa den DSLRs mit ihrer Mechanik, sondern den spiegellosen Systemen und z.B. Olympus und Panasonic zeigen mit ihren Modellen der Reihen OM-D bzw. LUMIX G, wohin die Reise mit Sicherheit gehen wird. Reden wir in 10 Jahren noch einmal darüber… 😉

Mein Tipp: Selbst mit einem Smartphone kann ich ein gutes Foto schießen, und selbst mit einer Nikon D4 ein schlechtes Foto. Bleibt rational, definiert Euch über Eure Fotografien und nicht über Preis und Größe Eurer Kamera. Stellt Ihr eines Tages fest, dass Ihr mit Eurer Kamera an die Grenzen des Machbaren stoßt, werdet Ihr ohnehin eine aus dem „Profi-Segment“ kaufen.

2. Besser fotografieren

Vorbereitung der Kamera

Das Menü der Nikon D5200. Alles klar?

Nachdem Ihr also Eure Kamera gefunden und gekauft habt, wollt Ihr natürlich so schnell wie möglich losziehen und Fotos machen. Doch bevor es losgehen kann, muss man sich leider erst mit den verflixten Einstellungen auseinandersetzen und gerade als Anfänger hat man oft keinen blassen Schimmer, womit man es hier zu tun hat. Wie geht man also am besten vor? Hier meine Tipps:

  • Lese das Handbuch der Kamera und verstelle nur dann etwas, wenn Du auch genau weißt, was Du da verstellst.
  • Lerne Deine neue Kamera kennen und mache zunächst einmal (ohne dem Anspruch, sofort preisverdächtige Fotos zu schießen) eine Menge Testfotos mit verschiedenen Einstellungen und unter verschiedenen Bedingungen.
  • Es ist keine Lösung, sich ganz auf Vollautomatiken und Motivprogramme zu verlassen. Wenn Dir Fachbegriffe aus der Fotografie (ISO-Wert, Belichtungszeit, Blende, Verschluss, Fokus, Brennweite, …) nichts sagen, helfen Dir GoogleWikipedia oder der Besuch eines Fotografiekurses weiter.
  • Lerne nicht nur die Fachbegriffe zu verstehen, sondern auch wie sich sich auf Dein Foto auswirken. Auch hier helfen Google, Wikipedia, ein Fotografiekurs oder ein gutes Buch über die Fotografie weiter.
  • Höre auf erfahrene Fotografen, wenn sie Dir etwas erklären, sei nicht stur oder beratungsresistent und lasse dich von Kritik und Rückschlägen nicht entmutigen.
  • Ohne Wenn und Aber! Nehme bitte Rücksicht auf Deine Umwelt und stelle dieses nervtötende „Piep-Piep“ der Fokussierung ab! Und falls Du einmal neben mir fotografierst, stelle es UNBEDINGT ab!
  • Stelle die Blitzautomatik ab! Bei Motiven, die weiter als 3-5 m entfernt sind, ist Blitzen völlig sinnlos, weiters stört es die Tierwelt und obendrein ist es z.B. in Kirchen, Museen und Galerien strengstens verboten!

Die Aufnahme

Nun habt Ihr Eure Kamera richtig eingestellt und Ihr zieht los. Doch was ist das Erfolgsrezept von hochdotierten Weltklasse-Fotografen? Wieso gibt es viele talentierte Hobbyfotografen, die keinen Cent mit der Fotografie verdienen? Und warum machen selbst hochbezahlte Profis mit teuren Kameras mitunter Scheißfotos?

Ganz einfach, es gibt kein Erfolgsrezept. Es ist diese individuelle Mischung aus Talent, Kreativität und ästhetischem Empfinden, die jedem Menschen innewohnt und dafür sorgt, ob das Foto gelingt und zum Hingucker wird – nicht mehr, nicht weniger! Ein paar Verhaltensweisen, die einem zu besseren Fotos und somit größerem Publikum verhelfen, gibt es aber:

  • Stelle vor der Aufnahme die Kamera korrekt ein, anstatt später am PC an Helligkeit, Kontrast und Sättigung herumzuschrauben. Gute Fotografen wissen bereits vor der Aufnahme, welche Einstellungen zum gewünschten Resultat führen.
  • Bildbearbeitungsprogramme sollten möglichst sparsam verwendet werden! Wenn Deine Fotos erst nach dem Einsatz von Retusche und „tollen Kreativ-Effekten“ vorzeigbar werden, solltest Du die Funktionstüchtigkeit Deiner Kamera oder Dein fotografisches Talent ernsthaft hinterfragen!
  • Denke vor der Aufnahme über Bildausschnitt und Perspektive nach. Es kann bei einem Motiv oft wahre Wunder bewirken, ein paar Schritte zur Seite bzw. in die Hocke zu gehen. Probiere es aus.
  • Vermeide unerwünschte Objekte (Unrat, Zigarettenstummel usw.) im Bild, indem Du sie möglichst vor der Aufnahme wegräumst. Ist meist leichter, als den Mist später am Rechner mühsam aus dem Foto zu stempeln.
  • Hole Dir ein Highlight bzw. Hilfsobjekt zum eigentlichen Motiv. Bei einem großen Insekt z.B. ist es hilfreich, eine Münze daneben zu legen, bei einer Landschaftsaufnahme kann das z.B. ein markanter Baum im Vordergrund sein.
  • Stelle Motive mittels Tiefenunschärfe frei, indem Du mit Offenblende fotografierst. Ein Blüte mit einem Blendenwert von beispielsweise f2,8 fotografiert hebt sich wunderschön vom verschwommenen Hintergrund ab. Anmerkung: Je hochwertiger die Optik, desto schöner dieser Effekt, den man auch Bokeh nennt.
  • Versuche, Dein Spezialgebiet zu finden. Wenn Deine Landschaftsaufnahmen laufend missraten, bist Du möglicherweise ein begnadeter Portrait-Fotograf, wenn Dir Portrait-Aufnahmen nicht besonders liegen, bist Du möglicherweise ein guter Tierfotograf, …?
  • Vermeide Einheitsbrei und versuche, ein Motto oder Thema (z.B. „Hydranten, Parkbänke, nachts am See, …“) in Deine Fotos zu bringen.
  • Mit Deinem individuellen Spezialgebiet und Motto bringst Du Deine persönliche Handschrift, den berühmten Roten Faden ins Spiel. In meinem Fall ist es z.B. die Vergänglichkeit, die in meinen Fotos immer wieder auftaucht. Und ich kenne einen Fall, wo ein kleiner, grüner Plastikfrosch um die Welt reist! 🙂

Was sind die tollsten Tipps ohne Beispielaufnahmen wert?

Wäre dieser schöne purpurn blühende Baum nicht gewesen, hätte ich das Foto gar nicht erst gemacht.

Was macht die Verzweigung des Baumes interessant? Natürlich der Klee, der darin wächst! :-)

Leider daneben. Hätte ich eine Cent-Münze daneben positioniert, wüsste man um die Winzigkeit des Farns.

An den Osterseen.

Ein Karibikstrand, aufgenommen 1999. Erst der Palmwedel im Vordergrund sorgt für das wahre Karibik-Flair!

Das Freistellen mittels Offenblende hebt die Schwebfliege perfekt von verschwommenen Hintergrund ab.

3. Spannende Präsentation der Fotos

Kennt Ihr das auch? Freunde und Familienmitglieder kommen aus dem Urlaub zurück und zeigen Euch auf einem schlecht kalibrierten Laptop-Monitor den gesamten Inhalt ihrer Speicherkarten, während Ihr aus Höflichkeit Interesse heuchelt. Und warum? Zum einen fällt es Außenstehenden schwerer, die Begeisterung für Fotos eines Ereignisses zu teilen, bei dem sie nicht dabei waren. Zum anderen nervt es, laufend doppelte, schiefe, nicht gedrehte, überbelichtete, verwackelte und unscharfe Bilder gezeigt zu bekommen. Darum nimm Deine Gäste mit auf eine spannende Reise, indem Du Ihnen nur eine erste Wahl Deiner Fotos zeigst. So gehe ich vor:

  1. Lege Dir eine vernünftige und nachvollziehbare Datei- und Ordnerstruktur für Deine Fotos zu und bearbeite niemals Originaldateien! Eine mögliche Verfahrensweise habe ich hier beschrieben.
  2. Habe ich z.B. 800 Fotos gemacht, lösche ich zunächst alle unscharfen und verwackelten, und behalte von ähnlichen Fotos nur das beste.
  3. Bei den verbliebenen Fotos gehe ich mit kritischem Blick heran und mustere (nicht löschen!) alles aus, das nichtssagend ist. Somit sollte maximal ein Drittel der Fotos übrig sein, was schon ganz gut ist, aber immer noch zu viel für einen netten Fotoabend, mit dem man nicht nur seinen tollen Urlaub zeigen, sondern auch sein fotografisches Talent untermauern möchte.
  4. Also nehme ich eine weitere Selektion vor. Wenn diese aus etwa 100 Fotos besteht, ich meinen Gästen zu jedem Foto etwas erzählen kann und sogar Feedback bekomme, habe ich alles richtig gemacht und meine Mitmenschen werden auch zukünftig gerne meine Fotos bestaunen.

Und so wie dieses Flickr-Album kann ein Best-of aussehen.

Natürlich machen einen diese Tipps noch lange nicht zu einem gut bezahlten Profi, doch nur ein Fotograf mit seiner individuellen Handschrift kann zu einem größeren Publikum kommen, alle anderen schwimmen lediglich in der globalen Fotosoße herum. Darum setzt Euch mit der Materie Fotografie sowie ihrer technischen und kreativen Facetten ernsthaft auseinander, und seid stets authentisch, originell und Neuem gegenüber aufgeschlossen.

In diesem Sinne… 😉

2 Kommentare bei „Vom Kamerakauf bis zum Fotoabend – Tipps für besseres Fotografieren“

  1. Peter Pichler sagt:

    Hallo Daniel, ich habe mit grossem Interesse den Beitrag gelesen. Der Artikel macht lust auf MEHR. Ich erinnere mich an meinen ersten fotografischen Ausflug mit der Nikon FE 2 mitte der 80er Jahre… grusel, schock, schreck… Gute Fotos machen dauert… Ein paar Jährchen Erfahrung, ausprobieren, gute Multivisionshows für die Inspiration und (etwas) Demut. Mehr wahrnehmen und weniger ‚glotzen‘.
    SYIH Peter

    1. Du sagst es! Ich sehe Fotografie als einen laufenden Lernprozess, der sich nicht nur auf tolle Kameras und Fachidiotien beschränkt, sondern auch auf die eigene Wahrnehmung der Umwelt. Will man ein Publikum für sich gewinnen, ist Letzteres ist sogar wichtiger! Das ist es, worauf ich in dem Beitrag hinaus wollte.

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