Wie ich Schwarzweißfotos mache

Jeder kennt sie und jeder mag sie: Stimmungsvolle, klare Schwarzweißaufnahmen. Zu analogen Zeiten war der Fall klar: Wollte man in Schwarzweiß fotografieren, kaufte man entsprechende Filme des präferierten Herstellers und fotografierte damit. Aber wie macht man eigentlich mit einer Digitalkamera gute Schwarzweißfotos? Hier erfahrt Ihr meine Vorgehensweise.

Die Vorbereitung

Ein Foto in Graustufen zu konvertieren oder die Farbsättigung zu verringern alleine macht noch lange kein gutes SW-Foto! Und in der Kamera als Bildstil „Schwarzweiß“ zu wählen ist eine schlechte Methode, weil ein Bildstil unmöglich für jedes Foto geeignet sein kann. Nebenbei bemerkt haben Bildstile auf das Rohdatenformat keine Auswirkung (warum das so ist, habe ich hier erklärt). Mein Rat – egal ob Raw oder JPG – deaktiviert alle Bildstile und alle bildverbessernden Parameter! Nur aus einem absolut neutralen Farbfoto kann ich mittels Bildbearbeitung alles herausholen. Und damit meine ich nicht nur Schwarzweiß! Und macht niemals den Fehler und bearbeitet oder überschreibt Originaldateien! Warum man das nicht tut, muss ich hoffentlich nicht erklären!

Ich fasse also zusammen: Bildmodus: Farbe, Bildstil: Neutral, Format: Raw oder JPG, Bildbearbeitung jedweder Art nur mittels Bildbearbeitungssoftware! Und niemals Originaldateien bearbeiten!

Anmerkung: Meine Tipps können auch auf Film angewendet werden. Probiert es aus!

Wie man es nicht macht

Ich werde meine Vorgehensweisen anhand des folgenden Fotos demonstrieren und habe zur Veranschaulichung einen RGB-Keil eingefügt. Zur Information: RGB (Rot, Grün, Blau) steht für die drei Farbkanäle, die in Mischung die Farben, wie wir sie auf dem Monitor sehen, bilden. Hier also mein Beispielfoto in einem absolut neutralem Bildstil:

Farbfoto mit RGB-Keil

Verringere ich nun die Sättigung, erhalte ich folgendes Ergebnis:

Farbfoto mit RGB-Keil (Farbsättigung verringert)

Nicht gerade schön oder? Am RGB-Keil erkennt man außerdem sehr gut, das die Farbkanäle jetzt das gleiche Grauäquivalent besitzen. Wandle ich mein Foto in Graustufen um, erhalte ich ebenfalls ein nicht besonders schönes Resultat. Hier seht Ihr die Ergebnisse der Konversion mit Photoshop:

Konversion in Graustufen mit Adobe Photoshop

Nein, das ist immer noch nicht das Wahre. Was ich will, ist ein lebendiges, klares und kontrastreiches SW-Foto! Wie geht man also vor?

Wie man es macht

Grundvoraussetzung für ein gutes SW-Foto ist, für alle Farbtöne bzw. Farbkanäle ein möglichst passendes Grauäquivalent zu finden. Wie man das findet, dafür gibt es mehrere Vorgehensweisen. Hier stelle ich Euch meine vor:

Farbfilter

Farbfilter bewirken eine Veränderung der Grautonumsetzung. In der Analogfotografie schraubte man die Farbfilter auf das Objektiv. In der Digitalfotografie sind Farbfilter bedeutungslos geworden, denn heutzutage simuliert man sie in der Bildbearbeitung. Hier seht Ihr die Auswirkung von Farbfiltern. Achtet außerdem auf die Veränderung des RGB-Keils:

Auswirkung von Farbfiltern in der SW-Fotografie

SW-Mischung im Raw-Konverter

Entwickelt Ihr Eure Fotos so wie ich mit Adobe Lightroom, stehen Euch diverse SW-Presets zur Verfügung. Aber auch in anderen Raw-Konvertern findet Ihr solche SW-Presets. Konvertiert Ihr in Lightroom ein Foto in SW (im Modul „Entwickeln“ unter „Grundeinstellungen“), erzeugt das Programm eine automatische Abmischung der Farben. Diese könnt Ihr unter „Entwickeln“ und „S/W“ nach Belieben anpassen. In RawTherapee findet Ihr die individuelle Anpassung rechts oben unter „Farbe“ und „Schwarz/Weiß“.

Die Funktion „Schwarzweiß“ in RawTherapee

SW-Mischung in Photoshop

In Photoshop könnt Ihr Eure Fotos mit den Funktionen „Bild“, „Korrekturen“, „Kanalmixer“ oder „Bild“, „Korrekturen“, „Schwarzweiß“ umwandeln. Ich empfehle letztere Funktion, weil sie eine Anpassung von Farbtönen und nicht nur der Farbkanäle erlaubt. Hier seht Ihr die Einstellungen einer Rotfilter-Simulation im „Kanalmixer“:

Das Rotfilter-Preset im Kanalmixer

und hier in der Funktion „Schwarzweiß“:

Die Funktion „Schwarzweiß“ bietet eine feinere Anpassung

Die individuelle Abmischung

Diese Variante ist die beste, erfordert allerdings ein sehr gutes Auge, einen sehr guten Monitor und viel, viel Erfahrung. Obwohl ich über mittlerweile 20 Jahre Erfahrung mit Photoshop verfüge, bevorzuge ich es nach wie vor, meine SW-Fotos basierend auf einem Preset zu erzeugen. Auch hier könnt Ihr mit den beiden genannten Funktionen in Photoshop arbeiten und auch mit anderen Bildbearbeitungsprogrammen hat man Möglichkeiten. Hier zeige ich Euch eine einfache SW-Konversion mit dem Faststone Image Viewer.

Anmerkung: Alles was wir nun benötigen, sind die Funktionen „Farbton / Sättigung / Dynamik“, „RGB“, „Gradationskurven“ sowie „Helligkeit und Kontrast“. Da diese Funktionen Bestandteil jedes brauchbaren Bildbearbeitungsprogrammes sind, lässt sich folgendes mit Gimp, IrfanView usw. ebenso umsetzen:

  • Öffnet das Foto im Faststone Image Viewer
  • Wählt unter „Farben“ die Funktion „Farben korrigieren“ (Strg + E)
  • Setzt den Sättigungsregler auf -100
  • Bewegt die Regler für Rot, Grün und Blau solange, bis das Ergebnis gut aussieht. In meinem Beispiel habe ich Rot auf 0, Grün auf -50 und Blau auf 150 gesetzt.

Das Foto sieht danach so aus:

Mit dem Faststone Image Viewer erzeugtes SW-Foto

Im RGB-Keil sieht man, dass der Rotkanal wie Grau, der Grünkanal wie Hellgrau und der Blaukanal wie Dunkelgrau wirkt. Trotzdem fehlen zu einem schönen SW-Foto noch ein paar Arbeitschritte.

Kontrast

SW-Fotos leben vom Kontrast und von dem vertragen SW-Fotos im Gegensatz zu Farbfotos eine ganze Menge! Daher geizt bitte nicht mit Kontrast und dreht den Kontrastregler ruhig schön hoch. Ich nehme mir noch einmal meine Konversion aus dem Image Viewer vor, öffne wieder „Farben korrigieren“ und drehe jetzt:

  • den Kontrast auf 90
  • die Helligkeit auf -25

und erhalte folgendes Ergebnis:

Ein starker Kontrast macht viele SW-Fotos erst brilliant

Die Stärke des Kontrastes ist freilich Geschmacksache, aber ich finde, jetzt sieht das Motiv richtig dramatisch aus. Zufrieden bin ich aber trotzdem noch nicht ganz, weil das Foto schon sehr hart wirkt. Darum wandle ich Schwarz gerne in ein dunkles Grau und füge einen minimalen Farbstich hinzu. Also wieder in den Image Viewer, unter „Farben“ die Funktion „Gradationskurven“ auswählen, die RGB-Kurve am Anfasser unten links leicht nach oben gezogen, bis Schwarz als Dunkelgrau erscheint. Für eine leichte Blautonung ziehe ich jeweils die Kurven für Rot und Blau ebenfalls unten links nach oben, jedoch nur ganz wenig und blau stärker als rot. Hier das Ergebnis:

Mein SW-Foto mit Abschwächung von Schwarz sowie einer leichten Blautonung

Ebenfalls hübsch kann bei SW eine leichte Vignette sein. Hierfür benötigt Ihr aber ein Bildbearbeitungsprogramm. Ich zeige Euch wie ich das in Photoshop mache:

  • Ich erzeuge eine neue Ebene über der Bildebene
  • In dieser neuen Ebene erzeuge ich einen absolut runden Verlauf von Schwarz (außen) nach Transparent (innen). Die Transparenz muss sich in der Bildmitte befinden.
  • Bin ich mit dem Verlauf zufrieden, stelle ich den Ebenenmodus auf „Multiplizieren“ und passe die Deckkraft wunschgemäß an.

Das fertige SW-Foto sieht dann so aus:

Eine leichte Vignette kann in SW-Fotos gut aussehen

Hier der Vergleich mit dem Ausgangsfoto:

und der Vergleich mit der SW-Konversion, die ich mittels Entsättigung erzeugt habe:

Fazit

Mit etwas Übung sind gute SW-Fotos kein Hexenwerk mehr und Ihr seht, das für gute SW-Fotos nicht einmal teure Software erforderlich ist. Was Euch allerdings weder teure Software noch ich abnehmen kann, ist die Entscheidung, ob ein Foto ein gutes SW-Foto oder ein besseres Farbfoto ist. Die muss bei jedem Fotos aufs neue getroffen werden und ist oft alles andere als leicht. Wie ich das entscheide, darüber habe ich hier geschrieben und solange Ihr eine unbearbeitete Originaldatei zur Verfügung habt, stehen Euch alle Möglichkeiten jederzeit offen.

Viel Spaß beim Nachmachen! 🙂

 

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie, in der ich anfängerfreundliche Tipps und Tricks gebe. Für Ideen und Vorschläge bin ich jederzeit offen.