Wie ich unscharfe und verwackelte Fotos vermeide

Jeder Fotograf, egal ob Anfänger oder Experte kennt dieses leidige Phänomen, dass Fotos verwackelt oder unscharf sind, obwohl man eigentlich alles richtig gemacht hat. Manchmal kann einen das schier zur Verzweiflung treiben. Hier möchte ich meine Verfahrensweisen beschreiben, mit denen ich beim Fotografieren möglichst wenig derartigen Ausschuss produziere.

Verwackelte Fotos und Bewegungsunschärfen

Bei einem verwackelten Bild ist man in der Regel selbst die Ursache, da man nie völlig ruhig hält. Die Wahrscheinlichkeit für ein verwackeltes Foto ist besonders hoch, wenn ich ohne Stativ mit einer Belichtungszeit länger als 1/50 Sek. und/oder mit einer Brennweite jenseits der 150 mm fotografiere. Ist es hingegen das Motiv, das verwackelt ist, spricht man von der Bewegungsunschärfe. In beiden Fällen reicht als Gegenmaßnahme, die Belichtungszeit entsprechend zu verkürzen. Aber um schnelle Bewegungen einzufrieren, muss ich die Belichtungszeit wie im Beispielfoto des spielenden Hundes drastisch verkürzen. Tipp: Klicken macht Foto groß. 😉

Terry beim Fangen eines Schneeballs. Bel.zeit: 1/3200 sek.; Blende: f5,6; ISO: 800

Maßnahmen gegen verwackelte Fotos und Bewegungsunschärfen:

  • Eher unprofessionell – die „Dauerfeuer-Methode“. Ich schieße viele Bilder der selben Szene und „eines davon wird dann schon passen“. Dies habe ich mir aber abgewöhnt, zu analogen Zeiten wäre das übrigens ganz schön teuer geworden!
  • Ich versuche stets mit Belichtungszeiten von mindestens 1/250 Sek. zu fotografieren. Will ich Bewegungsunschärfen vermeiden, versuche ich sogar Belichtungszeiten von 1/1000 Sek. und kürzer zu erreichen. Um diese Mindestwerte erreichen zu können, öffne ich je nach Motiv die Blende oder fotografiere mit hohen ISO-Werten. Mitunter kommen – auch wenn viele mich jetzt sicher für verrückt erklären werden – ISO 800 und mehr sogar bei Sonnenschein zum Einsatz. Doch mit leichtem Rauschen im Bild kann ich prima leben, mit einem verwackelten Bild hingegen gar nicht! Anmerkung: Je moderner die Kamera bzw. je größer der Bildsensor, desto weniger „rauscht“ die Aufnahme bei hohen ISO-Werten.
  • Fotografiere ich mit Brennweiten jenseits der 150 mm, nutze ich neben der erwähnten kurzen Belichtungszeit auch die Bildstabilisierung und einen möglichst festen Stand der Kamera. Ein Stativ oder wenigstens eine feste Unterlage zum Ablegen oder Abstützen ist ebenfalls hilfreich. Und um beim festen Stand zu bleiben: Ein Fotograf, der außer Atem ist oder 2 Kannen Kaffee getrunken hat, kann gar keine ruhige Hand haben und wird definitiv viel Ausschuss produzieren. 😉 Und auch eine richtige Atemtechnik beim Fotografieren sollte keinesfalls unterschätzt werden! Die Atmung sollte langsam und gleichmäßig sein, ausgelöst wird idealerweise beim Ausatmen.

Unscharfe Bilder und ihre vielfältigen Ursachen

Mit der eben beschriebenen Vorgehensweise lassen sich verwackelte Aufnahmen recht einfach vermeiden. Bei unscharfen Bildern ist das leider nicht mehr ganz so einfach. Jeder, der fotografiert, kennt diese Fotos, bei denen kurioserweise der fokussierte Ausschnitt oder gar das ganze Foto eine Unschärfe hat. Dabei hat man eigentlich alles richtig gemacht: eine kurze Belichtungszeit gewählt, ein Stativ zur Hilfe genommen, den Bildstabilisator aktiviert und sauber fokussiert. Und genau bei der Fokussierung liegt fast immer der Fehler: Man denkt zwar, dass man richtig fokussiert hat, aber dass die Kamera tatsächlich ein anderes Objekt, das etwas weiter vorne oder hinten lag, fokussiert hat, konnte man auf dem Kameradisplay oder im Sucher natürlich nicht erkennen. Hier drei Beispiele, in denen man die fehlerhaften Fokussierungen gut erkennen kann:

Hier sollte der Fokus auf dem Blütenstand liegen, tatsächlich ist er ein paar mm weiter unten, was stattdessen die Läuse am Stiel und die Krabbenspinne hinter den Blütenblättern sichtbar macht.Voll daneben! Der Fokus sollte auf dem Käfer liegen, tatsächlich liegt er weiter hinten.Hier sollte der Fokus auf der Mitte der Blüte liegen, tatsächlich liegt er aber ein wenig weiter oben und hinten, wie man an der Schärfe der oberen Blütenblätter bzw. des grünen Blattes dahinter erkennen kann.

Eine kurze Erklärung zum Autofokus

Der Autofokus einer Kamera benötigt klare und kontrastreiche Unterschiede im zu messenden Bereich des Motivs. Ist der fokussierte Bereich oder gar das ganze Motiv zu hell oder zu dunkel oder es fehlen Kontraste, kann die Kamera auch nicht fokussieren. Dies ist der Grund, warum der Autofokus seinen Dienst verweigert, wenn man beispielsweise versucht, den blauen Himmel, die Sonne, bei Nacht oder eine weiße Wand zu fokussieren.

Kameras mit hoher Pixeldichte auf dem Bildsensor sind „im Nachteil“

Kameras mit hoher Pixeldichte auf dem Sensor sind deutlich anfälliger für verwackelte und unscharfe Fotos, als solche mit geringerer Pixeldichte, weil selbst kleine Fehler durch ihre Empfindlichkeit schneller sichtbar werden. Darum hat die Nikon D800 auch den Ruf einer „Diva“. 🙂 Dies sollte man beim Kauf einer Kamera bedenken und entsprechend sauberer muss man auch fotografieren.

Fehlfokussierungen – Was kann man dagegen tun?

Fehlfokussierungen lassen sich beim Gebrauch des Autofokus leider nie ganz vermeiden, weil die Kamera gar nicht wissen kann, was Du fokussieren willst. Man kann sie allenfalls minimieren. Hier meine Methoden:

  • Bereits erwähnte „Dauerfeuer-Methode“ kommt hier gelegentlich zum Einsatz, d.h. ich schieße immer zwei, drei Fotos der selben Szene, jedoch nicht im Serienbildmodus und außerdem fokussiere ich für jedes Foto neu. Das beste Foto behalte ich dann.
  • Wenn ich ein nahes Motiv mit einem lichtstarkem Objektiv fotografiere und eine schöne Tiefenunschärfe erzielen will, ist es nicht unbedingt erforderlich, mit einer Blende von beispielsweise f1,8 zu fotografieren, da bei einem solchen Wert die optimale Schärfe nur im Millimeter-Bereich liegt und dadurch selbst kleinste Fehler in der Fokussierung sofort sichtbar werden. Darum wähle ich bei nahen Motiven gerne Werte zwischen f4,5 bis f8, mit denen immer noch problemlos eine schöne Tiefenunschärfe machbar ist. Um zu verdeutlichen, was ich mit Schärfe im Millimeter-Bereich“ meine und wie sich der Schärfebereich mit dem Schließen der Blende erhöht, drei mit f1,8, f8 und f22 aufgenommene Beispielaufnahmen:

Mit einer Blende von f1,8 aufgenommen.Mit einer Blende von f8 aufgenommen.Mit einer Blende von f22 aufgenommen.

  • Landschaftsaufnahmen bei Tageslicht sind etwas unkomplizierter, da in der Regel das Spiel mit der Tiefenunschärfe wegfällt und Fokusfehler nicht so dramatische Auswirkungen haben. Hier mache ich je nach Objektiv und Lichtverhältnissen die Blende gerne zu und fotografiere mit Werten zwischen f8 und f18.

Anmerkung: Nicht zwangsläufig haben Objektive die absolute Schärfe bei geschlossener Blende, sondern mitunter bei mittleren Blendenwerten. Um dies herauszufinden, montiert die Kamera auf ein Stativ, fotografiert eine Landschaft mit verschiedenen Blendenwerten und vergleicht die Schärfe der Testfotos in einem Bildbetrachter. So findet Ihr bei Euren Objektiven heraus, bei welcher Blende Eure Fotos am schärfsten werden.

  • Handelt es sich um einen dramatischen Sonnenuntergang, wird die Fokussierung der Sonne unter Umständen nicht gelingen. Hier greife ich zu einem Trick und fokussiere stattdessen auf „Unendlich“, d.h. ein anderes, weit entferntes „Hilfsmotiv“. Im Erfolgsfall stelle ich die Kamera sofort auf manuellen Fokus um und kann in Ruhe meinen Sonnenuntergang fotografieren.
  • Wenn die automatische Fokussierung nicht gelingen will oder ich keinerlei Risiko eingehen kann wie z.B. bei Makroaufnahmen, fokussiere ich manuell. Jedoch nicht über den Sucher, sondern über den Live-View der Kamera, mit dem ich in den zu fokussierenden Bildausschnitt reinzoomen kann und so volle Kontrolle über die Schärfe habe.

Diese Dinge sind ein Muss!

Zu Umsetzung meiner Methoden sollte man natürlich gutes Werkzeug parat haben. Wer ernsthaft fotografieren will, sollte eine Kamera, die es erlaubt, Einstellungen manuell vorzunehmen („P-,A-,S-,M-Modi“) und idealerweise ein Stativ besitzen. Und man sollte vor allem lernwillig sein, denn wer nur mit obskuren Motivprogrammen und Vollautomatiken fotografiert, für den werden meine Methoden großteils nutzlos sein.   

Meine Goldene Regel 😉

Beurteilt Eure Fotos nicht grundsätzlich nur nach ihrer Schärfe! Oft ist es der aufgenommene Moment, der wirkt und nicht die Schärfe. Hat man die Wahl zwischen einer perfekten Momentaufnahme mit nicht perfekter Schärfe und einer nicht perfekten Momentaufnahme mit perfekter Schärfe, so wird immer ersteres Foto gewinnen.

Wenn alles nichts mehr hilft…

Sollten trotz aller Vorsicht und aller beschriebenen Vorgehensweisen immer noch auffällig viele Fotos unscharf werden, kann es gut sein, dass ein technischer Mangel bei Kamera oder Objektiv vorliegt. Mit anderen Objektiven gemachte Vergleichsaufnahmen oder ein Besuch beim Fachhändler helfen Euch, dem Problem auf die Spur zu kommen.

Viel Spaß beim Nachmachen, gutes Gelingen und natürlich viele gute Fotos! 🙂