Ruinen und alte Gebäude – Fotografieren in Endzeitkulisse

Titelbild Ruinen und alte Gebäude fotografieren

Die, die mich kennen, wissen es bereits und alle, die mich nicht oder nicht persönlich kennen, möchte ich an meiner etwas schrägen Leidenschaft, Ruinen und verfallende Gebäude zu fotografieren, teilhaben lassen. Es handelt sich bei Ruinen und verfallenden Gebäuden zwar um technisch eher unkomplizierte Motive, aber sie haben ihren eigenen speziellen Reiz und ich verrate Euch warum.

Warum?

Das ist gar nicht so leicht zu erklären. Hier spielt meine persönliche Neigung sicher eine nicht unwesentliche Rolle, ich habe mich schon früher gerne in abbruchreifen Industrieanlagen herumgetrieben und die Spuren der „Writer“ (=Graffiti-Sprayer) fotografiert, die in dieser morbiden und düsteren Industriekulisse als erste ihre bunten und kreativen Spuren hinterließen. Damals wie heute versuche ich mit meinen Fotografien, die Vergänglicheit fotografisch festzuhalten, der Unterschied zu damals ist, dass weniger die Graffiti, sondern die Kulisse insgesamt zum Motiv geworden ist, und ich heute dieser Leidenschaft bewusster nachgehe.

Hier drei Beispiele aus meinen „Anfängen“ mit Schwerpunkt Graffiti, auf dem Gelände der Fa. Meiller in München aufgenommen (1994 abgerissen):

Wenn Ihr mich also fragt, warum ich ausgerechnet diesen düsteren und desolaten Krempel fotografiere, wo es doch so eine Unmenge „wirklich schöner“ Fotomotive auf der Welt gibt, so muss ich Euch pauschal antworten: „Ja, es mag ‚schönere‘ Motive geben und ich fotografiere sie ebenso gerne. Aber Ruinen und verfallende Gebäude sind für mich aufregende Motive und stumme Zeugnisse vergangener Hochphasen und auch Tragödien. Sie führen mir einerseits die eigene Endlichkeit vor Augen, andererseits zeigen sie mir, wie aus Vergänglichem etwas Neues entsteht.“ Noch Fragen? 🙂

Hier ein paar Beispiele:

Versucht es selbst!

Du wohnst in einer größeren Stadt oder in einem Ballungsraum, der eine lange (schwer)industrielle Geschichte hat? Du wohnst in einem Landstrich, in dem Burgruinen oder verlassene Dörfer existieren? Oder Du lebst in einer Stadt mit niedrigen Grund- und Immobilienpreisen, die einen echten Altstadtkern besitzt, in dem viele Gebäude aus Denkmalschutz- und somit Kostengründen nicht mehr renoviert werden? Na perfekt! Worauf wartest Du noch? Leider gibt es heute aufgrund der schon am Absurden grenzenden Grund- und Immobilienpreise vor allem in Großstädten immer weniger derartiger Objekte. Lediglich in strukturschwächeren Regionen, wo sich Abriss und Wiederbebauung nicht rentieren, werdet Ihr immer fündig, was auch der Grund dafür ist, dass die meisten meiner Fotos dieser Kategorie in Kroatien entstanden sind.

Ausrüstung

Diese Frage ist schnell beantwortet: Eine Kamera, egal ob Systemkamera, Bridge oder Kompakt. Sie sollte allerdings leistungsstark und rauscharm im ISO-Bereich ab 400 sein, da es in unbeleuchteten Gebäuden naturgemäß dunkler ist und der Einsatz eines Blitzes in großen Räumen unsinnig ist. Dies resultiert in längere Belichtungszeiten, weshalb Ihr ggfs. ein Stativ nutzen solltet.

Kreativität

Setzt irgendwelche Dinge in Szene, anstatt nur herumzuknipsen. Es finden sich mit Sicherheit irgendwelche Dinge wie Maschinenteile, Gegenstände und Perspektiven, die erst durch Eure Betrachtungsweise interessant werden. Alternativ könnt Ihr derartige Kulissen auch prima für Videoclips, Mode- und Aktfotografie, Lichtmalerei usw. verwenden – derartige Aufnahmen machen ordentlich was her! 🙂 Links ein Beispiel für originelle Fotografie in Endzeitkulisse: Es hatte 35°C im Schatten und die Kühe sind auf der Flucht vor der Hitze in das etwas kühlere Gebäude gezogen. 🙂

Escape from 35°C.

Sicherheit

Bei verfallenden Gebäuden und (Industrie)ruinen handelt es sich nicht um gewöhnliche Objekte, sondern um Anlagen mit erhöhter Verletzungsgefahr und außerdem Privatgelände, dessen unbefugtes Betreten verboten ist! Oft sind derartige Gebäude einsturzgefährdet, verletzungsträchtige Objekte wie z.B. Glasscherben liegen herum und die Gefahr, im Halbdunkel irgendwelche Schächte, Abgründe usw. zu übersehen, ist vor allem für Fotografen, die gerne mal den Blick umherschweifen lassen, besonders groß. Die Wahrscheinlichkeit, dass im Falle eines Unfalls Hilfe schnell vor Ort ist, ist sehr gering, da in verwaisten Gebäuden selten jemand anzutreffen ist, der Euch schreien hören kann und es oft nur unzureichenden Handyempfang gibt. Ein weiteres Risiko ist, dass derartige Objekte gerne auch allerlei zwielichtige Zeitgenossen anziehen, denen Du (als Fotograf mit Wertgegenstand) besser nicht in die Quere kommst! Und wie in der Natur solltet Ihr auch Ruinen und alte Gebäude stets so verlassen wie Ihr sie vorgefunden habt und keine Sachen stehelen oder demolieren.

Wie in allen anderen Bereichen der Fotografie ist auch hier kein Foto die eigene Gesundheit oder gar das Leben wert, also passt auf Euch auf und kommt heil wieder nach Hause – natürlich mit jeder Menge geiler Fotos im Gepäck! 😉

Ein Kommentar bei „Ruinen und alte Gebäude – Fotografieren in Endzeitkulisse“

  1. Peter Pichler sagt:

    Hallo Daniel, ich freue mich über den neuen Beitrag. Hmm, hab gerade darüber nachgedacht… einige der Fotografien könnte man verfremden ;-). Teilcolorieren, SW oder in ‚Falschfarben‘ tauchen. Weniger ist doch MEHR. Gratuliere. Cu soon Peter

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