Was würde ich heute anders machen? Eine „Hättiwari“-Geschichte

Ein jeder kennt es, doch nur ungern redet man darüber: das Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Fehlentscheidung getroffen, nicht richtig gehandelt zu haben. Ja, auch ich habe schon so manch Chance auf etwas sausen lassen zu Gunsten einer Sache, die sich später als Irrweg entpuppt hat. Man sagt zwar, dass nur der Mensch „richtig gelebt“ hat, der am letzten Tag seines Lebens nichts bereuen muss, doch ich glaube nicht das es jemals einen solchen Menschen gab, noch jemals geben wird. Irgend etwas würden wir immer heute „anders machen“.

Leben wir also alle nicht „richtig“?

Keine Angst, es geht tatsächlich um Fotografie, nicht etwa um Jobs, Autos oder gar Frauen. 🙂 Es war in den späten Neunziger Jahren und ich suchte nach einer Chance, aus meinem ungeliebten Wohn- und Geburtsort München wegzukommen. Durch einen unglaublichen Zufall kam es auch bald dazu. Was folgte waren 7 Monate auf See – eine Zeit voller Strapazen und unvergesslicher Momente, eine Zeit, die mich nachhaltig geprägt hat. Ich war in St. Petersburg, New York, Schottland, Cornwall, Spanien, den USA, Kanada, auf den Azoren, in der Karibik, …. Ich sah das unbeschreibliche Dunkelblau des Atlantiks, die türkisblaue karibische See, den rosafarbenen Sand der Bermudas, das Planktonleuchten, den Sternenhimmel über dem Ozean, …

Und mit was lief ich Depp damals herum? Mit einer billigen, blöden Kompaktknipse!!!

Mann, was könnte ich mich heute noch darüber aufregen! Ich habe damals unglaublich gut verdient und hätte nur in ein Fotogeschäft hineinspazieren müssen, um eine ordentliche Spiegelreflexkamera, ein paar lichtstarke Linsen sowie hochwertige Diafilme zu kaufen, um das zu tun, was ich heute gerne tue: schöne Fotos von den schönsten Orten dieser Welt zu schießen! Leider hatte die Fotografie für mich damals noch nicht den Stellenwert, den sie heute hat, und um meine Fotografiekenntnisse war es ebenfalls schlecht bestellt. Somit blieb es bei der Knipserei und ebenso vielen Aufnahmen, insbesondere aus St. Petersburg, welche nichts geworden und somit unwiederbringlich verloren sind!

So! Und jetzt ist mein „Hättiwari“ raus!

Ich bedaure zutiefst meine damals noch nicht vorhandenen Fotografiekenntnisse von heute, mein damaliges Desinteresse an einer vernünftigen Kameraausrüstung und ich bedaure, das ich die Gelegenheit zu einer Seereise inklusive sehr gutem Verdienst mit Sicherheit nicht mehr bekommen werde. Sehr, sehr viele tolle Motive und unwiederbringliche Momente sind dadurch für immer verloren!

Mein Fazit:

Eine gute Kamera ist ein Muss, ebenso wie Grundkenntnisse der Fotografie! Denkt immer daran, wenn Ihr versucht, einen möglicherweise einmaligen Moment mittels verwackelter und/oder verrauschter Smartphone-Bildchen festzuhalten!

Doch zumindest eines könnte kein Foto der Welt ersetzen: all die Bilder dieser Zeit in meinem Gedächtnis! 🙂 Hier sehr Ihr ein paar Aufnahmen von damals – sind zwar keine Weltklasse-Fotografien, aber sie zählen heute noch zu meinen Lieblingsfotos:

Oktober 1998: Surreale Lichtstimmung vor Norwegens Küste.Oktober 1998: Zwei Marineschiffe vor Sonnenuntergang. Oktober 1998: Surreale Lichtstimmung vor Norwegens Küste. Oktober 1998: Surreale Lichtstimmung vor Norwegens Küste.Jänner 1999: Sonnenuntergang am Karibikstrand.Februar 1999: Die damalige Kulisse Manhattans zur Blauen Stunde.Februar 1999: New York City - Empire State Building. Februar 1999: New York City - World Trade Center (Ausschnitt). Februar 1999: New York City - World Trade Center (Ausschnitt).

Ein Kommentar bei „Was würde ich heute anders machen? Eine „Hättiwari“-Geschichte“

  1. Peter Pichler sagt:

    Hallo Daniel, im Nachhinein ist man immer gescheiter… Es sind doch die unwiederbringlichen Momente: staunen, erleben, sein… in denen man lebt und liebt. Erinnerungsfotos sind das was sie sind: Erinnerungsfotos. Basta!
    Die Frage ist vielmehr: Was habe ich dabei gespürt? Wie habe ich mich gefühlt? Hoffentlich „gut“.
    Syih
    P.

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