Wie man Fotos NICHT vor unerlaubter Vervielfältigung schützt

Der Wunsch nach einem effektiven Schutz eines (kreativen) Werkes vor unerlaubter Vervielfältigung ist legitim. Auch Fotografen versuchen, ihre Werke vor unerlaubter Vervielfältigung zu schützen und meist geschieht dies mittels Wasserzeichen und Rechtsklicksperren. Leider kommt es häufig vor, dass einige Individuen es mit diesen Schutzmaßnahmen derart übertreiben, so dass jede Freude am Foto bereits im Keim erstickt wird. Mit diesem Beitrag werde ich meine nicht allzu hohe Meinung über den teils inflationären Gebrauch dieser Schutzmaßnahmen unmissverständlich kundtun, aber auch alternative Wege vorstellen, die das Risiko einer unerlaubten Vervielfältigung von Fotos zumindest eindämmen.

Meins!

Wasserzeichen sind keine Erfindung der Neuzeit und der Sinn und Zweck der Wasserzeichen ist klar: Sie sollen die Betrachter einerseits auf die Urheberschaft hinweisen und andererseits das Foto für jedwede nicht genehmigte Verwendung unbrauchbar machen. Soweit also nichts Schlechtes. Mit dem Gebrauch von Wasserzeichen kann man es aber auch gewaltig übertreiben. Ein besonders drastisches Beispiel fand ich vor kurzen auf der Website einer Fotografin und das sah so wie in den beiden folgenden Beispielen aus:

Eine Steigerung des Grauens ist sogar möglich. Diese Variante habe ich bei einer namhaften Bildagentur gesehen. Ein fettes Wasserzeichen mitten ins Foto – die endgültige Form des Diebstahlschutzes, diese Fotos klaut garantiert keiner mehr!

Für mich wirken die soeben gezeigten Beispiele so als hätte man ein teures Auto aus Schutz vor Diebstahl prophylaktisch demoliert. Freilich kann jeder mit seinen Fotos tun was er will, aber wenn man die Bewunderung bzw. das Geld des Publikums will, sollte man bereit sein, über ein gewisses Diebstahlsrisiko hinweg zu sehen und ein einwandfreies Portfolio zu zeigen. Wer aus übertriebener Angst vor unerlaubter Vervielfältigung seine Fotografien derart verunstaltet, würde von mir weder ein Engagement noch eine Empfehlung bekommen!

Selbst habe ich noch bis vor kurzem Wasserzeichen in meine Fotos eingefügt, um diesen Blog zu bewerben, wenn ich Fotos auf Facebook usw. zeige. Inzwischen tue ich dies nicht mehr. Urheberrechtlich besitzen Wasserzeichen keinerlei Relevanz und für einen wirksamen Schutz vor dem Fotoklau habe ich sie ohnehin nie gehalten.

Es geht auch anders

Es spricht freilich nichts dagegen, ein Wasserzeichen in seinen Fotos zu platzieren. Mitunter kann das z. B. bei Aufträgen sogar erforderlich sein. Ein filigraner Schriftzug am unteren Bildrand oder ein im Eck platziertes Logo schränkt die visuellen Freuden kaum ein und wird daher (fast) niemanden stören. Ich habe zwei Beispiele angefertigt, in denen die Wasserzeichen (mich) kaum stören würden:

Doch so ein Wasserzeichen ist mit jeder Bildbearbeitungssoftware leicht zu entfernen und der Schutz gegen den Fotoklau somit dahin. Für einen wirksamen Schutz müssen also andere Methoden her.

Rechtsklicksperren und transparente Pixel

Ebenfalls beliebt, aber wirkungslos sind die beiden folgenden Varianten:

  • die Rechtsklicksperre, die bei einem Rechtsklick auf das Foto statt dem Rechtsklick-Kontextmenü z. B. einen Copyright-Hinweis zeigt
  • das transparente Pixel, das hochskaliert über ein Foto gelegt wird, so dass man mittels Rechtsklick stets das transparente Pixel speichert

In beiden Fällen könnte man den Umweg über die Screenshotfunktion und Bildbearbeitung gehen oder ich nehme eines der vielen Download-Plugins, wie es sie für jeden Webbrowser gibt, zur Hilfe.

Gibt es gar keinen Schutz vor dem Fotoklau?

Fakt ist: Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz, denn grundsätzlich ist jeder im Netz gezeigte Content kopierbar. Will ich um jeden Preis verhindern, dass mein Werk vervielfältigt wird, darf ich es nicht im Internet zeigen. Ja, streng genommen dürfte ich meine Fotos nicht einmal in Drucksorten oder Ausstellungen zeigen, weil jemand einen Scan oder ein Foto meines Fotos machen könnte!

Ich kann das Risiko allenfalls minimieren: So zeige ich im Netz meine Fotos niemals in voller Größe, sondern in einer Dimension, die für die Betrachtung auf handelsüblichen Bildschirmen groß genug ist. Damit ist die unerlaubte Verwendung in höherwertigen Drucksorten de facto ausgeschlossen, da es dafür eine hohe Bildauflösung braucht.

Was tun bei Fotoklau?

Reden wirkt oft wahre Wunder! Solltet Ihr eine nicht autorisierte Verwendung Eurer Fotos entdecken, ist es meist zielführender, die betreffende Partei höflich aber bestimmt auf den Verstoß hinzuweisen als gleich mit der juristischen Keule zu drohen. Sollte ein User eines Dienstes wie Flickr, 500px, Facebook usw. gehen Eure Urheberschaft verstoßen, genügt im Regelfall eine Nachricht an den Betreiber.

Nur handelt bitte mit Augenmaß! Es ist ein Unterschied, ob eine Firma meine Fotos unerlaubt verwendet oder Frau Mustermann ein Foto aus meinem Blog kopiert und für die Einladungkarten zu ihrem 40er verwendet. Dies geschieht sicher nicht in der Absicht, sich auf meine Kosten zu bereichern.

Fazit

Warum zeige ich meine Fotos im Netz? Weil ich sie für gut befinde und überzeugt bin, dass es Menschen da draußen gibt, denen ich mit meinen Fotos eine große Freude mache. Doch kein Foto wird durch Wasserzeichen schöner und es ist in meinen Augen völlig lächerlich davon auszugehen, dass die Welt voller Fotodiebe sei und nur darauf gewartet hätte, sich an meinen besten Fotos zu bereichern. Mit dem geringen Restrisiko, „bestohlen“ zu werden, sollte jeder Fotograf, der die Öffentlichkeit sucht, eigentlich umgehen können und darum halte ich auch absolut gar nichts davon, Fotos mit großflächigen Wasserzeichen zu verunstalten.

Als eine Art Markenzeichen mögen Wasserzeichen fallweise Sinn machen, doch als Schutz vor dem Fotoklau sind sie, will man nicht so wie die beiden eingangs erwähnten Negativbeispiele verfahren, wirkungslos.

In diesem Sinne… 😉