Wie meine Fotos stets scharf werden

„Wieso sind Deine Fotos immer so schön scharf?“ Gar nicht so selten wird mir diese Frage gestellt, darum habe ich beschlossen, meine Vorgehensweisen näher zu erläutern, mit denen ich je nach Verwendungszweck die höchstmögliche Bildschärfe aus meinen Fotos heraus hole. Und schon geht es los:

Die richtige Kameraeinstellung

Es macht Sinn, in der Kamera alle bildverbessernden Parameter komplett abzustellen, um möglichst neutrales Bildmaterial zur Verfügung zu haben. Besser Ihr legt all diese Parameter in der anschließenden Bildbearbeitung fest. Filmt Ihr mit Euren Kameras, so macht es ebenfalls Sinn, diese Parameter zu deaktivieren, da diese auch auf das Videobild angewendet werden und auch im Film eine Bildbearbeitung in der Postproduktion sinnvoller ist. Falls Ihr aber die Fotos und Videos wie z. B. beim Smartphone direkt und ohne die Zwischenstation Bildbearbeitung verwendet, müsst Ihr diesen Beitrag gar nicht erst fertig lesen. :-)

Den Verwendungszweck festlegen

Ein Foto, das man für Drucksorten wie z. B. Leinwand oder Fotopapier verwendet, benötigt eine andere Qualität wie eines, das nur auf Monitoren bzw. Social-Media-Kanälen gezeigt wird. Entsprechend müssen auch Bildgröße und -schärfe angepasst werden. Für den Print ist der Fall meist klar: So groß wie nötig und nur eine moderate Schärfung. Doch für die Darstellung online reicht normalerweise eine Bildgröße von 720 px (kurze Seite) und es darf es ruhig etwas schärfer sein.

Was benötige ich?

Außer einem PC und einem gut eingestelltem Monitor nichts weiter. Billige oder „poppig-bunt“ eingestellte TFT-Monitore sind ungeeignet, leider ist dies bei Notebooks häufig der Fall. Stellt also bitte Eure Monitore möglichst neutral ein, bevor Ihr mit der Bildbearbeitung beginnt. Eine Bildbearbeitung ist nicht nur mit Adobe Photoshop, sondern auch mit anderen teils kostenlosen Tools wie z. B. Gimp, Photoshop Elements usw. problemlos möglich. Fotografiert Ihr im Rohdatenformat, bietet Euer bevorzugter RAW-Konverter Werkzeuge zur Bildschärfung an.

Meine Vorgehensweise

In Adobe Photoshop verwende ich den Filter „Selektiver Scharfzeichner“ und passe die Schärfeparameter an, indem ich in das Foto auf 100 % hinein zoome und mir eine kontrast- und detailreiche Stelle im Bild zur Orientierung suche. Kommen die Fotos aus einem RAW-Konverter wie Adobe Lightroom, lege ich die Schärfung im Modul „Entwickeln“ unter „Details“ fest, in kostenlosen RawTherapee findet Ihr die Schärfefunktion rechts oben unter „Detail“ (ALT-D) und „Schärfung“. Auch hier zoome ich auf 100 % an eine kontrast- und detailreiche Stelle im Foto und lege die Parameter fest. Hier seht Ihr die Schärfefunktion in Adobe Lightroom im Vergleich zum Originalbild aus der Kamera:

Ein Patentrezept gibt es nicht und daher kann ich Euch auch keine, die optimale Bildschärfe betreffende Richtwerte geben. Hier ist also Euer persönliches Empfinden und Einschätzungsvermögen gefragt.

Für die Verwendung online

Für den Upload im Netz bzw. auf Social Media Kanäle reicht fast immer eine niedrige Auflösung. Alle Fotos, die ich im Netz zeige, haben fast immer eine maximale Bildgröße von 720 px auf der kurzen Seite. Das ist groß genug für eine Ansicht auf den meisten Endgeräten und klein genug um eine unerlaubte Verwendung in Printmedien zu verhindern. Und obendrein reduziert sich die Dateigröße, denn es nervt den User, wenn es zu lange dauert, bis ein Foto angezeigt wird oder man sein mobiles Datenkontingent unnötig strapaziert. Und so gehe ich vor:

  • Nachdem ich meine Fotos als fertige JPG-Dateien zur Verfügung habe, rechne ich diese mit der Batchfunktion von Faststone image Viewer herunter. Wie man diese Batchfunktion verwendet, habe ich hier bereits erläutert.
  • Ich wähle die zu neuberechnenden Dateien aus und drücke F3 bzw. gehe in der oberen Menüleiste auf „Werkzeuge“ auf „Ausgewählte Bilder umwandeln“.
  • Nun lege ich alle Parameter wie Ausgabeformat, Ausgabeordner usw. fest, klicke aber zusätzlich auf das Feld „Erweiterte Funktionen“, das erscheint, nachdem man einen Haken in der gleichnamigen Auswahlbox gesetzt hat.
  • In dem neuen Fenster, das sich geöffnet hat, gebe ich die Werte für die Größenänderung und Schärfung des Fotos wie in den beiden folgenden Beispielen zu sehen ein:

  • Zusätzlich zur Bildschärfung kann ich eine leichte Anhebung von Kontrast, Sättigung, Gammawert usw. anwenden und mit der Funktionstaste „Design und Vorschau“ kann ich die Auswirkungen aller eingegebenen Werte jederzeit überprüfen.

  • Habe ich alle Parameter festgelegt, klicke ich auf „OK“, dann auf „Umwandeln“ und die Neuberechnung meiner Fotos läuft automatisch ab.

Tipps

  • Dies ist kein Tutorial zur Rettung von unscharfen und verwackelten Fotos, denn solange Ihr nicht irgendwelche unwiederbringlichen Ereignisse oder Fabelwesen fotografiert habt, sollten derartige Fotos stets Löschkandidaten sein. Über die Ursachen und Vermeidung verwackelter und unscharfer Fotos habe ich bereits hier geschrieben.
  • Falls Ihr Portraitfotografie betreibt, geht bei der Schärfung der Fotos besonders behutsam vor, weil es kein Model gerne sieht, wenn jedes Härchen und jede Pore allzu deutlich hervorsticht.
  • Sobald sich wie in folgendem Bild an den Übergängen zwischen Fels und Himmel zu sehen helle Säume bilden, hat man es mit der Schärfung übertrieben. Klickt auf das Bild und Ihr seht was ich meine:

Die Säume an den Kontrastkanten beweisen es: Dieses Foto ist überschärft.

  • Die Schärfung der Fotos muss unter allen Umständen der definitv letzte Arbeitsschritt vor dem Speichern sein! Erst nachdem ich alle Parameter inkl. der endgültigen Bildgröße festgelegt habe, passe ich die Bildschärfe an.
  • Adobe Lightroom bietet im Exportmenü unter „Ausgabeschärfe“ eine Schärfung für Bildschirm sowie mattem und glänzendem Papier an. Ich persönlich mache von dieser reichlich obskuren Funktion keinen Gebrauch und schärfe wie oben beschrieben nur in Lightroom selbst.
  • Im Internet finden sich Tools, die sich „Web Sharpener“ oder „Sharpen4Web CC“ nennen und die ultimative Schärfe für die Präsentation online versprechen. Ich bin zwar der Meinung, dass das jedes Bildbearbeitungsprogramm genauso gut hinbekommt, aber wem es hilft…
  • Überschreibt niemals Originaldaten, sondern speichert Euer Werk immer als Kopie, denn eines Tages werdet Ihr das bitter bereuen!

Mein Fazit

Egal ob Foto oder Film, mit ein wenig Aufwand ist es ganz leicht, scharfe und brilliante Fotos zu bekommen. Wie immer isst das Auge mit und das schärfer und brillianter wirkende Foto wird immer das Rennen machen. Jedoch sollte man sich nicht dazu verleiten lassen, es mit der Bildbearbeitung zu übertreiben, da nach meiner Ansicht die heutigen Sehgewohnheiten leider zu sehr an überschärftes und zu buntes Bildmaterial gewohnt sind. Die bonbonfarbenen und überschärften Demovideos, die in den einschlägigen Fachmärkten auf allen Ultra HD Fernsehern in Endlosschleife laufen, beweisen es. Auf diesen Aspekt will ich hier aber nicht weiter eingehen. Hauptsache man hat Spaß am Fotografieren und übertreibt es nicht mit der Bildbearbeitung.

Nun aber viel Spaß beim Nachmachen und gutes Gelingen. :-)

2 thoughts on “Wie meine Fotos stets scharf werden

  1. Hallo Daniel,

    ich weiß, PS ist ein sehr mächtiges Werkeug. Man muß sich damit auskennen, das ist extrem komplex. Möchtegerne und ausprobieren führt ins Fotonirwana.
    Rawtherapee ist besser überschaubar. Die essentiellen fotoverbessernden Einstellungen kann man damit gut realisieren, vorausgesetzt man weiß es :-) – das ist ein Wink!!!

    Gut Licht…
    Peter

    • Ausprobieren schadet nie, solange man den Weg zurück wieder findet. Komplex ist es allemal. Was die Komplexität betrifft, ist RawTherapee auch nicht gerade zu verachten. Werde mir den Workflow in RT im Bälde vornehmen – versprochen.

      LG

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